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Martha Hübner (l.) und Mira Ebsen Jambrecina lassen Lüneburg bald für ein Jahr hinter sich, die beiden 15-jährigen Schülerinnen gehen nach Südamerika. (Foto: t&w)
Martha Hübner (l.) und Mira Ebsen Jambrecina lassen Lüneburg bald für ein Jahr hinter sich, die beiden 15-jährigen Schülerinnen gehen nach Südamerika. (Foto: t&w)

Eine neue Lebensart kennenlernen

Lüneburg. Seit acht Monaten lebt Manuela Ricciardi in Deutschland, die Brasilianerin nimmt an einem Austausch teil. Ein Jahr lang kann sie Halle an der Saale ihr zu Hause nennen. Dass sie vor einiger Zeit so gut wie kein Deutsch sprechen konnte, ist der 16-Jährigen nicht anzumerken. Mittlerweile beherrscht sie die Sprache fast fließend. „Das ist das beste Jahr meines Lebens“, sagt Manuela, als sie gefragt wird, wie es ihr in Deutschland bislang gefällt. Jetzt war sie gemeinsam mit rund 100 anderen Jugendlichen in Lüneburg unterwegs. Dort hat der Verein „Rotex 1800“ Austauschschüler aus aller Welt mit denjenigen zusammengebracht, die in wenigen Monaten Deutschland hinter sich lassen.

Sina Gussek (22) hat vor sechs Jahren selbst an einem Austausch teilgenommen, heute ist die Lüneburgerin Präsidentin des Vereins. „Solche Wochenenden sind dazu da, um den kulturellen Austausch zu fördern.“ Das Prozedere sieht vor, dass sich Interessierte in ihrer Heimat bewerben und dann bestenfalls zu einem Rotary-Club am anderen Ende der Welt geschickt werden. Dort leben sie dann ein Jahr bei einer Gastfamilie, besuchen vor Ort die Schule. „Man muss kein Mitglied sein“, betont Gussek, „das Angebot richtet sich an alle jungen Leute“. Zurzeit sei eine Argentinierin in Lüneburg, für 2019 hätten sich sechs Austauschschüler angekündigt.

Neben einer Tour durch die Stadt, einer Spendensammelaktion für ein Baumpflanzprojekt, das die Organisation in diesem Jahr ins Leben gerufen hat, Grillen im Innenhof der IHK und einer Audienz beim Bürgermeister, stand auch ein sogenannter Candle-Light-Talk auf dem Programm. „Wir besprechen dann alle möglichen Probleme“, sagt die Präsidentin. Dabei ginge es stets um die Gastfamilien, Herausforderungen mit der deutschen Sprache, aber auch um das Zurechtkommen in der Schule. „Manchmal knallen einfach mehrere Kulturen aufeinander, wir helfen ihnen dabei, den einfachsten Weg in die deutsche Gesellschaft zu finden.“

Auf sich allein gestellt

Mit der Lebensart in Ecuador und Chile müssen sich bald Martha Hübner und Mira Ebsen Jambrecina vertraut machen. Die beiden 15-jährigen Lüneburgerinnen starten Ende August in ein neues Abenteuer. „Ich habe im Internet in einem Bericht über Chile so viel Tolles über die Kultur und die Lebensfreude gelesen“, erzählt Mira, die sich daraufhin von Lüneburgerin in ihrem Wunschziel bestätigen ließ, die aus Südamerika eingewandert sind. Martha freut sich derweil vor allem auf ein „komplett anderes Leben. Wir sind da auf uns allein gestellt, haben die Chance, uns weiterzuentwickeln und einen anderen Blick auf die Dinge zu bekommen“.

Manuela Ricciardi hält es auch angesichts des Syrienkonflikts und Präsidenten wie Donald Trump und Wladimir Putin für wichtig, die Welt zu sehen. „Auch wenn eine Kultur nicht meiner eigenen entspricht, muss ich sie zumindest respektieren.“ In Deutschland sei beispielsweise vieles anders als in Brasilien. „Hier wird viel Brot gegessen“, sagt sie und lacht. „Und Pünktlichkeit ist wichtig.“ Überrascht hätten sie auch die Umgangsformen in der Schule. „In Brasilien siezt man sich nicht, Schüler und Lehrer sind ein bisschen wie Freunde.“

Über den Verein

Rotex 1800

„Rotex“ steht für „Rotary Exchange“, übersetzt: Austausch. Der Verein betreut Austauschschüler – sowohl solche, die vorübergehend in Deutschland leben, als auch diejenigen, die bald ins Ausland gehen werden. Allein in Deutschland gibt es 15 solcher Organisationen, die Zahl 1800 kennzeichnet beispielsweise die Zuständigkeit für Teile Niedersachsens und Sachsen-Anhalts. In dem Verein haben sich ehemalige Austauschschüler organisiert, die ihre Erfahrungen gern an andere weitergeben möchten.

Von Anna Paarmann

2 Kommentare

  1. Hannelore Alm

    Toll.

    Ich beglückwünsche all diese klugen, mutigen Mädchen und Jungen! Viel, viel mehr sollten solche bereichernden Erfahrungen machen dürfen bzw. können.

    • JA … finde das auch Super !! Es ist wichtig die Welt zu sehen und diese dadurch ein bisschen mehr zu verstehen. Und jetzt überlegen Sie mal, Hannelore, wie viele Lüneburger Jugendlichen diese Erfahrung machen könnten … wenn das Audimax „eine Nummer kleiner ausgefallen“ wäre … und das Geld hierfür ausgegeben würde. (Von BER und Elphi mal ganz zu schweigen).