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Dr. Ulf Buchert ergänzte seinen Vortrag vor den Kreuzgangmauern mit Infos über Brunnenschale und Fußwaschbecken. (Foto: ina)
Dr. Ulf Buchert ergänzte seinen Vortrag vor den Kreuzgangmauern mit Infos über Brunnenschale und Fußwaschbecken. (Foto: ina)

Auf den Spuren der Scharnebecker Mönche

Scharnebeck. Wer heute vor der Grundschule Scharnebeck auf den noch nicht fertig gestellten Anbau schaut, kann sich kaum vorstellen, dass sich dort einst ein Teil des Zisterzienserklosters Scharnebeck befand. Dreht sich der Betrachter um, rückt die Vergangenheit näher, denn vor ihm stehen die alten Grundmauern des Kreuzgangs. „Diese führten über das gesamte Gelände, denn die damalige Anlage war weitläufig und umfasste nicht nur die alte Klosterkirche, sondern auch das Klosterhauptgebäude inklusive kleinem Keller“, erklärte Dr. Ulf Buchert von der Grabungsfirma Archaeofirm Isernhagen.

Im Obergeschoss der Domäne hielt er für Interessierte einen Vortrag mit dem Titel „Die archäologische Grabung auf dem Grundschulhof in Scharnebeck“. Unterstützt von Christian Krohn, Vorsitzender des „Vereins für Heimatkunde im Raum Scharnebeck“, stellte er in diesem Rahmen die Ergebnisse der ab 27. März 2017 zwei Monate andauernden Grabungen (LZ berichtete) auf dem 900 Quadratmeter umfassenden Gelände vor.

Hinweise auf Mittelohrentzündung 

Besonders im Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit stand der damalige Fund von insgesamt vier bestatteten Mönchen: drei Schädel, einige Knochen und ein fast kompletter Leichnam. „Die Gebeine verrieten, dass drei der Toten männlich waren und innerhalb des Klosters umgebettet wurden“, so Buchert. Eine poröse Stelle am Schädelknochen weist auf eine Mittelohrentzündung hin. Das Lebensalter wird auf ungefähr 40 Jahre geschätzt.

„Zur Zeit befinden sich die Gebeine mit den gesamten anderen Funden noch beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Lüneburg“, ergänzte Christian Krohn. „Sie sollen aber in absehbarer Zukunft neben der heutigen St. Marienkirche bestattet werden, um dort ihre letzte Ruhe zu finden.“

Wärmeraum als Schreibstube

Seiner Entdeckung eines so genannten „Lochsteins“ im Aushub einer Erweiterung der Baugrube ist auch zu verdanken, dass die Experten auf die Spur eines Heizsystems kamen. Buchert: „An der Wand eines Kellerteils wurden rötliche Verfärbungen entdeckt, die durch Hitze und Verbrennungen entstanden sind. Von dort wurde warme Luft nach oben geschickt, damit die Brüder sich im darüber liegenden ,Wärmeraum’ aufhalten konnten.“

Dieser einzige beheizte Raum des gesamten Terrains diente den bis zu 44 im Kloster lebenden Mönchen vermutlich als Besprechungsraum und Schreibstube. Wäre dieser nicht beheizt gewesen, hätten sie weder die Tinte nutzen können, noch mit klammen Fingern ihre Urkunden und Notizen fertigen können. Die Mauern waren aus Feld- und Ziegelsteinen.

Die von Buchert an die Wand projizierten Ausgrabungspläne zeigen auch die Grundmauern eines 30 Meter mal 10 Meter langen Gebäudes, das wohl erst im 17. Jahrhundert hier entstand. Die eigentlichen Überreste des Klosterhauptgebäudes grenzten im Norden an das Querhaus der Klosterkirche, von dem man in sie hinein gehen konnte. Am westlichen Ende der Grabungsstelle konnten die Archäologen einen aus Ziegelsteinen bestehenden Fußboden des Klostergebäudes im Fischgrätenmuster freilegen und in nordwestlicher Richtung davon weitere Wandreste des Kellers.

Wasserquelle für die Mönche

Nach Ansicht von Christian Krohn „zeichnete sich am Grubenrandprofil die Eintiefung des Kellers ab. Und vom Pflaster in Richtung Westen vor dem Grubenrand wurden Stufen einer Kellertreppe aufgedeckt.“ Am östlichen Rand der Ausgrabungsstelle befand sich ein vorgeschichtliches Grubenhaus aus der römischen Kaiserzeit. Laut Buchert „waren die Scherben so einfach gestaltet, dass sie schlecht zu datieren waren.“

In der Geländemitte befanden sich die Grundmauern des ehemaligen Amtshauses. Auch ein Brunnenhaus mit einem artesischen Brunnen war Teil der Anlage. Ein Bachlauf, der über das Gelände führte, wurde umgeleitet und diente als Wasserquelle. Um die archäologischen Funde auch jungen Menschen zugänglich zu machen, wird die Ausstellung einiger Fotos und Infotafeln in der Schule erwogen.

Von Ina Freiwald