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Gespannte Blicke in Lüneburgs Zukunft: SPD-Stadtchef Friedrich von Mansberg und Referentin Dr. Juliane Bielinski. (Foto: t&w)
Gespannte Blicke in Lüneburgs Zukunft: SPD-Stadtchef Friedrich von Mansberg und Referentin Dr. Juliane Bielinski. (Foto: t&w)

Weg von den Instrumenten der Vergangenheit

Lüneburg. Mittwochabend in der Ritterakademie. Der Saal ist verdunkelt und im Rot der Partei illuminiert. Bürgerempfang der SPD. In früheren Jahren waren hier Parteigrößen wie Thomas Oppermann und Katarina Barley zu Gast. Voriges Jahr fiel die Veranstaltung aus. Und in diesem Jahr ist manches anders.

Friedrich von Mansberg ist seit Januar Vorsitzender des Lüneburger SPD-Ortsvereins. Man wolle wieder „verstärkt sozialdemokratische Politik diskutieren, definieren und umsetzen“, ruft er in den gut halb gefüllten Saal. Der 48-Jährige ist Realist, da er trocken hinterschiebt, „dass man uns wohl nicht viel zutraut im Moment“. Einer mit Idealen, der erinnert an das „alte Versprechen der Sozialdemokratie“ – nämlich „an eine Zukunft zu glauben, die besser ist als die Gegenwart“.

Der neue Chef der Lüneburger Sozialdemokraten will etwas bewegen, „Gestaltung nicht zu verweigern, sondern die Aufgaben und Chancen anzunehmen“, beschreibt es von Mansberg. So sei die Geschichte der Stadt in den letzten 25 Jahren „eine Erfolgsgeschichte“. Aber er betont auch: „Die Chancen der Zukunft ergreifen wir nicht, indem wir die Instrumente der Vergangenheit nutzen.“

Statt Polit-Prominenz eine Fachfrau als Gast

Dieses Jahr keine Polit-Prominenz, sondern eine Fachfrau: Dr. Julia Bielinski vom Netzwerk Mobilität Niedersachsen soll Impulse und Anregungen für das Thema des Abends – „Unsere Stadt bewegt sich – Fragen der Mobilität jetzt und in Zukunft“ – geben. Es ist für den Saal ein halbstündiger Ausflug mit vielen Powerpoint-Folien in eine für die meisten Zuhörer noch unbekannte Welt der Elektromobilität – beginnend bei Elektro-Autos über autonomes Fahren, über Systeme für Auto-, Fahrrad- oder Arbeitswege-Teilsysteme bis hin zu fahrerlosem Ein- und Ausparken. „Einiges von dem werden Sie in den nächsten Jahren im Straßenbild von Lüneburg erkennen“, prophezeit Bielinski.

Von Mansberg sieht in dieser neuen Welt viele Chancen. Er beschreibt an diesem Abend nicht nur politische Forderungen (siehe Titelseite), sondern ordnet sie auch in ein politisches Koordinatensystem ein. Das Wachstum der Stadt verantwortungsbewusst zu gestalten, bedeutet für ihn, „dass wir für eine Balance sorgen“ – zwischen der Schaffung des dringend benötigten Wohnraums, ökologischer Verantwortung, positiver wirtschaftlicher Entwicklung und intelligenter Verkehrssysteme.

Zuhören, Diskussionen und Teilhabe statt Belehrungen

Der neue SPD-Chef will in die Debatte ab Herbst Experten – etwa von der Leuphana – ebenso einbinden wie die Menschen in der Stadt. „Veränderungen können nicht durch Belehrungen vorangetrieben werden, sondern durch Zuhören, Diskussionen und Teilhabe“, lautet sein Credo. Von Mansberg zitiert an dem Abend mehrfach den Schriftsteller Navid Kermani: „Nur die Aussicht auf Veränderung erzeugt Begeisterung, niemals die Bewahrung des Status quo, so kommod er auch sein mag.“

Von Marc Rath

4 Kommentare

  1. Hans Georg Harms

    „Nur die Aussicht auf Veränderung erzeugt Begeisterung, niemals die Bewahrung des Status quo, so kommod er auch sein mag.“

    Gilt das auch für die Besetzung von Intendanz und Chefdramaturgie am Lüneburger Theater?

  2. Andreas Hennig

    Klar, die „Volks-und Arbeiterpartei“ ist euphorisch und meint, den Nerv der Zeit erkannt zu haben:

    Die Bürger interessiert als wichtigstes Thema in den nächsten Jahren der „Umstieg von Teil-auf Vollzeitarbeit“
    Herzlichen Glückwunsch zum Nahen an die 5% Marke.

  3. Die Vision ist so groß, dass sie einen halbleeren Saal befüllt. Zurück in die Zukunft Teil? Es geht doch mehr um das eigene Vorankommen oder?

  4. Wilfried Bergmann

    Im Oktober 18′ sind die nächsten Wahlen! Da wird sich zeigen, was von der SPD noch übrig bleibt. Ich befürchte nicht mehr viel. Wer über Jahre gegen den Bürger Politik macht, wird keinen Blumentopf mehr gewinnen. „Nur die Aussicht auf Veränderung erzeugt Begeisterung, niemals die Bewahrung des Status quo, so kommod er auch sein mag.“ Wohl gesagt! Wohlgetan? Das Land hat sich seit 2015 dermaßen verändert, dass den Menschen doch glatt die Begeisterung verloren gegangen ist. Und die SPD auf Bundesebene hat einen großen Anteil daran. Lüneburg ist in 25 Jahren unter der SPD wirklich gut gefahren und auch lokal wird die SPD sicherlich in Zukunft einige Siege davon tragen. Auf Bundesebene sehe ich jedoch für Gran Ol‘ Party scharz, dunkelschwarz. Was auch die letzten Umfrageergebnisse zeigen! Wieso aber nur die SPD abgestraft wird und nicht die Verusacherin der Misere, die CDU/ CSU? Wahrscheinlich enttäuschte Liebe, denn von der SPD erwartete der Wähler eigentlich mehr.