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Damit man Fenster nicht einfach mit einem Schraubenzieher aufhebeln kann, sollten Hausbesitzer auf spezielle einbruchhemmende Fenster setzen. Darüber klären Eleonore Tatge und Jens-Rüdiger Tödter vom Arbeitskreis „Sicher bauen und wohnen“ auf.

Einbruchschutz fängt schon beim Hausbau an

Lüneburg/Vögelsen. Nahezu die Hälfte aller Haus- und Wohnungseinbrüche in Deutschland geschehen tagsüber in der Zeit von 8 bis 22 Uhr. Doch vor allem in Neubaugebieten in Stadt und Landkreis Lüneburg soll Einbrechern das Leben in Zukunft deutlich schwerer gemacht werden. Unter dem Titel „Sicher bauen und wohnen“ starten Polizeiinspektion Lüneburg und Kriminalpräventionsrat eine Informationskampagne und geben praktische Tipps für Bauwillige. Damit reagieren die Initiatoren einerseits auf den anhaltenden Bauboom in Stadt und Kreis. Gleichzeitig beherzigen sie den Grundsatz: Vorsorge ist günstiger als Nachsorge. Zudem gibt es sogar eine staatliche Förderung des Einbruchschutzes.

„Oft wenden sich Hauseigentümer erst an uns, wenn sie bereits Opfer geworden sind“, sagt Polizeihauptkommissarin Eleonore Tatge. „Und was die meisten vor allem schockiert, ist, dass jemand Fremdes ihre Privatsphäre verletzt hat.“ Um dem vorzubeugen, ist es sinnvoll, Sicherheitstechnik, wie einbruchhemmende Fenster und Türen bis hin zu Einbruchmeldeanlagen, bereits bei der Planung eines Neubaus zu berücksichtigen.

Nachrüstung meistens teurer

Tatge: „Viele angehende Bauherren denken bei der Hausplanung weniger an eine solche Ausstattung, um Kosten zu sparen. Dabei ist die spätere Nachrüstung in der Regel sogar teurer.“ Dabei sollte der Fokus auf mechanischen Sicherungen liegen. Denn eine Alarmanlage meldet einen Einbruch nur, verhindert ihn in der Regel aber nicht. Das gilt auch für sogenannte „smarte“ Lösungen. Tatge: „Was bringt es mir, wenn ich im Urlaub den Einbrecher via Videoüberwachung auf meinem Handy sehen kann?“

Zur Sache

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Haus- und Wohnungseinbrüche registrierte die Polizei im Bereich der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen im Jahr 2017. Der Höchststand seit 1990 datiert von 1993 mit insgesamt 1293 Einbrüchen, der niedrigste Wert wurde 2004 gemeldet mit 378.

Für Türen und Fenster empfiehlt die Polizei (nach DIN EN 1627) mindestens die Widerstandsklasse (RC)2. Ziel der mechanischen Sicherung ist es, den sogenannten Widerstandszeitwert zu erhöhen. Mit anderen Worten: Der Einbrecher soll sich möglichst lange an dem Schließmechanismus abquälen müssen, bis er aufgibt. Die meisten Einbrecher lassen nach zirka drei bis fünf Minuten von einem Objekt ab, wenn sie nicht ins Haus oder die Wohnung gekommen sind.

Türen lassen sich da einfacher nachrüsten, beispielsweise mit Einsteckschlössern und Profilzylindern inklusive Bohrschutz. Bei Fenstern hingegen kommt es nicht nur auf abschließbare Griffe an. Speziell einbruchhemmende Fenster sind in ihrer Gesamtkonstruktion – vom Rahmen über die Beschläge bis hin zur Verglasung – so angelegt, dass sie keinen direkten Schwachpunkt bieten. Dabei verstecken sich beispielsweise zusätzliche Sicherheitsverriegelungen im Fensterrahmen. Bei einer Nachrüstung hingegen empfehlen sich beispielsweise Zusatzkastenschlösser, die aufgeschraubt werden, aber eher unansehnlich sind.

„Angsträume sollen nicht entstehen“

Aber nicht nur bei der Hausplanung, sondern auch bei der Gestaltung des Gartens sollte der Einbruchschutz berücksichtigt werden. Jens-Rüdiger Tödter von der Hansestadt Lüneburg ergänzt: „Bei der Stadtplanung achten wir darauf, dass keine Angsträume entstehen. Das sollten auch Entwicklungsträger von Wohngebieten im Blick haben.“ Auf dem privaten Grundstück geht es um gute Einsehbarkeit, und Bewegungsmelder für die Außenbeleuchtung sollten möglichst hoch angebracht sein.

Anlässlich des neuen Wohnbaugebiets Süderfeld III findet in Vögelsen die erste Infoveranstaltung zum Thema sicheres Bauen und Wohnen statt. Sie steht allen Interessierten und Bauwilligen offen. Termin ist am Dienstag, 29. Mai, um 19 Uhr im Gemeindehaus der Kirchengemeinde Vögelsen (Schulstraße). Dabei wird auch über staatliche Fördermöglichkeiten informiert. Weitere Infos bei Eleonore Tatge vom Präventionsteam unter (04131) 83 06 23 09.

Von Dennis Thomas