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Für einen erfolgreichen Einsatz der Feuerwehr braucht es Löschwasser. Wie viel, regelt eine Verordnung. Doch wegen der immer dichteren Infrastruktur reicht die Löschwassermenge in Reppenstedt in drei Bereichen schon nicht mehr aus. (Foto: Carsten Schmidt)
Für einen erfolgreichen Einsatz der Feuerwehr braucht es Löschwasser. Wie viel, regelt eine Verordnung. Doch wegen der immer dichteren Infrastruktur reicht die Löschwassermenge in Reppenstedt in drei Bereichen schon nicht mehr aus. (Foto: Carsten Schmidt)

Unter Druck

Reppenstedt. Stellen Sie sich vor es brennt, die Feuerwehr kommt, aber das Wasser reicht nicht … Tatsächlich kann es sein, dass das System aus Hydranten in Wohn – und Gewerbegebieten nicht mehr die gebotene Leistung bringt. Das hat eine Untersuchung im Auftrag der Samtgemeinde Gellersen zum Beispiel im Bereich Reppenstedt ergeben. Die Lösung ist der Einbau von drei unterirdischen Löschwasserbecken mit einem Fassungsvermögen von jeweils rund 100 000 Litern (100 Kubikmeter). Früher wurden solche Tanks als Löschwasserreservoir vor allem in strukturschwachen Landstrichen oder im Wald vergraben. Doch mittlerweile sind sie auch in städtisch geprägten Orten notwendig, wo die Löschwasserversorgung nicht mit der Dynamik der Siedlungsentwicklung Schritt gehalten hat.

In Kooperation mit dem Wasserbeschaffungsverband Lüneburg-Süd hat der Wasserversorger Purena eine Bestandsaufnahme des Hydrantennetzes in der Samtgemeinde Gellersen vorgenommen. Den Anstoß für die Erstellung des Löschwassergutachtens hatte die Discounter-Erweiterung im Bereich des Gewerbegebiets „Wiesenweg“ gegeben. Für Misch- und Gewerbegebiete sind 96 000 Liter vorgeschrieben, die pro Stunde für mindestens zwei Stunden fließen können müssen. Und diese Wassermenge muss in einem Radius von 300 Metern bereitstehen. Dafür wertete die Purena die Leistungsfähigkeit der mehr als 400 Hydrantenstandorte, die über das Trinkwassernetz versorgt werden, in den vier Gellerser Mitgliedsgemeinden aus.

Kritische Bereiche liegen in Gewerbegebieten

Die Übersichtskarten mit nach Löschwassermenge bepunkteten Hydranten wurden auch an die Ortswehren verteilt. Gellersens noch amtierender Gemeindebrandmeister Frank Thieme lobt die „tolle Bestandsaufnahme“. Seine Bilanz: „Im Großen und Ganzen passt das. Aber vor allem in den Gewerbegebieten müssen wir nachbessern.“ Die kritischen Bereiche stellen das Gewerbegebiet „Wiesenweg“, das Gewerbegebiet „Böhmsholzer Weg“ und der Bereich um das Rathaus sowie die Grundschule dar. Dort werden die geforderten 96 Kubikmeter allein mit Hydranten nicht erreicht, machte Sven Harms von der Purena bei der kürzlichen Sitzung des Feuerschutz- und Ordnungsausschusses des Samtgemeinderats deutlich.

Die Lösung: Unterirdische Zisternen mit einem Fassungsvermögen von jeweils 100 000 Litern. Laut Reppenstedts Gemeindedirektorin Susanne Stille sind schon die ersten zwei Bauanträge gestellt. Ein Behälter soll unter dem Parkplatz des Einzelhandelbereichs am Wiesenweg gebaut werden, der andere im Gewerbegebiet Böhmsholzerweg. Der dritte Behälter neben dem Rathaus soll 2019 eingegraben werden. Alles, was davon noch oben herausschaut, wird ein Anschlussstutzen sein. Die hermetisch dichten Behälter werden von einem Fahrzeug aus betankt und dann einmal im Jahr kontrolliert. Im Brandfall kann das Wasser dann wieder abgepumpt werden, um zusammen mit den umliegenden Unterflurhydranten die geforderte Löschwassermenge zu liefern.

Gellersens Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers beziffert die Kosten für Löschwasserkonzept und Behälter auf rund 300 000 Euro. „Das ist uns der Brandschutz wert.“ Denn: „Mit diesem Löschwasserkonzept haben unsere Feuerwehren eine hervorragende Grundlage zu entscheiden, wie man verschiedene Hydranten im Falle eines Brandes bestmöglich vernetzt. Ich kenne keine andere Kommune im Kreis, die ein solches Löschwasserkonzept erstellt hat.“

Samtgemeinde Gellersen Vorreiter im Kreis

Als Vorreiter in dem Bereich lobt auch Lüneburgs Kreisbrandmeister Torsten Hensel die Samtgemeinde. „Für die Bereitstellung der Grundversorgung mit Löschwasser sind die Samt- und Einheitsgemeinden zuständig. Dafür ist es sinnvoll, regelmäßig zu kontrollieren, ob denn noch genug Wasserreserven da sind, um wirksame Löscharbeiten zu ermöglichen.“

Unterirdische Wassertanks haben sich bereits im ländlichen Raum bewährt. So schlummern unterirdische Reserven für die Feuerwehr auch im Einemhofer Forst. Oder im Ostkreis: Da wurden vor Jahrzehnten bei Breetze oder Barskamp alte Kesselwagen für diesen Zweck vergraben.

Von Dennis Thomas