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Remzi Celebi berät Flüchtlinge und Firmen beim Thema Ausbildung für die gewerkschaftsnahe Einrichtung Arbeit und Leben. (Foto: ca)

Der Kümmerer

Lüneburg. In vielen Betrieben fehlt Personal – die Wirtschaft brummt. Andererseits suchen Menschen dringend einen Job. Remzi Celebi versucht, beide Seiten zusammenzubringen. Der 47-Jährige arbeitet für die gewerkschaftsnahe Organisation Arbeit und Leben. Auf seiner Visitenkarte steht Ökonom und Integrationsmoderator. Praktisch bedeutet das, dass er Flüchtlinge in Praktika, Ausbildung und feste Stellen bringt. Es laufe ganz gut, sagt er: „Aber ich habe noch Kapazitäten und möchte noch mehr Menschen begleiten.“

Celebi ist einer von 24 Moderatoren des Programms in Niedersachsen und sitzt im DGB-Haus an der Heiligengeiststraße. An dem Projekt beteiligt ist auch das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft. Celebi erklärt, wie er vorgeht. „Ich stelle mich in Sprachkursen vor und erkläre, welche Möglichkeiten ich habe.“ Teilnehmer, die vor Krieg und Not in ihren Heimatländern geflohen sind, können sich bei ihm bei der Arbeitssuche beraten lassen.

Es folgt quasi eine Analyse: Welche Fähigkeiten bringt jemand mit? Wie gut spricht er Deutsch? Da kann es um einen Mann gehen, der Tischler lernen möchte. Möglicherweise hat er zu Hause sein Geld schon in der Holzbearbeitung verdient. „Ich telefoniere dann Betriebe ab und gucke, ob ich etwas Passendes finde“, sagt Celebi. Er begleitet den Interessenten zum Bewerbungsgespräch.
Finden Chef und Bewerber zusammen, folgt in der Regel ein mehrwöchiges Praktikum. Harmoniert es dann immer noch, kann der Aspirant möglicherweise eine Ausbildung beginnen. „Die Erfolgsquote liegt bei 60 bis 80 Prozent.“

Oft scheitert’s an der Sprache

Wenn es scheitert, liege es zumeist an sprachlichen Problemen, berichtet Celebi. Es kann sein, dass jemand zu früh aus seinem Sprachkursus in den Job wechselt. „Das ist nachvollziehbar“, findet der Berater. „ Da ist ein Vater 35 oder 40 Jahre alt, der will seine Familie ernähren.“ Im Zweifel auch als Angelernter in einer Fabrik, in der Reinigungsbranche oder als Helfer auf dem Bau. Doch wer mehr wolle, müsse die Sprache möglichst gut beherrschen.

Zwar steht Celebi, der aktuell rund 50 Menschen betreut, seinen Schützlingen zur Seite, doch Ziel sei es, dass die Kandidaten lernen, sich eigenständig um ihre Interessen zu kümmern. Gleichwohl ist der ehemalige Mitarbeiter von Vetriebsabteilungen Ansprechpartner für die Unternehmen und die Klienten und kommt als „Kümmerer“, wenn doch Probleme auftauchen.

Celebi sieht sich als Netzwerker. Selbstverständlich kooperiert er mit der Arbeitsverwaltung, Behörden und anderen Anbietern. Er vermittelt seine „Kunden“ auch weiter, wenn sie anderswo passende Unterstützung finden. Das klappe gut, findet er. Vielleicht liege es daran, dass er Mitte der 70er-Jahre als Kind türkischer Gastarbeiter nach Deutschland kam: „Ich habe schnell einen Draht zu den Leuten.“

Wer mehr erfahren möchte, erreicht ihn unter (04131) 9275090 oder per Mail an remzi.celebi@aul-nds.info und unter www.integration-s.de.

Von Carlo Eggeling