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Schon lange hat Meike Martin Fledermäuse in ihr Herz geschlossen. Sie engagiert sich für das Überleben der lautlosen Jäger. (Foto: kre)
Schon lange hat Meike Martin Fledermäuse in ihr Herz geschlossen. Sie engagiert sich für das Überleben der lautlosen Jäger. (Foto: kre)

Die Fledermaus-Botschafterin

Lüneburg. Meike Martin hat ihr Herz verloren – an eine Tierart, die bei vielen anderen aber noch immer Gänsehaut-Gefühle verursacht. „Völlig zu Unrecht“, bricht die 38-Jährige jetzt eine Lanze für die lautlosen Jäger der Nacht: Fledermäuse! Seit Kurzem ist die Diplom-Biologin offizielle Fledermaus-Botschafterin. Im Gespräch mit der LZ macht die Diplom-Biologin deutlich, was sie an den Nachtjägern so faszinierend findet.

Abgesehen davon, dass Fledermäuse die Erde seit mehr als 50 Millionen Jahre bevölkern und die einzigen Säugetiere sind, die fliegen können. „Fledermäuse sind äußerst intelligent“, listet Martin auf: „Sie haben Charakter, sie sind beziehungsfähig, sie besitzen die Fähigkeit, sich mitzuteilen – sie sind einfach großartig.“

Sehr wirksamer Mückenschutz

Die Diplom-Biologin und ehrenamtliche Fledermaus-Botschafterin wohnt mit ihrer Familie mitten in der Stadt mit direktem Zugang zum Wasser. Ein idyllisches Grundstück – wenn da nicht die vielen Stechmücken wären…

„Welche Stechmücken?“, fragt Martin und lächelt: Wir sitzen abends am Wasser und können beobachten, wie die Fledermäuse über unseren Köpfen die Mücken wegfangen“, berichtet Meike Martin, die sich einen biologisch wirksameren Mückenschutz kaum vorstellen kann. Eine einzige Fledermaus, so weiß sie zu berichten, vertilge pro Nacht bis zu 3000 Mücken.

Damit sich die lautlosen Jäger in ihrer Nachbarschaft wohlfühlen, hat Meike Martin einiges getan: In ihrem Kastanienbaum hat sie entsprechende Quartiere für die Tiere angebracht. In sicherer Höhe, um Attacken von Katzen oder anderen Raubtieren zu vermeiden.

„Fledermäuse sind äußerst intelligent. Sie haben Charakter, sie sind beziehungsfähig, sie besitzen die Fähigkeit, sich mitzuteilen – sie sind einfach großartig.“ Meike Martin, Fledermaus-Botschafterin

„Denn zu den größten Bedrohungen für die Fledermäuse zählen nun mal der Lebensraumverlust und die Intensivierung der Landwirtschaft“, listet die Fledermaus-Botschafterin auf. Ein gewaltiges Problem sei zudem der alarmierende Rückgang der Insektenpopulation – und damit der einzigen Nahrungsquelle heimischer Fledermäuse. Dass immer mehr Wald und Wiesen zu monotonen Ackerflächen werden, wirke sich auf den Insektenbestand aus. Eine jüngst erschienene Studie zeige, dass sich der Insektenbestand in den vergangenen 15 Jahren um bis zu 75 Prozent reduziert habe. Gegensteuern heißt also das Gebot der Stunde, wenn man der Umwelt im Allgemeinen und Fledermäusen im Speziellen Gutes tun möchte: „Das Wichtigste ist, die Nahrungsgrundlage der Tiere zu sichern“, erklärt Meike Martin. Dazu könne jeder Garten- und Balkonbesitzer beitragen, indem sie Pflanzen bevorzugen, die nachts einen betörenden Duft verströmen und so nachtfliegende Insekten anlocken. Lilien etwa.

Ausbildung dauert drei Jahre

Als fledermausfreundliche Pflanzen gelten aber auch Schneeball, Holunder, Nachtkerze, Phlox, Weidenröschen oder Stechapfel. Auch Kräuter wie Salbei, Minze, Majoran oder Zitronenmelisse sind bestens geeignet. „Und wer Wasserflächen in seinem Garten hat, bietet Fledermäusen ebenfalls gute Lebensbedingungen“, weiß die Fledermaus-Botschafterin. Denn dort leben nicht nur Wasserinsekten in großer Zahl und leicht bekömmlich, hier können die Nachtjäger auch ihren Durst stillen.

Meike Martin hat sich beim Nabu zur Fledermaus-Botschafterin ausbilden lassen: Gefördert wurde der dreijährige Kursus von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung. „Die Ausbildung ermöglicht den Einstieg in den aktiven Fledermausschutz“, erklärt die 38-jährige Diplom-Biologin. Etwa zu Fragen zu Fledermausquartieren am Haus, zum Umgang mit den Jägern und zur Lebensweise dieser heimlichen Säugetiere. „Viele Menschen denken, dass die Tiere Schaden am Bauwerk anrichten, doch dem ist nicht so“, erklärt Martin. Fledermäuse, die sich an Häusern einrichten, im Gemäuer, unterm Dach, in Mauerritzen oder Rollläden, stellen keinerlei Gefahr für die Menschen und die Bausubstanz dar. Im Gegenteil: „Fledermäuse halten das Haus frei von Käfern und Insekten.“

17 der 25 Arten auf der Roten Liste

Wie wichtig diese ehrenamtliche Aufklärungsarbeit ist, zeigt sich schon daran, dass allein 17 der 25 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten auf der Roten Liste stehen und vom Aussterben bedroht sind. Dass das nicht passiert, dafür engagiert sich Meike Martin als Fledermaus-Botschafterin.

Wer Fragen zu Fledermäusen hat und mit ihr in Kontakt treten möchte, erreicht sie unter der Telefonnummer 0162/7854888.

Von Klaus Reschke