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Insgesamt 200.000 Euro sind in die Sicherung des Wildgatters und die Einrichtung des Wolfslehrpfades bei Gartow geflossen. Foto: rg

Lernen und Erleben

Gartow. Das Gartower Wildgatter liegt denkbar ungünstig. Heute. Seit der Rückkehr des Wolfes nach Lüchow-Dannenberg und der Entstehung mutmaßlich mehrerer Wolfsrudel befindet sich das Gatter im Gartower Forst „wenn man so will, auf dem Präsentierteller. Wie ein Büfett“, sagt Peter Burkhardt, der das Wildgatter und die Tiere dort betreut.

Eine Not, aus der man in Gartow jetzt eine Tugend gemacht hat: In den vergangenen Monaten hat man den das Gatter umgebenden Zaun verstärkt, um das Rot-, Dam- und Schwarzwild dort vor Wolfsübergriffen zu schützen – und dabei quasi nebenbei Deutschlands ersten „Wolfslehrpfad“ angelegt, mit vielen Infos über den Wolf und das Gartower Wolfsrudel. Und darüber, wie sich Gatter generell wolfssicher machen lassen. Jetzt ist dieser Wolfslehrpfad offiziell eingeweiht worden, und er soll künftig dafür sorgen, dass noch mehr Menschen das Gatter besuchen als ohnehin schon.

Rund 200 000 Euro hatten der neue Zaun, das Anlegen neuer, befestigter und somit auch barrierefreier Wege um das Gatter, der Bau von Schutzhütten und das Einrichten des Wolfslehrpfads gekostet. 120 000 Euro davon kamen als Fördermittel aus Brüssel und Hannover, 35 000 Euro von der Gemeinde Gartow, 20 000 Euro von den Bernstorffschen Betrieben, denen das Gatter gehört, 7000 Euro hatte der Jagdpächter dazugegeben und 6000 Euro die Bingo-Lotto-Stiftung.

„Der Bestand des Gatters, das kann man so sagen, ist jetzt für die nächsten Jahren gesichert“, freute sich Fried Graf von Berns-torff bei der Eröffnungsfeier. Das sage er so vorsichtig mit Blick auf die bewegte Geschichte des Gatters, das schon mehrfach kurz davor gestanden hatte, zu verschwinden.

3000 Hektar große Anlage entstand im 19. Jahrhundert

Mitte des 19. Jahrhunderts war das Gatter als Tiergarten eingerichtet worden, damals erst 1900, später 3000 Hektar groß und mit der Aufgabe, dort das Rotwild einzusperren, das in den Gartower Wäldern und den umliegenden Äckern zur regelrechten Plage geworden war. Bis zum Zweiten Weltkrieg bestand dieser Tiergarten, danach verfiel er, das dort gehaltene Rot- und Damwild brach aus, wurde „zum Ursprung der heutigen Bestände“, sagte von Bernstorff.

Erst 1970 entstand dann das Gatter in der heutigen Form. Die ersten Tiere, drei Rothirsche, wurden eingesetzt als Kompensation für einen Fehlabschuss eines Jagdgastes, was dem Gehege den Namen „Sühnegatter“ einbrachte. In den 1990er-Jahren war das Gatter dann aber wieder marode, wieder brauchte es einen Kraftakt, es zu erhalten – und das gelang bis heute.

„Wolfssicher?“ Peter Burkhardt schüttelt den Kopf. „Wolfssicher ist das Wildgatter aber auch jetzt, nach den umfangreichen Umbaumaßnahmen, nicht“, sagt der Wolfsberater und Betreuer des Gartower Wildgatters. „Wolfsabweisend“ sei der richtige Begriff, betont Burkhardt: „Wolfssicher würde Zoo-Standard bedeuten, und das würde hier nicht passen und wäre auch nicht finanzierbar. Dieser Zaun hier ist wolfsabweisend nach menschlichem Ermessen.“

Die Zäune sind stabilisiert, teilweise in den Boden eingegraben worden, teilweise jetzt aber auch auf eine deutlich günstigere Art und Weise gegen das Untergraben geschützt: „Das Drahtgeflecht liegt auch vor dem Zaun, rund einen Meter weit, und darüber ist Gras gewachsen. Das verhindert effektiv, dass sich ein Wolf oder auch ein Fuchs oder ein Dachs durchgraben können.“

Andere Möglichkeiten, einen wolfsabweisenden Zaun zu bauen, werden ebenfalls am Wildgatter gezeigt, als Anschauungsobjekte „für Menschen, die selbst ein Gatter oder auch eine Koppel haben und sichern wollen“. Diese Tierhalter zu informieren, sei eines der wichtigsten Ziele des Wolfslehrpfades, betont Peter Burkhardt. Um Weidetierhaltung geht es am Gatter ausdrücklich nicht.

Wissensvermittlung und Wildschutz werden vereint

„Das, was hier entstanden ist, kann man gar nicht hoch genug einschätzen“, sagt Gartows Bürgermeisterin Magda Geldmacher. Seit der Rückkehr der Wölfe sei „eine große Unruhe in der Region“ zu spüren gewesen, es habe „Halbwissen geherrscht“ und auch Furcht. Dass nun an diesem Ort, am Gehege, das ja selbst durch den Wolf bedroht gewesen sei, informiert werde, sei „großartig. Wildschutz und Wissensvermittlung werden hier vereint“ in einer wichtigen touristischen Einrichtung. Dort könne man „lernen, mit dem Wolf zu leben“, jenseits der gesellschaftlichen Extreme „zwischen bedingungslosem Kuschelkurs und bedingungslosem Abschießen“, sagt die Bürgermeisterin.

von Rouven Gross