Mittwoch , 26. September 2018
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Investorin Sylvie Mutschler möchte das Designer Outlet Soltau gerne erweitern. Das Land sagt Nein. Deshalb klagt die Unternehmerin. (Foto: Wulfes)
Investorin Sylvie Mutschler möchte das Designer Outlet Soltau gerne erweitern. Das Land sagt Nein. Deshalb klagt die Unternehmerin. (Foto: Wulfes)

Überleben ist eine Frage der Größe

Soltau. Sylvie Mutschler steht auf dem Balkon der Büros für das Designer Outlet Soltau (DOS). Sie ist zufrieden: Das Einkaufszentrum ist voll vermietet, die Anlage gut besucht. Deshalb will die Investorin das DOS auf 20 000 Quadratmeter Verkaufsfläche verdoppeln – und weil das Land das ablehnt, hat sie Klage eingereicht. Im Interview erklärt die Unternehmerin, warum das DOS wachsen muss.

Das DOS in Soltau – das ist seit 20 Jahren ein steiniger Weg. Verfluchen Sie den Tag an dem Sie das angefangen haben?

Sylvie Mutschler : Nein, ich glaube, ich wäre eine schlechte Unternehmerin, wenn ich das täte. Es gibt Leute, die sagen, ich hätte viel Geduld und Langmut, das stimmt leider nicht wirklich. Aber wenn ich von etwas überzeugt bin, und das bin ich hier, dann setze ich mich dafür ein, und dann kämpfe ich auch entschlossen dafür. Ich bin ein positiv denkender Mensch. Bei Soltau denke ich an einen geglückten Start, große Synergien für die Region, eine baldige Erweiterung und 500 neue Arbeitsplätze.

Was spricht für den Standort Soltau?

Der Standort im Dreieck zwischen Hamburg, Hannover und Bremen, direkt an der Autobahn, ist einfach hervorragend. Sie sehen ja, die Parkplätze sind voll, und wir sind voll vermietet. Deshalb macht es Sinn, über eine Erweiterung nachzudenken. Langfristig müssen wir größer werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben, denn ein Outlet mit 10 000 Quadratmetern ist heute ein kleines Outlet.

Warum ist Größe so wichtig?

Wir haben immer über eine Größe von 20 000 Quadratmetern gesprochen, schon zu Beginn der Planungen, also schon vor 20 Jahren. Eine Salamitaktik oder Ähnliches, was uns jetzt vorgeworfen wird, ist somit Quatsch. Wir brauchen die Erweiterung angesichts der allgemeinen Entwicklung: Neumünster in Schleswig-Holstein hat zeitgleich mit uns aufgemacht, ist mittlerweile bei 20 000 Quadratmetern und hat noch Entwicklungspotenzial. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es drei, vier Outlets, die entwickelt werden sollen, ein bis zwei werden sicher kommen. So ist Wittenburg schon genehmigt, deutlich größer als wir heute. Auch Nordrhein-Westfalen plant drei Outlets, davon werden mindestens ein bis zwei kommen, vermutlich in Remscheid und Wuppertal. Wir sitzen mit gebundenen Händen in der Mitte, und es wird uns unmöglich gemacht, den Vertrag zu erfüllen, den uns die Landesregierung selbst auferlegt hat.

Was passiert, wenn die Erweiterung nicht kommt?

Da ich ein positiv denkender Mensch bin, habe ich darauf keine klare Antwort, und ich möchte nicht irgendwo lesen, dass wir uns dann zurückziehen oder so. Das wollen wir nicht. Ich bin einfach überzeugt, dass wir hier erweitern werden, und ich bin überzeugt, dass auch die Landesregierung und Politik irgendwann erkennen wird, dass es nicht nur ein Interesse von uns als Investor gibt – denn das muss die Landesregierung ja nicht interessieren –, sondern dass es im Interesse des Landes sein muss, in eine strukturschwache Region zusätzliche Kaufkraft zu bringen und sie nicht in andere Bundesländer abfließen zu lassen. Etwa 500 neue Arbeitsplätze und der Erhalt der bestehenden Jobs sollte eine Regierung eigentlich auch nicht völlig kalt lassen …

Als erster war nun Wirtschaftsminister Bernd Althusmann vor Ort. Ein Sinneswandel?

Ich gebe zu, dass ich erstaunt bin, dass sich bisher kein Wirtschaftsminister für 500 neue Arbeitsplätze interessiert hat. Ich habe nach dem Regierungswechsel Herrn Althusmann angeschrieben, und er ist vor drei Wochen zu einem Informationsgespräch gekommen. Das erkenne ich in höchstem Maße an. Ein Ergebnis konnte es natürlich nicht geben, aber dass überhaupt einmal ein Landespolitiker nicht nur nachplappert, was ihm von irgendeiner Stelle eingeflüstert wird, sondern sich selber ein objektives Bild macht, das begrüße ich unheimlich. Das ist ein guter Anfang für ein konstruktives Gespräch mit der Landesregierung.

Haben Sie Hoffnung, dass es noch eine politische Lösung geben und der Gerichtsstreit vermieden werden kann?

Ja, darauf hoffe ich sehr. Den Rechtsstreit mussten wir leider anstrengen. Der vorige Landwirtschaftsminister (Christian Meyer, Grüne, d. Red.) hat uns drei Tage vor dem Regierungswechsel den abschlägigen Bescheid geschickt und diesen auch nicht besonders begründet.

Wie begründen Sie Ihre Klage?

Die Rahmenbedingungen seit der Eröffnung haben sich massiv verändert. Zum einen konnten wir alle Nachweise gutachterlich erbringen, dass wir dem lokalen Einzelhandel nicht schaden und unsere touristische „Leuchtturm-Funktion“ in großem Umfang wahrnehmen. Zum anderen haben sich die Wettbewerbsbedingungen dramatisch verändert. Damit auch die Voraussetzungen, die wir im gemeinsamen raumordnerischen Vertrag beschlossen haben. Daher haben wir den sogenannten Antrag auf Zielabweichung gestellt und auch begründet.

Sie wollen angesichts der Konkurrenz möglichst schnell erweitern, aber ein Rechtsstreit würde Jahre dauern…

Nein, jedenfalls nicht die erste Instanz. Für einen Rechtsstreit würde aber wieder Steuergeld verpulvert werden und natürlich auch unser Geld. Es wäre daher schön, wenn wir nicht auf die Gerichte setzen müssten. Ich möchte gern eine konstruktive und rechtlich haltbare Lösung finden, mit der alle leben können.

Wie könnte eine solche Lösung aussehen?

Zunächst müsste jemand mal die Gutachten lesen, die Übrigens nicht wir in Auftrag gegeben haben, sondern das Land selbst und der Landkreis. Ebenso wie auch Monitoring und Controlling nicht von uns, sondern vom Land beauftragt wurden. Wenn man diese Gutachten durchlesen und nicht einfach nur abheften würde, käme man schnell zu dem Schluss, dass wir sämtliche Auflagen eingehalten haben und nicht nur keine Kaufkraft abgeflossen ist, sondern wir vielmehr zweistellige Millionenbeträge pro Jahr in die Region holen. Dann müsste eigentlich jeder darauf kommen, dass die Erweiterung eine gute Sache ist. Damit würden wir noch mehr überregionales Publikum in die Heideregion holen können, weil das Outlet noch attraktiver würde.

Sie verweisen auf die Gutachten, die feststellen, dass die Nachbarstädte durch das DOS nicht geschädigt werden. Dennoch gibt es starke Widerstände der IHK, aber auch der Nachbarkommunen, besonders aus Lüneburg. Wie überzeugen Sie die Gegner?

Ich kann ja nur mit Fakten überzeugen. Und Voraussetzung dafür ist, dass die Gegner diese Fakten auch objektiv zur Kenntnis nehmen. Wenn sie das nicht tun, weil sie subjektiv Eigeninteressen vertreten, kann ich nicht viel bewirken. Dass natürlich der Teil der IHK, der Wolfsburg heißt, nicht so sehr an einer Erweiterung in Soltau interessiert ist, verstehe ich subjektiv, da werden wir auch nichts machen können, aber dann soll man auch nicht so tun, als ob man objektive Gründe erkennen könnte.

Ähnlich ist das bei der Stadt Lüneburg mit ihrem langjährigen, sehr präsenten Oberbürgermeister. Herr Mädge will keinen Einzelhandel außerhalb von Lüneburg befürworten, da ist es auch egal, ob es sich um das Outlet in Soltau oder etwas anderes handelt. Er ist einfach dagegen, und so werde ich Herrn Mädge wahrscheinlich nicht als Unterstützer für die Erweiterung gewinnen können. Aber alle, die ein objektives Interesse haben, die müssten durch die Fakten schon längst überzeugt sein.

Welche Anbieter möchten denn noch gerne ins Designer Outlet Soltau kommen?

Namen kann und darf ich natürlich nicht nennen. Aber was ich sicher sagen kann, ist, dass die interessierten Premium-Mieter noch eher Designermarken sind, die man in Großstädten wie Hamburg und Hannover findet, nicht in Lüneburg und ganz bestimmt nicht in Schneverdingen, Soltau oder Munster.

Von Andres Wulfes

One comment

  1. NIcht schnell genug auf das „Pferd Online-Handel“ gesetzt? Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Der frühe Vogel fängt den Wurm! Alte Sprichworte, die immer noch Sinn machen.

    Also nicht jammern, sondern das Geschäftsmodell überdenken.