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Wendelin Schmücker schaffte in einer Transportbox zwei Schafskadaver vor das Bundesumweltministerium. (Foto: Schmücker)
Wendelin Schmücker schaffte in einer Transportbox zwei Schafskadaver vor das Bundesumweltministerium. (Foto: Schmücker)

20 Schafe nach Angriff tot

Mechtersen/Winsen. Der Besuch in Berlin war geplant, die toten Tiere nicht: Zwei Schafskadaver packte Wendelin Schmücker in eine Transportbox und demonstrierte damit gestern spontan vor dem Bundesumweltministerium in der Hauptstadt. Dabei spannte er mit anderen ein Transparent auf mit der Aufschrift: „Der Wolf frisst kein Gras“. Ursprünglich wollte der Winsener Berufsschäfer Schmücker nur mit Bundestagesabgeordneten das Gespräch über den Herdenschutz suchen. Doch am vergangenen Freitag wurde seine 102-köpfige Schafsherde in der Feldmark zwischen Mechtersen und Radbruch vermutlich Opfer eines Wolfsangriffs. Drei Tiere hatte Schmücker tot aufgefunden, 17 weitere mussten infolge der schweren Verletzungen vom Tierarzt eingeschläfert werden. Brisanz hatte die Begegnung mit dem zuständigen Wolfsberater, der den Schaden aufnahm.

Schmücker ist Sprecher der Berufsschäfer in der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände, er gilt als einer der härtesten Wolfskritiker in der Region. Er hatte sich schon früh für einen Abschuss von Wölfen ausgesprochen. Da zeigte er sich nun wenig begeistert, als er beim Kreis Lüneburg einen Wolfsberater anforderte, um die angefallenen Schafe zu begutachten, und Uwe Martens den Einsatz übernahm. Martens ist Vorstandsmitglied des Freundeskreises freilebender Wölfe e.V. und stand Schmücker schon oft bei Diskussionsrunden gegenüber. Jetzt waren beide um Sachlichkeit bemüht.

Laut Schmücker habe er zunächst nur noch zehn seiner 102 deutschen schwarzköpfigen Fleischschafe auf der Weide vorgefunden. „Eines war tot, die anderen schwer verletzt.“ Der 90 Zentimeter hohe Elektrozaun war teilweise niedergetrampelt. Den Rest der Herde fand er rund 300 Meter entfernt in einem Waldstück. „Dort waren zwei weitere tote Tiere und noch mehr verletzte. Und ein Schaf ist verschollen.“ Er alarmierte den Tierarzt, der 17 Schafe einschläferte. Mindestens eines war beispielsweise derart schwer verletzt, dass die Innereien zu den Flanken aus dem Körper traten.

„Wenn die Politik nicht bereit ist, die Kosten zu übernehmen, bin ich geneigt, meinen Beruf aufzugeben.“ Wendelin Schmücker, Berufsschäfer

Während Schmücker überzeugt ist, dass ein Wolf seine Schafe massakriert hat, zeigt sich Wolfsberater Martens reserviert: „Das waren sehr ungewöhnliche Risse. Wenn es ein Wolf war, war es kein erfahrenes Tier.“ Denn es seien allenfalls Spuren von versuchten Kehlbissen zu sehen gewesen. Martens: „Ich bin selber gespannt, was die Bewertung des Wolfsbüros ergibt.“ Das dürfte erfahrungsgemäß etwas dauern.

„Wir werden das gesammelte Probenmaterial an das Senckenberg-Insitut schicken und eine DNA-Analyse veranlassen“, sagt Bettina Döhr, Sprecherin des Wolfsbüros beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz in Hannover. „Außerdem werten wir das Protokoll des Wolfsberaters und die Fotodokumentation aus, damit unsere Veterinäre eine amtliche Feststellung machen können.“

Unterhalt der Hunde kostet 2500 Euro pro Jahr

Aus der Warte des Wolfsfreunds sagt Martens über Schmückers Herde: „Der Grundschutz war da. Natürlich könnte man noch mit Herdenschutzhunden arbeiten.“ Ein Thema, weshalb Schmücker gestern in Berlin war. Der Berufsschäfer sagt: „Wenn ich für jeden meiner Standorte zwei Herdenschutzhunde einsetzen will, brauche ich davon zwölf Stück.“ Nicht nur, dass der Unterhalt dieser Hunde rund 2500 Euro pro Jahr koste, „ich müsste auch noch eine Person einstellen, die sich um die Bedürfnisse der Hunde kümmert. Das kann ich mir aber betriebswirtschaftlich nicht leisten. Und wenn die Politik nicht bereit ist, die Kosten zu übernehmen, bin ich geneigt, meinen Beruf aufzugeben.“ Nach rund 300 Jahren Schäfertradition in seiner Familie.

Über die Herdenschutzkosten sprach Schmücker gestern mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Klaus-Peter Schulze, der Mitglied im Umweltausschuss ist. Der sagte zu, zu dem Thema auch eine Anhörung im Agrarausschuss mit anzustoßen. Immerhin hat Schmücker in der Sache einen unerwarteten Mitstreiter. Wolfsfreund Martens sagt: „Ich meine auch, dass die Politik gefordert ist, dass die laufenden Kosten von der Allgemeinheit übernommen werden.“

Von Dennis Thomas

16 Kommentare

  1. Das kann ich mir aber betriebswirtschaftlich nicht leisten.
    es geht hier also nur ums geld und nicht um die ,,armen ,,schafe, die eh geschlachtet werden. oder hat schon jemand eine schaf-beerdigung beobachtet? die natur kann ja so grausam sein.

  2. Das ist der zweite Vorfall innerhalb kurzer Zeit nach einem wütenden Wolf in Süddeutschland mit rund 40 getöteten Tieren. Schade, dass die LZ nur berichtet und nicht recherchiert: Warum würde ein Wolf so ein ‚Massaker‘ anrichten? Dabei geht es ja nicht um leicht jagbare Beute, ein ‚Abendessen‘ für den Wolf.

  3. Wolfsfreund Martens sagt: „Ich meine auch, dass die Politik gefordert ist, dass die laufenden Kosten von der Allgemeinheit übernommen werden.“

    Auch wenn solche Ansichten mittlerweile üblich geworden sind, so bleiben sie doch bizarr und ich möchte mich nicht daran gewöhnen. Denn ich meine, dass die Welt viele Probleme weniger hätte, wenn jeder für seine Wünsche und sein Handeln zunächst einmal selbst einstehen und die Verantwortung übernehmen würde.

    Wer sich also völlig sinnfrei ein freilaufendes Raubtier wünscht muss auch für die Konsequenzen einstehen. Auch ich gehöre zur der „Allgemeinheit“, in deren Taschen Herr Martens gerne herumfingern möchte. Aber ich habe weder ein Interesse daran, aus unserer dicht besiedelten Republik ein Terrarium zu machen, in dem alle Menschen und Tiere eingezäunt werden müssen, damit der Wolf frei laufen kann, noch habe ich ein Interesse daran die Kosten für solch eine abstruse Idee zu übernehmen.

    Da wird Wolfsfreund Martens wohl schon seine Hände aus meiner Tasche und dafür eigenes Geld die Hand nehmen müssen. Aber so funktioniert dann wohl seine Welt nicht.

    • Raubtiere laufen tatsächlich frei herum, überall auf der Welt. Und überall auf der Welt arrangieren sich die Menschen damit. Ich habe noch von keinem Australier gehört, dass er sich in seiner persönlichen Freiheit eingeschränkt fühlt, weil das Sitzen am Flussufer oder Barfuss gehen unmöglich ist, da tödliche Krokodilangriffe oder Schlangenbisse möglich sind. Eher schmunzelt man, wenn gehört wird, dass die Deutschen sich in die Hose machen wegen eines Tieres, in dessen Beutespektrum der Mensch noch nicht einmal gehört. Sich die Tiere, die in unserer Natur ihren Platz gefunden haben, wegzuwünschen, bleibt absurdes Ringen gegen die Realität.

      • „Raubtiere laufen tatsächlich frei herum, überall auf der Welt. Und überall auf der Welt arrangieren sich die Menschen damit. “

        Sie übersehen da was… absichtlich?
        „Überall“ auf der Welt, wo Raubtiere frei herumlaufen, können und dürfen die Menschen sich wehren!
        Und das tun sie auch – ausser bei uns.

        Und dass der Mensch nicht ins Beutesprektrum der Wölfe gehört, ist sowas von ausgelutscht… Sie sollten Ihre Informationen mal auf einen neueren Stand bringen.

  4. Warum wird eigentlich der Braunbär nicht wieder angesiedelt?

  5. Wenn das eine Antwort zu meinem Kommentar sein soll, dann sollten Sie ruhig noch einmal genau nachlesen worum es mir geht. Krokodile habe ich mit keinem einzigen Wort erwähnt. Wie kommen Sie also darauf? Das nützt doch allenfalls dazu vom Thema abzulenken. Und dann scheuen Sie nicht einmal davor zurück, Australien mit einem extrem dicht besiedelten Industriestandort wie Deutschland vergleichen zu wollen. Bei allem Respekt, aber ich bin fest überzeugt davon, dass Sie über keinerlei nennenswerte oder gar repräsentative Erkenntnisse darüber verfügen, wie Australier hinsichtlich Krokodilen und Schlangen fühlen und denken. Was reden Sie da also? Sie haben ja nicht einmal meine schriftlich niedergelegte Einzelmeinung richtig verstanden.

    Also noch einmal in EINFACH: Es ist jedem selbst überlassen, wie er zum Thema Wolf steht, sogar Ihnen und mir. ICH kann aber gut auf den Wolf verzichten und ich möchte, dass auch der Wolf auf mich verzichtet. Und entgegen Ihrer haltlosen Behauptung ist die Existenz des Wolfes auch keineswegs eine unvermeidbare Realität. Es gab schließlich auch mal eine Realität ohne Wolf. Hat gegenüber der von Ihnen herbeigesehnten Realität übrigens keinem geschadet. Wer den Wolf denn aber haben möchte, der mag dann auch dafür Sorge tragen, dass er nicht zur Gefahr wird und vor allem auch für die Schäden eintreten, die solch ein freilaufendes Raubtier verursacht. Sich aber aus einer nicht nachvollziehbaren Naturromantik und ohne Not den Wolf herbeizuwünschen, die Kosten, Lasten und Beeinträchtigungen aber dem Anderen oder der Allgemeinheit aufzubürden, dass ist schon unverschämt.

    Einfach mal Verantwortung übernehmen statt immer nur zu fordern. Bei der Gelegenheit, es ist noch nicht so lange her, da hat man nicht gefordert, sondern um etwas gebeten. Ich finde, ein wenig mehr Höflichkeit und Respekt hört sich schon klasse an. DAS wäre beispielsweise etwas, was ICH mir wünschen würde. Und das passt zu jedem Thema.

    • Werter EinLeser, Sie unterstellen mir, ich würde mir eine Realität herbeisehnen. Wie absurd! Eine bzw die Realität ist bereits da. Und mit Realbedingungen muss man sich halt auseinandersetzen, der Umgang damit darf dann gern von eigenen Sichtweisen und Haltungen eingefärbt sein. Mit Naturromantik hat das in meinem Falle nichts zu tun, eher mit Pragmatismus. Ihren Wunsch nach einer alternativen Realität dürfen Sie nichtsdestotrotz gern pflegen und kundtun, dies ändert jedoch nichts am gegenwärtigen Ist-Zustand. Die Wölfe sind da. Ihre Mutmaßungen über meine Lebenswirklichkeit inc. Erfahrungs- und Erkenntnishorizonten muss ich allerdings zurückweisen, da machen Sie es sich zu einfach und erscheinen polemisch bzw wenig reflektiert. Eine von Ihnen als unpassend empfundende Antwort lässt nicht den zwingenden Rückschluss zu, dass Sie nicht verstanden wurden.

  6. Der betroffene Schäfer sagt:
    „“Das kann ich mir aber betriebswirtschaftlich nicht leisten. Und wenn die Politik nicht bereit ist, die Kosten zu übernehmen, bin ich geneigt, meinen Beruf aufzugeben.“ Nach rund 300 Jahren Schäfertradition in seiner Familie.“

    Da ist er leider nicht alleine. Lange, bevor der Wolf nach Deutschland zurückgekehrt ist, hat das Höfesterben bundesweit die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von einst mehr als 1 Mio. im Jahr 1971 auf knapp 450.000 im Jahr 2001 und nochmal weiter auf rund 288.000 im Jahr 2012 reduziert – ohne, dass der Wolf einen Anteil daran gehabt hätte.

    Nicht der Wolf, sondern die verfehlte Agrarpolitik des „Wachsen oder Weichen“-Prinzips ist dafür ursächlich. Folglich würde eine Bestandsreduzierung oder Ausrottung des Wolfes auch kein einziges strukturelles Problem der Schäfereien lösen.

    Die Weideprämie, die der ehemalige niedersächsische grüne Agrarminister Christian Meyer eingeplant hatte und deren Einführung von vielen Schäfern begrüßt wurde, wäre dagegen ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, wurde aber von der neuen Landwirtschaftsministerin der CDU, Barbara Otte-Kinast, gleich wieder kassiert.

    Die von der aus einer Jäger- und Landwirtsfamilie stammenden Ministerin öffentlich geäußerten Bejagungswünsche – den Wolf betreffend – wird den Schäfern jedenfalls keinen Vorteil bringen, da die Riss-Zahlen aus den Landkreisen Diepholz/Vechta und dem Landkreis Cuxhaven bewiesen haben, dass nicht die Zahl der Wölfe, sondern die Qualität des Herdenschutzes für die Zahl der Nutztierrisse maßgeblich sind und eine Bejagung – wie sie im Landkreis Cuxhaven illegal stattgefunden hat – sogar zu mehr Nutztierrissen führen kann. Das präferierte politische Geschenk an die Jagdlobby ginge schlimmstenfalls gar zu Lasten der Weidetierhalter.

    Zunächst einmal steht der Beweis noch aus, dass für den im Artikel beschriebenen Riss von 20 Schafen ein Wolf ursächlich war. Im Jahr 2013 gingen 90 tote Schafe im Heidekreis und im Jahr 2015 26 tote Schafe in der Wesermarsch auf das Konto eines Hundes. Ein wolfsabweisender Zaun würde auch das Risiko für solche bedauerlichen Vorfälle vermindern können.

    Wenn in dem hier diskutierten Fall ein Wolf ursächlich und ein wolfsabweisender Grundschutz gemäß der Richtlinie Wolf vorhanden war, sieht die Richtlinie Wolf eine finanzielle Erstattung des Schadens vor, so dass der Schäfer mit dem finanziellen Nachteil hier nicht allein gelassen würde.

    Und auch wenn ich mir nicht anmaßen würde, dem betroffenen Halter, der seine Schafe auf derartige Weise vorfinden musste, eine hohe emotionale Belastung abzusprechen, muten die weißen Rosen auf dem „Sarg“ der Schafe eher wie eine vorrangig möglichst emotionalisierende, medienwirksame Präsentation seines Anliegens an.

    Mehr als 1,6 Mio. Schafe werden in Deutschland gehalten, über deren Schicksal niemand mehr berichtet, sobald jährlich rund 1 Mio. von ihnen bzw. ihr Nachwuchs erst einmal an Händler verkauft und der Lebensmittelverwertung zugeführt werden. Bestenfalls sterben sie durch Ausbluten nach vorheriger Betäubung, mit behördlicher Genehmigung auch ohne. Das Leid, das ihnen droht, wenn sie zu den jährlich 2,6 Mio. lebend aus der EU in Drittländer exportierten Schafe und Lämmer gehören, hat jüngst das ZDF unter dem Titel „Geheimsache Tiertransporte – Wenn Gesetze nicht schützen“ auf bedrückende Weise gezeigt.

    Mir ist nicht bekannt, dass irgendjemand auch nur eine einzige weiße Rose für die Qualen dieser Tiere bereitgelegt hätte. Da kaum jemand Zeuge wird und sich das mediale Interesse für eine herkömmliche Schlachtung oder einen langen Transport mit Schlachtbedingungen außerhalb der EU-Gesetzgebung in Grenzen hält, wird der Wolf zur leichten Beute einer Verzerrung der öffentlichen Wahrnehmung.

    Der Wölfe, die beispielsweise 2016 bundesweit gerade einmal für den Tod von 0,1% der hier gehaltenen Schafe verantwortlich waren, sind im Grunde nur ein kleines Rädchen im Uhrwerk des Ungemachs, das einem Schaf in Deutschland drohen kann. So dürfen männliche Lämmer unter vier Wochen ohne Betäubung kastriert und unter acht Tage alte Lämmer ohne Betäubung kupiert werden. Der Zweckverband Veterinäramt Jade-Weser benennt „die nicht rechtzeitige Schur“ von Schafen als den häufigsten Mangel in der Schafhaltung – einmal festliegende Tiere würden nicht mehr aufstehen können und stürben an Kreislaufversagen, wenn sie nicht rechtzeitig aufgerichtet werden. Zudem sei ein nicht oder unzulänglich behandelter Parasitenbefall „eine der häufigsten Todesursachen bei Schafen“. Als weiterer häufiger Missstand wird „mangelhafte Weidebeaufsichtigung“ genannt, bei der beispielsweise im Zaun verfangene Tiere zu lange unentdeckt blieben und verenden würden.

    Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg hat in seinem Urteil 11 ME 448/17 vom 17.01.2018 selbst bei Schafen, die nicht nach den Kriterien an einen wolfsabweisenden Schutz der Richtlinie Wolf geschützt sind, keine konkrete Gefahr und keine hinreichende Wahrscheinlichkeit feststellen können, dass diese in absehbarer Zeit von Wölfen angegriffen würden. Es ging dabei um die Frage, ob unzureichender Herdenschutz in Wolfsgebieten auch von Tierschutzrelevanz sei, was das Gericht aufgrund der nicht konkreten Gefahr und der nicht hinreichenden Wahrscheinlichkeit eines Wolfsangriffs verneinte.

    Es berief sich dabei auf die Schadensfälle aus 2015, nach denen lediglich 0,0002% der Schafe in Niedersachsen Opfer eines Wolfsangriffs geworden seien. Und selbst wenn es die höheren Zahlen der Jahre 2016 und 2017 berücksichtige, ließe sich auch daraus keine hinreichende Wahrscheinlichkeit eines Wolfsangriffes in absehbarer Zeit nach dem verhandelten Streitpunkt ableiten.

    So bedauerlich der Verlust der 20 Schafe für den betroffenen Halter auch ist, so muss man doch auch feststellen, dass das Interesse der Bevölkerung am Wolf auch ein bisher so nicht stattgefundenes Gehör für das Anliegen der Schäfer mit sich geführt hat.

    Dabei stellt sich die Frage, ob man beim Surfen auf der Welle des großen gesellschaftlichen Interesses am Wolf nicht auch die Vorteile nutzen könnte, die sich dabei u. a. für Schäfer eröffnen – z. B. Gehör zu finden und eine größere gesellschaftliche Wertschätzung ihrer Arbeit und ihrer Produkte zu erfahren.
    Mit einer Vermarktung beispielsweise aus „wolfsfreundlicher Produktion“ o. ä. ließe sich das Interesse und die Symptahien der laut diverser Umfragen wolfsbefürwortenden Mehrheiten erzielen.

    Dass eine Petition für „die Rettung der letzten Schäfer/innen Deutschlands“ in kurzer Zeit mehr als 150.000 Unterzeichnerinnen gewinnen kann, ist doch ein deutliches Indiz, dass sich Schäfer plus Wolfsfreunde gemeinsam eine größere Stimme verschaffen können.

    Die eher skurril anmutende Aktion mit einem Strauß weisser Rosen auf einer Art Sag für Schafe hat laut Agrarheute jedenfalls kaum nennenswertes Medieninteresse wecken können:

    „Zwei tote Schafe sollten medienwirksam aus der bereitstehenden blauen Kiste geholt und auf einer Plastikfolie ausgebreitet werden. Aber das Interesse der Medien hielt sich in Grenzen, sodass die Weidetierhalter auf diesen Teil der Aktion verzichteten.“

    Agrarheute, 14.05.2018: Demo vor Umweltministerium: Kein Gehör für Weidetierhalter
    https://www.agrarheute.com/land-leben/demo-umweltministerium-kein-gehoer-fuer-weidetierhalter-544873

  7. Da ist ja Frazu K. wieder… 🙂

    „Die von der aus einer Jäger- und Landwirtsfamilie stammenden Ministerin…“ ja; SKANDAL!

    „…da die Riss-Zahlen aus den Landkreisen Diepholz/Vechta und dem Landkreis Cuxhaven bewiesen haben, dass nicht die Zahl der Wölfe, sondern die Qualität des Herdenschutzes für die Zahl der Nutztierrisse maßgeblich sind“

    – wieso das denn?
    – nochmal: sowohl Deiche als auch Weiden bis zum Horizont wie im Cuxland sind NICHT mit Zäunen & HSH zu schützen

    „und eine Bejagung – wie sie im Landkreis Cuxhaven illegal stattgefunden hat – sogar zu mehr Nutztierrissen führen kann.“
    Da ist ja die amerikanische Studie wieder! Und ich Dummchen dachte, das hätte sich bereits bem NDR erledigt… Also nochmal: die Studie spricht von der MÖGLICHKEIT, dass sich nach Verlust eines Elternteils die Nutztierrisse KURZFISTIG erhöhen können. Und kommt schliesslich zu dem Fazit, dass nur eine DEUTLICHE Reduktion der Wölfe die Risse zurückgehen lässt.
    Haben Sie bstimmt nur vergessen, mit zu zitieren 🙂

    Pssst… Nutztiere wurden im Cuxland seit 2012 gerissen. Die Fähe starb – wann? Eben.

    „Also nochmal: Das präferierte politische Geschenk an die Jagdlobby ginge schlimmstenfalls gar zu Lasten der Weidetierhalter.“
    Verdrehung von Ursache und Wirkung und die bekannte Jägerhetze – wieder mal.

    • es bedarf keine jägerhetze. es hat sich rumgesprochen, das jäger und insbesondere ihre sogenannten fachzeitschriften, es nicht immer mit der wahrheit so genau nehmen. jägerlatein war früher ja ganz nett. heute ist er oft verlogen.ein beispiel: wölfe sollen angeblich mit lkw`s über polen eingeschmuggelt werden. der deutsche zoll hat sich königlich amüsiert. es war nur ein fahrrad, hersteller wolf.

  8. Jörg Möller

    Weide- und Almwirtschaft haben eine große Bedeutung, gerade für den Erhalt ökologischer Randflächen. Welche ökologische Bedeutung die Wiederansiedlung des Wolfs hat, habe ich noch nicht verstanden.
    Beispiel Yelowstone: Hier galt einige Zeit die These. dass die Ansiedlung des Wolfs eine ökologische Kaskade in Gang gesetzt hätte: Reduzierung der Hirscher-> Wuchs von Buschwerk usw. Erst mal plausibel für mich ökologischen Laien.
    Jetzt aber ist die Zahl der Waipiti-Hirsche dramatisch zurückgegangen ? Weil auch die Bären auf den Geschmack gekommen sind. Den Bären nämlich fehlen die Lachse. Deren Bestand wiederum durch ausgesetzte Fischarten drastisch redu-ziert war.
    Also, selbst im riesigen Yellowstone-Park sind die ökologischen Auswirkungen des Wolfs nicht unproblematisch, jdf. schwer zu beurteilen. Welchen Nutzen sollen Wölfe in unserer dicht besiedelten und genutzten Landschaft haben? Es wird dadurch kein Fluss sauberer; es wird kein ha Boden entsiegelt.

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