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Förster Oliver Christmann inspiziert die alten Autoreifen, die Unbekannte illegal im Barendorfer Forst entsorgt haben. (Foto: kre)
Förster Oliver Christmann inspiziert die alten Autoreifen, die Unbekannte illegal im Barendorfer Forst entsorgt haben. (Foto: kre)

Wald wird zur illegalen Müllkippe

Barendorf. Oliver Christmann hat schon einiges im Wald entdeckt, was dort nicht hingehört. Der jüngste Fund allerdings ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Mehr als 150 abgefahrene Autoreifen haben jetzt Unbekannte illegal im Barendorfer Forst entsorgt. An zwei Stellen wurden die ausgedienten Pneus vergangene Woche an einem Waldweg abgeladen, der die Bundesstraße 216 mit der Kreisstraße 40 verbindet. Der Barendorfer Revierförster hat Anzeige bei der Polizei wegen illegaler Müllentsorgung erstattet.

„Müllentsorgung im Wald ist kein Kavaliersdelikt“, stellt Christmann klar und zählt auf, gegen welche Gesetze die Müllsünder vestoßen: „Gegen das Naturschutzrecht, gegen das Abfallbeseitigungsgesetz und auch gegen das Landschaftsschutzgesetz.“ Mit anderen Worten: Wer erwischt wird, für den kann es richtig teuer werden.

Bis zu 25 000 Euro Strafe

Das bestätigt auch Knut Sierk, regionaler Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten: „Solche Verstöße werden nach dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz geahndet, berichtet er. Das Bußgeld setze die Untere Abfallbehörde fest. Werden mehr als fünf Reifen illegal entsorgt, sehe der Bußgeldkatalog bereits Strafen von 1000 Euro bis zu 25 000 Euro vor, erklärt Knut Sierk, der von einem ähnlichen Fall aus dem benachbarten Heidekreis berichtet: „Da mussten die Täter 5000 Euro Strafe bezahlen.“

Dass die Umweltfrevler schnell ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden, wünscht sich Oliver Christmann. Und in diesem Fall stehen die Chancen gut: Auf einigen Autoreifen sind noch Namen und Auto-Kennzeichen zu lesen. Erste Ermittlungen des Barendorfer Oberkommissars Ludger Wilkens haben ergeben, dass die Altreifen aus einer Hamburger Autowerkstatt kommen. „Der Werkstattbetreiber war aus allen Wolken gefallen, als wir ihm berichteten, dass seine Reifen im Wald bei Barendorf liegen“, berichtet Wilkens auf LZ-Anfrage. Gegenüber der Polizei gab der Schrauber zu Protokoll, dass die Reifen gegen Gebühr von einem Entsorgungsunternehmen abgeholt worden seien. Der Abholer komme alle zwei Wochen vorbei. Grund zur Skepsis habe er deshalb nicht gehabt. Doch statt die Reifen zur Deponie zu bringen, hat der Entsorger sie dann offenbar im Wald illegal abgeladen.

Korrekte Entsorgung kostet sechs Euro

Hier liegen sie nun und verströmen bei direkter Sonneneinstrahlung einen unangenehmen Gummi-Geruch. „Das riecht wie in einer Chemie-Fabrik“, beschreibt Christmann den Gestank.

Eingesammelt werden die Reifen nun zunächst vom kommunalen Abfall-Entsorger GfA: „Dazu sind wir im Rahmen des niedersächsischen Abfallgesetzes verpflichtet“, erklärt GfA-Mitarbeiter Erich Tegtmeyer, der den Umweltfrevel ebenfalls nicht nachvollziehen kann: „Die Entsorgung von einem Satz Autoreifen kostet bei der GfA sechs Euro“, rechnet er vor. Jetzt kommt die Beseitigung der Altreifen deutlich teurer. Das Gute in diesem Fall: Da der mutmaßliche Verursacher nun offenbar ermittelt ist, bleibt die Allgemeinheit wenigstens nicht auf den Entsorgungskosten sitzen.

Hintergrund:

Die Kosten trägt der Gebührenzahler

Das mangelnde Umweltbewusstsein mancher Bürger lässt sich mit Zahlen belegen: 2017 registrierten die Behörden rund 70 illegale Müllablagerungen im Landkreis mit zusammen 2700 Kilogramm. Die Jahre davor waren es sogar noch mehr: 2014 etwa kamen bei 111 illegalen Müllentsorgungen 3,5 Tonnen Unrat zusammen , die letztlich auf Kosten des Gebührenzahlers eingesammelt und bei der GfA in Bardowick entsorgt werden mussten.

Die Krux an der Sache : Können die Verursacher nicht ermittelt werden, muss die Allgemeinheit für die Entsorgung über die Müllgebühren aufkommen. Da kommt ziemlich schnell eine stattliche Summe zusammen – pro Jahr laut GfA zwischen 15 000 bis 20 000 Euro.

Von Klaus Reschke