Mittwoch , 26. September 2018
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Zum ersten Mal beginnt für die 8e der IGS Lüneburg der Schultag mit Zeitunglesen. Sechs Wochen lang wird die LZ sie begleiten. (Foto: t&w)
Zum ersten Mal beginnt für die 8e der IGS Lüneburg der Schultag mit Zeitunglesen. Sechs Wochen lang wird die LZ sie begleiten. (Foto: t&w)

LZ erobert die Klassenzimmer

Lüneburg. Cecilias Lieblingsartikel war der Polizeibericht. Jule hat sich am meisten für die „zu dicken Deutschen“ interessiert. Und Jakob gibt offen zu: „Spannend fand ich heute eigentlich nichts in der Zeitung.“ Zum ersten Mal startete der Schultag für die Achtklässler der Integrierten Gesamtschule (IGS) Lüneburg gestern mit Zeitunglesen – Auftakt des Gemeinschaftsprojektes „Zeitungsleser – Weltentdecker“. Sechs Wochen lang steht die LZ nun täglich für sie und rund 380 weitere Schülerinnen und Schüler in Stadt und Landkreis Lüneburg auf dem Stundenplan.

Zum elften Mal organisieren die Landeszeitung, die Leuphana und das Netzwerk Leseförderung das Projekt, insgesamt 17 Klassen an acht Schulen nehmen in diesem Jahr teil und erhalten täglich kostenlos die LZ. Die IGS Lüneburg ist mit gleich vier Klassen dabei, „das ist fast der gesamte achte Jahrgang“, sagt der Fachlehrer für Deutsch, Martin Meier-Schütze. Für ihn persönlich ist die Projektteilnahme eine Premiere – und zugleich eine willkommene Chance. „Laut Lehrplan sind die Zeitung und die verschiedenen Textformen ohnehin Pflicht“, sagt er, „da wäre es fast schon dumm, sich an diesem Projekt nicht zu beteiligen.“

Für viele seiner Schüler in der 8 e ist die Zeitung bisher Neuland, nur elf der 27 Achtklässler kennen die LZ von zu Hause – und lesen sie auch hin und wieder. Dabei steht bei den Jugendlichen vor allem ein Ressort hoch im Kurs: der Sportteil. Mathis liest aber auch gerne mal Artikel aus aller Welt und dem Politikteil. Und John mag alles über Tiere und Verbrechen. Was sich die Schüler wünschen würden von ihrer Zeitung? „Mehr Berichte über Aktionen und Veranstaltungen für Jugendliche in unserem Alter“, sagt Runa. Und Tim ergänzt: „Mehr Sport und mehr Artikel über Aktionen wie den Besuch der Foodtrucks.“

Eine halbe Stunde lang, von 7.45 bis 8.15 Uhr, dürfen die Jugendlichen in der IGS nun jeden Morgen Zeitung lesen. Leise, das ist dabei die einzige Vorschrift. Was gelesen wird, entscheidet jeder für sich. Je nach Interesse. „Wir hoffen, dass dadurch ein Motivationsschub einsetzt, die Schüler mehr Lust am Lesen haben“, sagt Klaus Schröder, Dozent des begleitenden Uni-Seminars. Die Erfahrung der vergangenen zehn Jahre macht zumindest Hoffnung. „Die Schüler hatten nach dem Projekt mehr Interesse am Zeitunglesen, denn für viele ist dieses Medium dadurch erst in den Blick geraten.“

In anderen Ländern wie Finnland gehört die Zeitung schon seit Jahren ganz selbstverständlich zum Schulalltag. Und auch in Deutschland gibt es viele andere Zeitungsprojekte für Schulen – doch die haben in der Regel eine andere Zielsetzung als „Zeitungsleser – Weltentdecker“. „Hier stand und steht die Lesemotivation im Vordergrund“, sagt Schröders Dozenten-Kollege Eckhard Ninnemann. Ob es der LZ gelingt, bei den Schülern der 8 e die Freude am Lesen zu wecken, werden die nächsten sechs Wochen zeigen. Lust haben die meisten Jugendlichen auf das Projekt, denn besser als Grammatik ist die Zeitung allemal.

Hintergrund

Alles begann mit dem Pisa-Schock

Auslöser, das Projekt „Zeitungsleser – Weltentdecker“ 2007 ins Leben zu rufen, war der Pisa-Schock. Die Bildungsstudie hatte gezeigt, dass bis zu 25 Prozent der deutschen Schüler nicht in der Lage sind, einfache Texte zu verstehen. Damals war Dr. Christine Garbe noch Professorin an der Universität und wollte etwas dagegen tun – und zwar praktisch vor Ort. Gemeinsam mit dem Team des Netzwerk Leseförderung und dem damaligen LZ-Chefredakteur Christoph Steiner startete sie das Projekt zur Leseförderung. Seitdem haben fast 4000 Jugendliche daran teilgenommen.

Von Anna Sprockhoff