Mittwoch , 26. September 2018
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Weniger als 200 Birkhühner leben heute in der Lüneburger Heide, führen derzeit ihren Balztanz auf. Foto: meisterfoto/stock.adobe.com

Im Feder-Frack zum Tanz in den Mai

Niederhaverbeck. Selten ist ein Tanz in den Mai so wichtig für die eigene Arterhaltung: In den vergangenen Wochen legten sich die letzten Birkhähne in der Lüneburger Heide richtig ins Zeug. Untermalt mit zischendem und kullerndem Gesang präsentieren sie von April bis in den Mai hinein tänzelnd ihr blau-schwarzes Federkleid, um den Weibchen für die anstehende Paarungs- und Brutzeit zu gefallen. Von ihrem Erfolg hängt der Fortbestand der Birkhuhn-Population ab. In der Lüneburger Heide leben heute weniger als 200 Exemplare des bedrohten Federviehs.

„Bis Mitte des zwanzigsten Jahrhundert war das Birkhuhn – Tetrao tetrix – noch ein Allerweltsvogel“, sagt Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung, „heute ist der Charaktervogel der Moore und Heidelandschaften vom Aussterben bedroht.“ Durch die Entwässerung der Moore und die Aufforstung großer Heideflächen verlor das Birkhuhn buchstäblich an Boden. „Nur durch intensive Pflegemaßnahmen lassen sich die letzten geeigneten Biotope für Birkhühner erhalten.“

Freiflächen müssen relativ groß sein

Seit jeher profitiert das Birkhuhn von den Heidepflegemaßnahmen des Vereins Naturschutzpark (VNP) mit Sitz in Niederhaverbeck. Denn die Tiere sind darauf angewiesen, dass ihre Lebensräume offen gehalten werden. Und die Freiflächen müssen relativ groß sein, damit die scheuen Bodenbrüter mindestens 300 Meter Abstand zum nächsten Waldrand einhalten können. Seit 2005 gibt es das offizielle Birkhuhnschutzprojekt des VNP, das finanziell unterstützt wird durch die Landesjägerschaft Niedersachsen in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschafts- sowie Umweltministerium in Hannover. Allein 2,8 Millionen Euro fließen so für die Landschaftspflege bis zum Jahr 2022 an den VNP für das Plaggen über das Schoppern bis hin zu Entkusselungsmaßnahmen im Rahmen des Förderprojekts „Birkhuhn und wertgebende Arten der Heidelandschaft“.

Balzplätze werden bewacht

Stefan Wormann betreut beim VNP verschiedene Arten- und Moorschutzprojekte. Er sagt: „Direkt im Naturschutzgebiet haben wir mehr als 50 Birkhühner, die südwestlich der A7 leben. Darüber hinaus gibt es Vorkommen auf den Truppenübungsplätzen Munster-Nord, -Süd, Bergen und bei der Schießbahn von Rheinmetall.“

Damit die seltenen Vögel im Naturschutzgebiet bei der Partnersuche ungestört bleiben, werden Balzplätze bewacht. Im Auftrag des VNP ist sogar ein Berufsjäger im Einsatz, um potenzielle Fressfeinde des Birkhuhns zu beseitigen, etwa Füchse bis hin zu Krähen. Sogar Habichte sollen den Birkhühnern nicht zu nahe kommen. „Die werden lebend gefangen und an Falkner abgegeben“, sagt Wormann. Auf die Frage, ob die Rückkehr des Wolfes nicht auch dem Birkhuhnschutz schade, sagt der Experte: „Ich denke, dass er mehr an Haarwild interessiert ist. Bislang gibt es kein Anzeichen, dass er gezielt Birkhühnern nachstellt.“ Alle Interessierten, die die Birkhühner beobachten wollen, können das laut Wormann gerne tun, „sie sollten aber auf Wanderwegen bleiben“. Wenn der Tanz in den Mai der Birkhähne erfolgreich war, brütet die Henne in einer Erdmulde etwa acht braun gesprenkelte Eier aus. Die Nestflüchter sind nach 14 Tagen flugfähig. dth