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Christian Brei soll der neue Vizepräsident der Leuphana Universität Lüneburg werden. (Foto: A/t&w)

Leuphana: Christian Brei soll neuer Vizepräsident werden

Lüneburg. Christian Brei soll künftig als neuer Vizepräsident die Führungsspitze der Leuphana unterstützen. Gestern hat sich der derzeitige Leiter der Universitätsentwicklung und -verwaltung im Zentralgebäude vorgestellt. Der Senat sprach sich anschließend mit 16 Ja-Stimmen, einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen für den 40-jährigen Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaftler aus. Der Stiftungsrat muss die Wahl nun noch bestätigen.

In einer Pressemitteilung der Leuphana heißt es, dass Präsident Sascha Spoun in Christian Brei „eine ideale Ergänzung für das Präsidiumsteam“ sieht, er über „große Kompetenz in Hochschulpolitik und -management“ verfüge. „Er hat die Neuausrichtung und Entwicklung der Leuphana vom ersten Tag an engagiert vorangetrieben.“

Wie berichtet, ist die Stelle verwaist, seit Holm Keller die Leuphana vor mehr als zwei Jahren verlassen hat. Im ersten Anlauf sollte Claudia Meyer, damals Leiterin der Zentralen Verwaltung, neue Vizepräsidentin werden. Doch die lehnte das Angebot überraschend ab, ging an die viel größere Uni in Kiel. Das Verfahren wurde neu aufgerollt. Christian Brei ist seither so etwas wie ein Tausendsassa an der Uni, neben seinem Job hat er eigentlich die Aufgaben eines klassischen Vizepräsidenten schon übernommen. So ist er beispielsweise längst für Finanzen und Personal zuständig.

Nur wenige Minuten vor Ablauf der Bewerbungsfrist Ende November soll Brei seinen Hut in den Ring geworfen haben – als einziger interner neben 20 externen Bewerbern. Die Findungskommission, die damit beauftragt wurde, die Keller-Nachfolge zu klären, hatte daraufhin beschlossen, zwei Kandidaten „gründlich zu erwägen“. Das geht aus einer vertraulichen Unterlage hervor, die der LZ vorliegt. Beide seien aus Sicht der Kommission von den vier Bewerbern, die gehört wurden, „die mit Abstand kompetentesten“, heißt es.

Präsident Sascha Spoun soll der Findungskommission dem Vernehmen nach aber erklärt haben, dass er sich nur eine Zusammenarbeit mit Brei vorstellen könne. Kritiker sagen, Spoun sei in der Sache befangen, auch der externe Bewerber, den die Findungskommission für kompetent hielt, hätte eine Chance vor dem Senat verdient gehabt.

Am Ende hat Spoun eh das letzte Wort. Denn das Auswahlgremium benötigt immer das Einvernehmen des Präsidenten, um Senat und Stiftungsrat einen Vorschlag unterbreiten zu können. Dabei ist es durchaus möglich, mehrere Kandidaten weiterzuempfehlen und darüber abstimmen zu lassen.

Unklar ist, ob die Wahl ohne Folgen bleibt. Denn auf dem Campus wird gemunkelt, dass der zweite Bewerber, der übrigens über langjährige Erfahrungen als Kanzler an mehreren Hochschulen verfügt, eine Konkurrentenklage anstrebt.

Zur Person: 

Christian Brei

Von 2006 bis 2009 hat der gebürtige Nordhorner dem Präsidenten als persönlicher Referent und Projektleiter der Neuausrichtung zur Seite gestanden. Bis 2012 war er als Co-Leiter der Verwaltung für Finanzen, Infrastruktur, Kommunikation und strategische Universitätsentwicklung zuständig. Dann hat Brei zwei Jahre lang an der Harvard Universität studiert, dort den Master of Public Administration abgeschlossen. Ende 2014 wurde ihm in Lüneburg unter anderem die Universitätskommunikation und Entwicklung von Lehre und Studium übertragen. Seit Mai 2017 ist er für die Verwaltung und damit für rund 250 Mitarbeiter verantwortlich.

Von Anna Paarmann

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9 Kommentare

  1. Werner Schneider

    Wie gut wäre frisches Blut im Präsidium. So geht die Mauschenlei munter weiter.

  2. Beate Franke

    „Präsident Sascha Spoun soll der Findungskommission dem Vernehmen nach aber erklärt haben, dass er sich nur eine Zusammenarbeit mit Brei vorstellen könne.“

    Klar, so funktioniert der Leuphanatismus. Einen fachlich versierten Bewerber von außen, der nicht im Doublethink der Präsi-Blase sozialisiert worden ist, möchte der Doktor aus St. Gallen lieber nicht riskieren. Es wäre ja denkbar, dass der sich mehr an Sachfragen bzw. echte Probleme und weniger an Geltungssucht befriedigende „Opportunitäten“ und Geldwerte versprechende „Usancen“ hielte.

    Und der Senat wird wieder einmal den „Erwartungen“ an seine jämmelichen Claqueursrolle gerecht, nach Maßgabe von welchen seine Mitglieder hineingewählt worden sind. Der hartleibige Selbstbegünstigungsklüngel aus der Svenska Akademien lässt schön grüßen.

  3. Fakt ist, dass interne Berwerbungen externen vorgezogen werden müssen, wenn diese
    die gleiche (oder vermeintliche gleiche) Qualifikation haben…

    • Reinhard Müller

      Das ist leider KEIN Fakt, sondern purer Nonsense, um nicht zu sagen: trumpistischer Fake-Bullshit.

      An praktisch allen Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland besteht Konsens über grundsätzliche, mehr oder weniger starke Einschränkungen für die Besetzung akademischer (Lehr- und Verwaltungs-) Stellen mit Mitarbeitern, die bereits derselben Einrichtung angehören. Ziel der Beschränkungen ist es, eine unerwünschte „Gefolgschaftsbildung“ oder unlautere Bevorzugung aufgrund persönlicher Beziehungen bei der Besetzung solcher Positionen zu verhindern. (Genau diese Art von Begünstigung WILL aber Herr Spoun und bringt das auch mit aller für einen Verwaltungsrichter wünschenswerten Klarheit zum Ausdruck, wenn er erklärt, er könne sich nur eine Zusammenarbeit mit Herrn Brei vorstellen.)

      NUR wenn das nicht zu befürchten ist, ist auch ein Hausbewerber im Berufungsverfahren nach seiner Eignung, Leistung und Befähigung, die möglichst von EXTERNEN Gutachtern zu prüfen ist, berücksichtigungsfähig: Ein eigentliches, generelles und ausnahmsloses Hausberufungsverbot wäre selbstverständlich verfassungswidrig und stünde im Widerspruch zum Prinzip der Bestenauslese und somit zu Art. 33 Abs. 2 GG Grundgesetz. In jedem Fall sind Konkurrentenstreitverfahren auch von Hausbewerbern nicht ausgeschlossen. (Vgl.: Hartmer, Detmer (Hrsg.): Hochschulrecht – Ein Handbuch für die Praxis, 2. Aufl., Heidelberg: Müller, 2011, S. 146 pp.)

      • Sehr geehrter Herr Müller,
        leider bringen Sie wie auch Vorkommentatoren da so einiges durcheinander. Was sie schreiben gilt für die Besetzung von akademischen Stellen, sprich Professuren, in Berufungsverfahren. Bei der Stelle eines Vizepräsidenten handelt es sich aber eben nicht um eine akademische Stelle. Sie unterliegt auch nicht den Vorschriften für Berufungsverfahren, sondern den Vorschriften des niedersächsischen Hochschulgesetzes für die Besetzung der Stelle des Vizepräsidenten (leicht nachzulesen, § 39 NHG in Verbindung mit § 38 NHG). Und diese Vorschrift besagt klar und eindeutig, dass ein Vizepräsident nicht von externen Gutachtern zu suchen ist, sondern durch eine aus Mitgliedern von Senat und Stiftungsrat besetzte Findungskommission, und dass ein Vorschlag der findingskommission “im Einvernehmen mit der Präsidentin oder dem Präsidenten zu erfolgen hat”. Das Gesetz sieht an dieser Stelle eben nicht die Unabhängigkeit des Vorschlags von der Meinung und Einschätzung des Präsidenten vor, sondern ganz bewusst eine Zustimmungspflicht durch Herstellung des Einvernehmens. Darüber hinaus ist an keiner Stelle des Verfahrens weder eine Begünstigung, noch ein Vorbehalt gegenüber internen oder externen Bewerbern vorgesehen. Der von Ihnen dargelegte Sachverhalt ist in dieser Sache insoweit sachlich nicht zutreffend.

        Darüber hinaus darf man in diesem Fall zur Kenntnis nehmen, dass Herr Brei von Senat offenbar mit nur einer Gegenstimme und damit mit einer sehr breiten Mehrheit gewählt worden ist. Solange man davon ausgehen kann, dass nicht alle Senatsmitglieder ihren Verstand mit Eintritt in die Universität vollständig verloren haben, darf man also von einer sehr breiten Unterstützung für Herrn Brei innerhalb der Universität ausgehen. Das übliche verschwörungstheoretische Gerede hier in der LZ dürfte in diesem Fall deshalb leicht erkennbar ins Leere laufen.

      • Sehr geehrter Herr Meyer,

        ich bin Außenstehender, bemühe mich aber zu begreifen, was vorgeht, und stelle fest, dass in der Tat ganz Ihren Ausführungen entsprechend, § 39, Absatz 1 NHG besagt, dass § 38 Abs. 2 und 4 bis 8 mit Ausnahme von § 38 Abs. 6 Satz 2 für die hauptberufliche Vizepräsidentin oder den hauptberuflichen Vizepräsidenten für die Personal- und Finanzverwaltung mit der Maßgabe gilt, dass die Empfehlung der Findungskommission nach § 38 Abs. 2 Satz 2 im Einvernehmen mit der Präsidentin oder dem Präsidenten zu erfolgen hat, wobei § 38 Abs. 2 Satz 2 im hier ausschlaggebenden Kern bestimmt, dass 1. die Vizepräsidentin oder der Vizepräsident auf Vorschlag des Senats ernannt oder bestellt wird, 2. zur Vorbereitung des Vorschlags der Senat und der Stiftungsrat eine gemeinsame Findungskommission einrichten, die 3. aus je drei vom Stiftungsrat und vom Senat aus ihrer Mitte bestellten stimmberechtigten Mitgliedern sowie einem vom Fachministerium bestellten Mitglied mit beratender Stimme besteht, deren Vorsitz ein stimmberechtigtes Mitglied des Stiftungsrates führt, welche Kommission — im Einvernehmen mit der Präsidentin oder dem Präsidenten — zuletzt eine Empfehlung abgibt und 4. diese dem Senat und dem Stiftungsrat zur gemeinsamen Erörterung zuleitet, bevor 5. der Senat über diese Empfehlung entscheidet, welchen Entscheidungsvorschlag er dann 6. dem Stiftungsrat zur abschließenden Entscheidung vorlegt.

        Zu all dem habe ich zwei Fragen:

        1) Wenn den Mitgliedern der Findungskommision bekannt war, dass Herr Spoun nur Herrn Brei akzeptieren würde, warum hat sie dann überhaupt beschlossen, auch den zweiten Kandidaten „gründlich zu erwägen“, was doch viel Zeit, Energie und Geld kostet?

        2) Glauben Sie, wenn sich dem Senat auch dieser zweite Bewerber vorgestellt hätte, der ja über langjährige Erfahrungen als Kanzler an mehreren Hochschulen verfügen soll, dass Herr Brei dann ebenfalls vom Senat mit einer sehr breiten Mehrheit, dass er mit nur einer Gegenstimme (und zwei Enthaltungen) oder dass er überhaupt gewählt worden wäre?

    • Olli Schmitt

      Hallo, sehr geehrter Herr Stiftungsratsvorsteher Meyer,

      das scheinen mir zwei interessante Fragen von Doktor Schulze. Wie würden Sie diese beantworten? Mir als Klempner und Familienvater will es sogar so vorkommen, als ob der ganze Aufwand mit den diversen Befragungen reihum in einem kleinen Haus, wo sich jeder mit Vornamen anspricht und ohnehin aus jeder Körperschaft in jeder Kommission die immergleichen Personen sitzen, völlig überflüssig ist. Und wenn doch sowieso der Präsident den Vizepräsidenten bestimmt, weshalb verzichtet man nicht auf das ganze Winkelbühnen-Brimborium des umständlichen Findungs- und Wahlschauspieles und stellt ein, auf wen der Zeigefinger des Theaterdirektors deutet?

  4. Holger Geyer-Muckel

    Der größte Witz in dem präsidialen Verlautbarungsgestammel ist der Satz: »Der Stiftungsrat muss die Wahl nun noch bestätigen.«

  5. Rette sich, wer kann?

    Es regieren Opportunismus, Verlogenheit, Vetternwirtschaft.

    Es ist Aufgabe der Studenten, den Präsidenten abzuschminken, während die Vorstellung läuft.