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Blick über Notdeich und Elbe nach Darchau: Nur mit großer Mühe konnten Hunderte Einsatzkräfte beim Hochwasser 2013 verhindern, dass die Ortslage Neu Darchau überspült wurde. Nun feilt das Land an einem Hochwasserschutzkonzept. (Foto: rg)
Blick über Notdeich und Elbe nach Darchau: Nur mit großer Mühe konnten Hunderte Einsatzkräfte beim Hochwasser 2013 verhindern, dass die Ortslage Neu Darchau überspült wurde. Nun feilt das Land an einem Hochwasserschutzkonzept. (Foto: rg)

Stillstand an der Elbe

Neu Darchau. Wie lange noch müssen am Elbufer vor Neu Darchau und Katemin Tausende von Sandsäcken gestapelt werden, wenn es, wie zuletzt 2013, zu einer Elbeflut kommt? Diese Frage ist auch fünf Jahre nach der Fast-Katastrophe noch nicht beantwortet. Auch in der jüngsten Sitzung des Rats der Samtgemeinde Elbtalaue stand das Thema Deichbau bei Neu Darchau auf der Tagesordnung – Neues zu berichten gab es nicht. Und auch am kommenden Mittwoch, 23. Mai, wenn sich der Rat der Gemeinde Neu Darchau ab 19 Uhr im Restaurant Göpelhaus, Schiffertwiete 1, trifft, steht das Thema routinemäßig auf der Tagesordnung. Auch hier wird Bürgermeister Klaus-Peter Dehde (SPD) wohl nichts wesentlich Neues berichten können.

Immerhin sei wohl mittlerweile ein Planungsbüro gefunden worden, das die vorbereitenden Planungen für den Deichbau, dessen Kosten sich nach groben Schätzungen im Bereich von acht, neun Millionen Euro bewegen, durchführen kann, sagte Dehde gestern.

Für nähere Informationen war Samtgemeindebürgermeister Jürgen Meyer (parteilos) nicht erreichbar. Mit Blick auf die seit der Elbeflut von 2013 vergangenen fast fünf Jahre sagt Amtskollege Dehde aus Neu Darchau: „Mein großer Wunsch ist natürlich, dass die Zeit zwischen den einzelnen Schritten nicht immer so lang ist.“ Weil sie mit den Kosten eines Deichbaus hoffnungslos überfordert wäre, hatte die Gemeinde Neu Darchau die Planungen an die Samtgemeinde Elbtalaue übertragen.

28,4 Millionen Euro für Hochwasserschutz

Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) gab vor einigen Tagen bekannt, dass in diesem Jahr insgesamt 28,4 Millionen Euro für Hochwasserschutzmaßnahmen im Binnenland zur Verfügung stehen sollen – fünf Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. 13,5 Millionen Euro davon stammen aus der von Bund und Land finanzierten Gemeinschaftsaufgabe (GA) sowie aus Landesmitteln, 14,9 Millionen Euro werden seitens der EU für die Planung und Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen bereitgestellt.

Das Thema Deichbau bei Neu Darchau spielt bei diesen Mitteln keine Rolle. Auf Nachfrage hieß es aus dem Umweltministerium nur: „Im März 2017 hat die Samtgemeinde Elbtalaue eine Zuwendung aus EU/GA-Mitteln für die Fortführung der bereits in 2013 begonnenen Planung zur Herstellung eines Hochwasserschutzes in den Ortslagen Neu Darchau und Katemin erhalten. Zunächst sind nun die Planungsleistungen auszuschreiben.“

Zu denen, die am ungeduldigsten auf den Deichbau warten, zählt naturgemäß Bürgermeister Dehde: „Es könnte uns doch nichts Schlimmeres passieren, als dass wir immer noch am Planen sind und dann kommt das nächste Elbehochwasser.“

Hochwasserschutz für das Binnenland

Mehr Sicherheit an Jeetzel, Sude und Krainke

Zu den Maßnahmen im Bereich des Hochwasserschutzes im Binnenland, für die in diesem Jahr Mittel aus dem niedersächsischen Umweltministerium fließen sollen, zählt auch die finanzielle Unterstützung der Planungen zur Herstellung des Hochwasserschutzes an Sude und Krainke – einen Betrag nannte das Umweltministerium nicht. Zu dem zwischen den verschiedenen Beteiligten heftig umstrittenen Vorhaben hatte es kürzlich einen „Runden Tisch“ gegeben (LZ berichtete).

Weiter nennt das Ministerium die Wiederherstellung der Deichsicherheit an der Jeetzel. Sprecherin Justina Lethen: „Im laufenden Jahr 2018 werden Teile des Jeetzeldeiches erhöht und verstärkt sowie ein neuer Deichverteidigungsweg errichtet.“ Das gesamte Vorhaben, so heißt es aus dem Ministerium „soll Ende 2019 abgeschlossen werden“. Ende 2016 waren für das Projekt schon 5,5 Millionen Euro an den Jeetzeldeichverband geflossen.

Umweltminister Olaf Lies: „Das Thema Hochwasserschutz ist ohne Zweifel ein Kernthema. Aufgrund des Klimawandels müssen wir vermehrt mit Hochwasserereignissen und Überschwemmungen durch Starkregenfälle rechnen. Umso wichtiger ist es, dass die Kommunen gerüstet sind und entsprechende Vorsorge und Schutzmaßnahmen ergreifen.“

Von Ingo Petersen