Aktuell
Home | Lokales | „Wir brauchen endlich eine Lösung“
Um mit dem Fahrrad nach Neetze zu kommen, müssen Radfahrer die Kreisstraße K16 nutzen. Das ist häufig mit einem hohen Sicherheitsrisiko verbunden. Eine Initiative, bestehend aus Bürgerinnen und Bürgern aus Neetze, Holzen und Reinstorf setzen sich jetzt für einen Radweg oder eine andere Lösung ein. (Foto: be)
Um mit dem Fahrrad nach Neetze zu kommen, müssen Radfahrer die Kreisstraße K16 nutzen. Das ist häufig mit einem hohen Sicherheitsrisiko verbunden. Eine Initiative, bestehend aus Bürgerinnen und Bürgern aus Neetze, Holzen und Reinstorf setzen sich jetzt für einen Radweg oder eine andere Lösung ein. (Foto: be)

„Wir brauchen endlich eine Lösung“

Holzen. Wer mit dem Fahrrad von Reinstorf oder Holzen nach Neetze möchte, muss entweder einen Umweg über unbefestigte Waldwege machen oder über die Kreisstraße 16 fahren – wegen schneller Fahrer, Kuppen und schwer einsehbarer Kurven ein Risiko. Schon seit den 1990er-Jahren setzt sich die Samtgemeinde Ostheide daher für einen Radweg auf der Strecke ein – bisher vergeblich. Viele Bürger haben gehofft, dass der Kreis mit der Sanierung der K 16 in diesem Jahr das Projekt angeht, doch ist der Radwegebau teuer und aufwändig. Deshalb machen sich die Einwohner aus Neetze, Holzen und Reinstorf für einen gleichberechtigten Straßenverkehr stark, laden für Sonntag zur Radtour von Neetze nach Reinstorf ein.

Der Frust sitzt tief bei den Bürgern. Bereits vor 20 Jahren hat die Samtgemeinde Ostheide beim Landkreis eine Resolution für den Radwegebau eingereicht. „Die vier Kilometer zum Supermarkt, zur Schule oder zum Sport nach Neetze zu fahren, ist gefährlich, vor allem mit Kindern“, kritisiert Anja Humburg aus Holzen. „Deshalb nutzen viele das Auto, nicht das Rad.“

Zwar hat der Kreis das Vorhaben im Zuge der anstehenden Sanierung der Kreisstraße geprüft, doch schaffte es der Radweg nicht auf die „Prioritätenliste“. Der Wunsch nach mehr und besseren Radwegen sei zwar verständlich, sagt Isabel Wesselink aus der Pressestelle des Kreises, doch sei auch für den Radwegebau zwischen Reinstorf und Neetze eine Vorlaufzeit von mehreren Jahren nötig. Neben der Planung müssten Grundstücke erworben, Finanzierungsmöglichkeiten geprüft und am Ende sichergestellt werden. „Es ist für uns als Landkreis ein wichtiges Ziel, Radwege attraktiver zu gestalten“, erklärt Wesselink – doch müsse dabei der gesamte Landkreis im Blick behalten werden. „Bisher orientieren wir uns am Radwegekonzept von 2007. Ein wichtiger Punkt darin ist, Radwege, auf denen viele Schüler unterwegs sind, sicher zu gestalten. Der Radwegewunsch aus Holzen ist bisher nicht dabei.“

„Kosten sollten nicht als Argument gegen eine fossilfreiere Mobilität verwendet werden.“ Anja Humburg, Mitinitiatorin

Das will eine Initiative aus Bürgern der Orte Neetze, Holzen und Reinstorf nicht hinnehmen. Zu ihnen zählt neben Anja Humburg auch Reinstorfs Bürgermeisterin Marion Brohm. Leicht befahrbare, sichere Radwege im ländlichen Raum zu schaffen „wäre im Sinne des Integrierten Mobilitätskonzepts des Landkreises Lüneburg“, finden Humburg und ihre Mitstreiter. Auf diese Weise könnten Verbindungen für Fußgänger, Radfahrer und E-Bike-Nutzer zwischen den großen Verkehrsadern geschaffen werden. Die Initiative kritisiert, dass Mobilität zwischen den Dörfern damit auch in Zukunft abhängig vom Auto bleibt. „Beispiele vor der eigenen Haustür zeigen, dass es möglich ist. Zwischen Scharnebeck und Lüdersburg gibt es bereits einen viel genutzten Radweg, der die Mobilität der Menschen vor Ort verändert – bewirkt durch das Engagement der Bürger“, sagt Humburg.

Um Auto- und Radfahrer, Fußgänger, Gemeindevertreter, Unternehmer, Verkehrsverbände, Kreis und Naturschützer zusammenzubringen, organisiert die Initiative eine Radtour von Neetze nach Reinstorf. Humburg betont: „Die Aktion ist kein Protest gegen Autofahrer, sondern eine Einladung, einander zuzuhören und einen Weg mit konkreten Lösungen für eine zukunftsfähige Mobilität vor Ort zu finden.“ Bei der Tour gehe es darum, „Mobilsein zu ermöglichen statt einzelne Verkehrsträger zu bevorzugen“. Denn auch auf dem Land gebe es immer mehr Menschen, „die sich für die Vielfalt von Verkehrsträgern entscheiden und je nach Bedarf auswählen“ – zum Beispiel das E-Bike für die Pendelstrecke zur Arbeit, dörfliches Car-Sharing- Auto für den Weg zum Baumarkt oder Lastenrad von den Nachbarn für den Wocheneinkauf.

Auch offen für alternative Lösungen

Einsetzen möchte sich die Initiative zudem für eine umweltverträgliche Radwegsplanung sowie die Reduzierung von Abgasen. Zwar sei das Kostenargument nicht von der Hand zu weisen, sagt Anja Humburg, „aber als Argument gegen eine fossilfreiere Mobilität sollte das nicht verwendet werden“. Vorstellen könne sich die Initiative auch eine alternative Strecke, oder ein Tempolimit. Fest stünde jedoch: „Wir können noch zehn Jahre streiten, aber wir brauchen endlich eine Lösung“, sagt Humburg.

Um den Radverkehr attraktiver zu gestalten, „auch mit Ideen von Bürgern aus dem Integrierten Mobilitätskonzept wird jetzt ein neues Radwegekonzept erstellt“, sagt Wesselink. „Der Bund hat Fördermittel von 65 000 Euro zugesagt. Das Konzept soll 2019 stehen.“

Treffpunkt zur Radtour ist am Sonntag, 6. Mai, um 15 Uhr in Neetze vor der „Jubi“, Lüneburger Landstraße 8. Infos bei Susann Stüve, 04137 81 00 48 oder getragen@posteo.de.

Von Patricia Luft