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Max Mutzke kann mit seiner Stimmbreite alles zwischen Pop und Jazz passend transportieren. Foto: t&w

Max Mutzke und die Elphi von Lüneburg

Lüneburg. Premieren-Stimmung: das erste Nicht-Klassik-Konzert im Libeskind-Bau. Um die 800 Leute, schönes Licht, Hammersound, tanzendes Publikum in den Zuschaue rreihen. Und auf der Bühne ein knackfitter, bestens gelaunter Künstler. „Das hier ist doch die Elbphilharmonie von Lüneburg, oder?“, fragte Max Mutzke gegen Ende des Konzerts. „Ich hab’ dort auch schon gespielt, aber ich sag’ euch: Der Sound hier ist noch besser!“

Erfahrener Entertainer mit umfassenden Tour-Erfahrungen

Vieles war besser und alles war gut, kamen doch mit Mutzke und seinem Publikum zwei überaus konzertversierte Welten zusammen. Der erfahrene Entertainer mit umfassenden Tour-Erfahrungen und Fans, denen man aufgrund ihres Erlebnisreichtums auch nicht mehr viel vormachen konnte. Die Latte lag entsprechend hoch, und Mutzke überwand sie locker. Bereits nach 20 Minuten stand das Publikum, ließ sich dirigieren, sang laut mit. Mutzke war Max und angedockt. „Willkommen Lüneburg!“, rief er entsprechend enthusiastisch durchs Mikro, dann sang er seinen Songcontest-Song „Can‘t Wait Until Tonight“ mit mehr Groove und Rhythmik. Überhaupt ist die Stimmgewalt des 36-Jährigen scheinbar unverwüstlich, seine Oktavenbreite legendär. Er singt weich mit Maximalgefühl, kann aber jederzeit auf harte Kraft umschalten. Er groovt in die Kopfstimme, um Sekunden später warm und satt aus der Tiefe seiner Seele abzuliefern.

Deutsche und englische Titel lösten sich ab, wobei die englischen Songs ihm fast noch besser standen. Denn textlich könnte man sich bei seinen mit dem Schlagergenre flirtenden Zeilen tatsächlich eine Schippe mehr textliche Substanz oder wahlweise formale Originalität wünschen. Doch was soll’s? Sein Herz schlägt für den Musikkosmos, hier lebt er Rock und Pop, Funk und Soul und Mutzke eben.

Nach zwei Stunden gingen die Bühnen-Lichter aus

Der durch die britische Band Jamiroquai populär gewordene Dancefloor-Jazz hat sein Programm möglicherweise genauso inspiriert wie die „Sexmachine“-Dynamik eines James Brown. In ruhigen Bühnen-Momenten scheint er dem „Söhne Mannheim“-Frontmann Xavier Naidoo nahe zu sein, dann beweist er seine wahre Größe mit einer fulminant zu Herzen gehenden „Creep“-Interpretation der Band Radiohead. Vor seiner deutlich tougheren Version von Alicia Keys „Empire State of Mind“ warnte Mutzke das Publikum: „Ihr werdet den Song vielleicht nicht erkennen.“ Aber klar erkannten ihn die meisten und feierten den Mann mit der Mütze für die Klangbild-Verschönerung um so mehr.

Ebenso gefeiert wurde die ihn begleitende Band monoPunk. Von den drei Musikern am Keyboard, Bass und Schlagzeug haben zwei am Jazz-Konservatorium im niederländischen Arnheim studiert und bereits 2013 ein Live-Album mit Max Mutzke aufgenommen.

Nach zwei Stunden gingen die Bühnen-Lichter aus, und wer wollte, konnte sich im Foyer ein Autogramm holen. Korrekt und publikumsnah – so kennt man den Ausnahme-Interpreten, seit er vor 14 Jahren von Stefan Raab entdeckt wurde.

Von Ina Freiwald