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Die Koordinatorinnen des Projekts: Dr. Antje Seidel (l.) und Annika Weiser. Sie möchten jetzt erneut die Lüneburger um ihre Meinungen zu den 17 Maßnahmen für eine nachhaltige Stadt bitten. (Foto: t&w)
Die Koordinatorinnen des Projekts: Dr. Antje Seidel (l.) und Annika Weiser. Sie möchten jetzt erneut die Lüneburger um ihre Meinungen zu den 17 Maßnahmen für eine nachhaltige Stadt bitten. (Foto: t&w)

Was bewegt die Menschen vor Ort?

Lüneburg. Als Dr. Antje Seidel den Namen „Klimaline“ in den Raum wirft, muss sie selbst schmunzeln. Dahinter verbirgt sich die Idee, gemeinsam mit einem Landwir t und einer Schokoladenmanufaktur eine CO2-neutrale Praline herzustellen. „Das Charmante daran ist, dass wir mit den kleinen Dingen anfangen können“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin, die gemeinsam mit Annika Weiser das Projekt „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ koordiniert. Denn das Duo hat Größeres im Sinn: Eine der insgesamt 17 Maßnahmen, die jetzt dazu entwickelt wurden, Lüneburg bis 2030 nachhaltig zu verändern, sieht vor, die Wirtschaft klimaneutral zu gestalten. „Die Frage ist: Würden die Leute eine solche Praline kaufen, wenn sie damit kein CO₂ verursachen?“

Genau das möchten die Verantwortlichen des Projekts, zu denen neben Prof. Dr. Daniel Lang und Prof. Dr. Ulli Vilsmaier von der Leuphana Universität beispielsweise auch Dr. Karl-Heinz Rehbein, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Stadt, zählt, herausfinden. Denn mit etwas Glück schafft es die Kommune in die dritte und letzte Phase des bundesweiten Wettbewerbs, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Wissenschaftsjahr 2015 ausgeschrieben hat. Derzeit sind noch 20 Teilnehmer dabei, neben Lüneburg unter anderem auch Norderstedt, Wolfsburg und der Wattenmeer-Achter. Sechs bis acht Auserwählte sollen die Chance erhalten, Pilotprojekte zu starten. Unter ihnen wird eine siebenstellige Förderungssumme aufgeteilt.

Ende Juni muss der dafür notwendige Antrag ausgearbeitet sein. Um sicherzugehen, dass die Ideen für Lüneburg auch von allen Bürgern getragen werden, hat die Arbeitsgruppe beschlossen, nochmal an die Öffentlichkeit zu gehen. Deshalb startet am Montag, 14. Mai, eine groß angelegte Aktion mit Plakaten, Flyern, Broschüren und einer Umfrage.

450 Teilnehmer in der zweiten Phase

Die Möglichkeit, mehr über die einzelnen Maßnahmen zu erfahren, bietet auch die LZ in den kommenden beiden Wochen. Im Rahmen einer kurzen Serie werden die vier Themenbereiche und die dazu gehörigen „Lüneburger Lösungen“ vorgestellt. Der erste Teil, der am Dienstag, 15. Mai, erscheinen soll, setzt sich beispielsweise mit den Themen Bauen und Wohnen, Soziales und Bildung auseinander. Später sollen auch die Maßnahmen rund um Klima, Grün in der Stadt, Energie, Konsum, Mobilität, Vernetzung und Zusammenarbeit vorgestellt werden.

In den Entstehungsprozess sind bislang insgesamt rund 235 000 Euro geflossen: 35 000 Euro in der ersten Phase, in der gemeinsam mit 750 Erstsemestern und 250 Akteuren aus der Praxis und der Universität 25 Visionen entwickelt wurden. In der zweiten Phase beteiligten sich erneut bis zu 450 Leute im Rahmen von Workshops und einem Aktionstag im Zentralgebäude. Im Rahmen dieses Prozesses wurden konkrete Maßnahmen ausgearbeitet. Und die gilt es jetzt zu gewichten.

„Wir möchten am Ende umsetzbare Maßnahmen haben, die von ganz vielen Lüneburgern getragen werden“, sagt Weiser. „Dazu müssen wir erfahren, was für Wissen in Lüneburg schon existiert und was geeignete Orte sind, an denen ein Pilotprojekt gestartet werden könnte.“ Ähnlich umschreibt Antje Seidel das Anliegen: „Wir sind an Lüneburg gebunden und möchten deshalb herausfinden, was die Menschen hier vor Ort bewegt.“ Sinn des Projekts sei es nicht, Ideen aus anderen Städten zu kopieren, sondern angepasst an die Eigenheiten der eigenen Kommune Maßnahmen auf den Weg zu bringen.

Mitmachen

Lüneburger sind gefragt

Vom 14. bis 27. Mai gehen die Projektverantwortlichen an die Öffentlichkeit. Dazu nutzen sie verschiedene Wege: Mit Unterstützung von der Lüneburg Marketing GmbH sollen sieben Tage lang große Plakate mit Slogans wie „Lüneburg geht weiter – gehst du mit?“ auf die Beteiligungsmöglichkeiten hinweisen, ebenso wie kleinere Banner und Postkarten. Informieren können sich Lüneburger zudem in einer 24-seitigen Broschüre. Ein kleiner Fragebogen bietet die Möglichkeiten, die persönlichen Lieblingslösungen zu benennen. Das Heft soll in Supermärkten, Kleingartenanlagen, Stadtteilhäusern, im Rathaus, Bürgerbüro und in einigen Lüneburger Geschäften ausgelegt werden. Jeder ist zudem dazu eingeladen, sich auf der Internetseite www.lueneburg2030.de ausführlicher zu informieren und dort an der Online-Umfrage teilnehmen. Nach dem 27. Mai sollen die Ergebnisse ausgewertet werden und dann unmittelbar in die Antragstellung einfließen.

Von Anna Paarmann