Mittwoch , 19. September 2018
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So kennen die Barnstedter Helga Grote: Lächelnd hinter dem Tresen. Foto: be

Die gute Seele von Barnstedt

Barnstedt. Eigentlich ist immer irgendwie Betrieb im Gasthaus Grote in Barnstedt, dem kleinsten der Dörfer in der Samtgemeinde Ilmenau. Am Montag, 7. Mai, wird das Gasthaus mit Sicherheit besonders gut besucht sein: Helga Grote, seit 66 Jahren Wirtin und die gute Seele des Dorfes, feiert ihren 90. Geburtstag und lädt alle, die kommen möchten, ab elf Uhr zum Tag der offenen Tür ein, um kräftig mit ihr zu feiern.

Welche Bedeutung das traditionsreiche Gasthaus heute noch für die Gemeinde hat, zeigte sich am Freitag: Während es am Nachmittag für den Seniorenkreis Barnstedt mit 40 Personen im großen Saal Kaffee, Rhabarberkuchen und einen Vortrag über eine Südafrikareise gab, holten sich in der Gaststube Pauline und Josefine (beide zehn) ihr Eis. Ein Kaffee, ein kaltes Getränk – kein Problem für das Gasthaus.

Chor „Swinging Ilmenau“ übt wöchentlich im großen Saal

Was anderswo das „Dorfgemeinschaftshaus“ ist, ist in Barn­stedt das Gasthaus Grote. Neben dem Seniorenkreis treffen sich regelmäßig die Mitglieder des Dorfvereins „Vicus“ bei Grotes. Die Feuerwehr veranstaltet ihre großen Treffen dort, der Chor „Swinging Ilmenau“ übt wöchentlich im großen Saal, der Kinderfasching steigt bei Grotes, es gibt Stammtische, Trauerfeiern ebenso wie runde Geburtstage. „Und in der warmen Jahreszeit mal ein Eis oder ein Getränk, das ist immer möglich“, erzählt Tochter Claudia Grote.

Was im Gasthaus Grote auch passiert – die organisatorischen Fäden laufen immer noch bei Helga Grote zusammen, der agilen fast 90-Jährigen, die das Gasthaus seit 2007, als Ehemann Ernst starb, allein führt. Claudia Grote: „Mutter ist das Organisationszentrum, sie macht die Termine, die Planung, den Einkauf.“

Und sie steht auch noch am Zapfhahn, verkauft Eis und Getränke, kümmert sich um ihre Gäste. Unterstützt wird sie von ihren Kindern und Enkeln, sie helfen an der Theke, im Gastraum, im Clubzimmer, im großen Saal. Und auch zahlreiche Helfer aus dem Dorf wissen, was sie an ihrer Helga Grote haben, unterstützen sie, wann immer es nötig ist.

Sie bekam einen Eintrag in das Ehrenbuch der Samtgemeinde

Einer davon ist Egbert Bolmerg vom Dorfverein Vicus: „Wir alle sind froh, dass es Helga Grote gibt. Es gibt sonst leider keine vernünftige Möglichkeit mehr im Dorf, sich in größerem Rahmen zu treffen.“ Auch Gemeinde Barnstedt und Samtgemeinde Ilmenau schätzen die Arbeit der Wirtin: 2015 war sie die erste Barnstedterin, die einen Eintrag in das Ehrenbuch der Samtgemeinde bekam. Sie trage „in besonderem Maße zur Dorfgemeinschaft bei“, heißt es da.

1952 hatten Ernst und Helga Grote das Gasthaus an der Hauptstraße 4 in Barnstedt übernommen. Er war gelernter Landwirt, sie gelernte Hauswirtschafterin. Gemeinsam führten sie das Gasthaus, ehemals Gasthaus Bockelmann, in den folgenden Jahrzehnten als Speisewirtschaft mit gutem Namen. „Unsere Gäste kamen auch aus Lüneburg zum Essen zu uns“, erinnert sich Helga Grote.

Einzige Gaststätte im Ort

Eine Metzgerei gab es damals noch in Barnstedt, eine weitere Gaststätte, einen Lebensmittelladen, ein Postamt, einen Schuster, einen Schmied, eine Sparkasse. Eine Tankstelle betrieben die Grotes neben ihrer Gaststätte selbst, auch einen Kohlenhandel. Das ist Vergangenheit, seit fünf Jahren ist das Gasthaus Grote die einzige Gaststätte im Ort, die Küche allerdings ist geschlossen.

Helga Grote ist immer, seit einigen Jahren mit Rollator, und mit vollem Einsatz dabei, wenn Gäste zu ihr kommen. „Und das möchte ich weitermachen, so lange die Gesundheit mitspielt“, sagt sie – und freut sich am Montag auf gut gelaunte Gäste.

Von Ingo Petersen