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Die Kreuzung Vor dem Neuen Tore/Schnellenberger Weg/Dörnbergstraße im Westen der Stadt wird in Stoßzeiten zum Nadelöhr. (Foto: be)

Neue Debatte um die Westumfahrung Lüneburgs

Lüneburg. Seit Jahrzehnten blicken Politiker aus Lüneburger Stadtrat und Kreistag immer wieder mal gen Westen, wenn es darum geht, wie der zunehmende Verkehr gelenkt werden könnte. Gutachten wurden erstellt, Trassen diskutiert und konfliktarme Korridore für eine Westumgehung gesucht. Das spaltete nicht nur Fraktionen in Stadtrat und Kreistag, sondern stieß auch bei den an Lüneburg angrenzenden Gemeinden auf wenig Gegenliebe. Im Endeffekt wurden Überlegungen immer wieder zu den Akten gelegt. Jetzt macht die CDU-Fraktion im Stadtrat einen neuen Vorstoß.

In einem Antrag zur nächsten Ratssitzung am Mittwoch, 30. Mai, plädiert die CDU dafür, die Verwaltung solle in Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden und dem Landkreis Lüneburg ein Konzept entwickeln, wie der ständig zunehmende Verkehr im Westen der Stadt abfließen kann. Das erarbeitete Konzept sei in einer gemeinsamen Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses vorzustellen.

Westumfahrung „von Nachteil für Stadt und Landkreis“

Zur Begründung ihres Antrages erläutert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christel John: „In den vergangenen Jahren sind neue Wohngebiete sowie Infrastrukturprojekte im Westen der Stadt realisiert worden. Alle weiteren städtebaulichen Entwicklungen, beispielsweise Wohnbebauung in Wienebüttel, Vögelsen und Reppenstedt, spielen bei künftigen Planungen eine große Rolle. Es ist auf Dauer von Nachteil für die gesamte Hansestadt Lüneburg und den Landkreis Lüneburg, wenn sich der Verkehrsfluss aus dem Westen der Stadt und dem Westen des Landkreises seinen Weg durch die Innenstadt Lüneburgs als Zubringer bahnt.“

Der vorhandene Kreisel am Wienebütteler Weg und die angrenzenden Straßen werden aus Sicht von John den zukünftig zu erwartenden Verkehr kaum aufnehmen können, genauso wie weitere Verkehrsknotenpunkte in der Innenstadt. „Bereits heute suchen sich viele Autofahrer Schleichwege durch die innerstädtischen Wohngebiete, um im Norden oder Süden die Autobahn beziehungsweise die Bundesstraße zu erreichen.“

Gemischte Reaktionen in Reppenstedt und Bardowick

Und die Politikerin erinnert an die Aussagen des Gutachters Thomas Müller beim Info-Abend zum geplanten Neubaugebiet Am Wienebütteler Weg. Laut Messungen vom 29. September 2017 wurde am Knotenpunkt Brockwinkler Weg/Wienebütteler Weg eine Gesamtbelastung von mehr als 7300 Fahrzeugen pro Tag festgestellt, davon 5500 aus Richtung Vögelsen. Und der motorisierte Individualverkehr werde zunehmen – durch Neubaugebiete auf Lüneburger Terrain sowie in westlich angrenzenden Gemeinden, weil eben nicht jeder auf Rad und Bus umsteigen will oder kann, ist Christel John überzeugt. „Deshalb erachten wir es als essenziell im Rahmen einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung, sich konzeptionell in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und dem Kreis diesem Thema zu widmen.“

Die ersten Reaktionen, etwa aus Reppenstedt sowie Bardowick, sind derweil gemischt. Sie reichen von offener Gesprächsbereitschaft bis hin zu ersten Beißreflexen, aus Angst, die Stadt könnte eine neue Westumfahrung quer durch die Dörfer diktieren wollen.

Spätestens seitdem Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) auch die Reppenstedter mit seinen Vorschlägen zu einem baulichen Zusammenwachsen und dem geplanten 3D-Campus überrascht hat, sind Kommunalpolitiker vor den Stadtgrenzen in Habachtstellung, was Lüneburger Stadtratspolitiker wohl als nächstes ausbrüten. Ins Bild passen da die Überlegungen in der CDU-Stadtratsfraktion, die auf eine verkehrliche Entlastung der Lüneburger Weststadt aus sind. Die Krux: Die immer wieder diskutierte Trasse für eine Westumfahrung ist in der alten Form nicht mehr möglich, nachdem auch Stadtteile wie Oedeme weiter in die Fläche gegangen sind.

Luhmann für Westumfahrung auf Stadtgebiet

Gleichwohl: „Sich mit den Verkehrsproblemen im Westen der Stadt Lüneburg und den betroffenen Nachbargemeinden, unter anderem Reppenstedt, zu befassen, ist nicht nur eine vernünftige Überlegung, sondern ein unbedingtes Erfordernis“, sagt Reppenstedts Gemeindebürgermeister Peter Bergen (CDU). Er fordert „ein weiträumiges Verkehrsgutachten, das die Belange aller Betroffenen berücksichtigt und zufrieden- stellt“. Aber: „Das wird schwierig genug. Erst recht, sollte Lüneburg die Vorstellung verwirklichen, sich in Richtung Reppenstedt auszudehnen. Eine Vision, die ich mir ohne eine intelligente Verkehrslösung nicht vorstellen kann.“

Bei anderen Parteifreunden in der Nachbarschaft wird mehr Zurückhaltung deutlich. Bardowicks Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann (CDU) sagt: „Gegen eine Westumfahrung habe ich nichts einzuwenden, solange sie auf dem Stadtgebiet platziert wird. Ich denke an eine Einbeziehung des Ochtmisser Kirchsteigs und die alte Trasse der Buchholzer Bahn, so- dass unmittelbar an der A 39, Auffahrt Lüneburg-Nord, angeschlossen werden kann.“

„Bardowick zahlt bereits für gute Verkehrsanbindung“

Derweil hat sich die CDU-Kreistagsfraktion noch nicht darüber ausgetauscht, aber deren Vorsitzender Günter Dubber hat eine klare Meinung. Er war früher Verwaltungschef in Bardowick und entschiedener Gegner einer neuen Schnellstraße im Westen: „Meine persönliche Haltung dazu hat sich auch als Kreistagsmitglied nicht geändert. Eine zusätzliche Schnellstraße auf dem Gebiet der Samtgemeinde Bardowick sehe ich sehr kritisch, weil hier schon erhebliche Belastungen durch Autobahn, B 404 sowie dreigleisige Bahnstrecke vorhanden sind. Auch wenn die exzellente Anbindung durchaus Vorteile hat: Die Samtgemeinde bezahlt mit Lärm und hohem Verkehrsaufkommen für die gute Verbindung des Kreisgebietes mit Hamburg.“

Davon abgesehen sei ein Konzept für den zunehmenden Verkehr im Westen der Stadt durchaus sinnvoll und geboten, „wenn alle betroffenen Kommunen eingebunden werden“.

Von Antje Schäfer und Dennis Thomas

29 Kommentare

  1. verkehrsvermeidung ist angesagt und keine weiteren geschenke an die wirtschaft . neue strassen bedeuten immer mehr verkehr.

  2. Auf dem Kreideberg ist es auch nicht mehr schön, der Berufsverkehr nimmt immer mehr zu und dann kommen ab ca. 08:00 Uhr noch die Helikopter-Eltern dazu, die ihre Kids zu den Schulen bringen.

    Außerden verkommt der Straßenzug Thorner Straße, Ostpreußenring, Hallische Straße und Ochmisser Kirchsteig immer mehr zur Rennstrecke. Ich wundere mich, das da noch nicht mehr passiert ist. Morgens und Nachmittags ist ein gefahrloses Queren der Straßen kaum möglich.

    Ein besonderes Augenmerk sollten die Kontrollorgane mal auf die lange Gerade des Ochtmisser Kirchsteigs Richtung Ochtmissen legen. Da kann mann mit lautem Auspuff wunderbar Gas geben.

    Eine Westumgehung wäre endlich eine super Sache! Baut sie!

    • Eine Westumgehung wäre endlich eine super Sache! Baut sie!
      jürgen, ich bin dagegen. irgendwann ist deutschland zugepflastert und der verkehr steht trotzdem still.

  3. Tja … das ist die Kehrseite der Medaille. Nicht nur ein Baugebiet nach dem anderen aufmachen (Ilmenau-Garten, Hanse-Viertel, Reppenstedt, Rosenkamp, Häcklingen, …) sondern auch die Infrastruktur schaffen. Es ist ja schön das immer mehr Hamburger nach Lüneburg ziehen (ist eben noch ein schöne Stadt), aber wo arbeiten die Neu-Lüneburger meistens ? Immer noch in HH. Und wie kommt man dort hin wenn die Infrastruktur (Bahn, Bus,…) nicht verbessert wird ? Mit dem Auto ! Generell muss man ja „flexibel sein auf dem Arbeitsmarkt“. Das heißt immer weitere Strecken zur Arbeit. Die Niedrigzins-Phase (wo fast jeder ein eigenes Haus finanzieren/bauen kann) trägt ihren Anteil dazu bei. Ich bleibe dabei … keine neuen Baugebiete in LG. Die Infrastruktur (Schulen, Ärzte, Strassen, Polizei, Öffis, Sportstätten, …) wächst eben nicht mit. Und neue Baugebiete aufmachen damit die Immobilienpreise/Mieten erschwinglich bleiben ? Das ist ja wohl komplett in die Hose gegangen !!

    • Ron
      hier sind wir einer meinung. arbeitsplätze vor ort ist das zauberwort. kurze wege zum konsum auch. produkte vor ort hergestellt und verkauft, sorgen nicht nur für frische luft.

  4. Michael Mügge

    Wenn Günter Dubber so sehr gegen eine Westumgehung sich ausspricht stellt sich die Frage, warum er, sowohl als Samtgemeindebürgermeister als auch als Kreistagsabgeordneter sich nie gegen neue Baugebiete in seiner eigenen Samtgemeinde, bspw. Vögelsen, Radbruch, ausgesprochen hat, um den vermehrten Verkehrsfluss nach Lüneburg und die steigende Belastung für die Bürger in Lüneburg zu stoppen. Kann es sein, dass es ihm schlichtweg egal war, solange seine Samtgemeinde prosperiert, oder hat er immer noch die Angst vor dem großen Lüneburg und sieht das Wachstums Lüneburgs nicht als Chance für die ganze Region? Wenn er die Belastung für Bardowick hätte vermeiden wollen, hätte er nicht immer neue Industrie- und Gewerbegebiete an Orten ausweisen sollen, die zu einer Verkehrsbelastung für die Bürger bedeuten durch Anlieferverkehr. Solidarisch handelt HErr Dubber jedenfalls nicht, denn auch seine Samtgemeindebürger wollen ins Kino nach Lüneburg, schwimmen im Salü und treiben Sport in Lüneburger Fitnisstudios und Sportvereinen oder im Pesel und Vamos einen trinken. Die Ausweisung von Baugebieten die weit entfernt der Stadt liegen und nicht sinnvoll mit dem ÖPNV erschlossen werden können, führt zur Belastung der Bürger der Weststadt mit mehr Autoverkehr. Dafür trägt auch Herr Dubber Verantwortung, da er seit Jahrzehnten die politischen Entscheidungen mit gefällt hat.
    Herr Bruns hat mal wieder seinen beißerischen Reflex gegen alle die Infrastuktur bauen. Man sollte nicht jeder Entscheidung der Politik unterstellen, dass sie zu Lasten der Bürger geht – dann ähnelt man den Verschwörungstheoretikern der Reichsbürger und macht sich unglaubwürdig.

    MfG, Michael Mügge

    • Michael Mügge
      sie sind auf dem holzweg, infrastuktur ist wichtig, sie muss nur die richtige sein. und zwar für den bürger und nicht für die wirtschaft allein. was ich erlebe sind wirtschaftsverbände und andere lobbyisten, die sich gern den weg freimachen , um sich an dem steuerzahler zu bedienen. und zwar an denen, die auf lohnsteuerkarte arbeiten müssen.

      • Michael Mügge

        Hallo Herr Bruns, Sie machen da aber einen gedanklichen Fehler: SIe gehen immer noch davon aus, dass Arbeitsplätze etc. vor Ort entstehen. Das wird aber nicht mehr so sein. Die auch durch die Globalisierung vorangetriebene Spezialisierung der Berufe und der Fähigkeiten bedeutet, dass man nicht mehr in dem Ort arbeiten kann, wie es zu Beginn des 20. Jhd war. Dies zeigt sich ja auch in den Bauernhäöfen: ein Betrieb wie Gut Olms hatte um die Jahrhunderwende 20 bis 50 Arbeitskräfte. DIese Arbeitsplätze gibt es heutzutage nicht mehr. Dafür wurden neue Arbeitsplätze geschaffen, die aber nicht mehr auf dem Gut Olm sind, weswegen die Menschen dort hin fahren müssen. Insofern dient die Infrastruktur auch den Arbeitnehmern. VG, MM

        • Hallo
          Michael Mügge
          ich bin nicht naiv, aber auch nicht blöd. die wirtschaft sucht sich den einfachsten weg. und wenn ihnen dieser weg von der politik vorgegeben wird, greift sie zu. viele berufe sind schon ausgestorben, dafür kamen andere. andere bedeutet nicht automatisch, sie sind woanders.

        • Hallo Herr Mügge, SIE machen da einen gedanklichen Fehler: Ist der „Future Workplace“ denn nicht das „Home-Office“, von dem aus alles mit seltenen Ausnahmen „online“ erledigt wird? So heißt es jedenfalls immer, wenn von Ihresgleichen die „Brave New World“ der „Digital Solutions“ beschworen wird.

          Insofern dient die Infrastruktur vor allem den Arbeitnehmern NICHT.

          • Michael Mügge

            Hallo Herr Beck,

            Sie unterstellen mir hier Poistionen, die schlichtweg nicht die Meinigen sind. Ich habe mit Begrifflichkeiten, wie Sie sie unsachlich in den Raum werfen, nichts am Hut, sondern finde es durchaus angenehm mich im Büro mit Kollegen vis a vis auszutauschen.

        • Herr Mügge, schön das mal sachlich diskutiert werden kann. warum glauben sie, dass neue technik und neue arbeitsplätze immer woanders stattfinden wird, oder muss? ist unsere gegend zu konservativ?

          • Michael Mügge

            Guten Abend Herr Bruns,

            leider bleiben solche Arbeitsplätze die Ausnahme in Lüneburg. Die Vielzahl zukunftssicherer Arbeitsplätze werden leider eher in Hamburg geschaffen.
            Ein Jobwunder im Westen Lüneburgs, für das es übrigens dann auch dort auf der Grünen Wiese Gewerbe- und Mischgebiete geben müsste, sehe ich aufgrund der fehlenden Entwicklung der letzten zwanzig Jahre nicht.
            Mit freundlichen Grüßen, Michael Mügge

        • Herr Mügge, ich habe seit fast zwanzig jahren zeit, über dinge nachzudenken, die mich nicht direkt betreffen. deswegen habe ich hier desöfteren ein dejavu. es gibt behauptungen ,die einfach nicht stimmen, woran ich auch selbst geglaubt habe. neue arbeitsplätze fallen nicht vom himmel, stimmt. wenn aber nachgedacht wird, ist es sehr leicht. der gesellschaft wird durch werbung ein bedarf vorgegaukelt und schon gibt es neue arbeitsplätze. eines der wirklich nettesten argumente, ist die umwelt. wer möchte nicht, für eine gesunde umwelt beitragen?

  5. Andreas Janowitz

    Genau wie an der Kreuzung Bardowicker Str.- Reichenbachstr.-Vor dem Bardowicker Tore- Herrhausen Allee ein Kreisel gebaut werden sollte, müsste auch hier ein (ausreichend dimensionierter!) Kreisel hin?

  6. Thomas Müller

    Hallo Herr Bruns,

    bevor die Reppenstedter „Bürgervertreter“ mit einer taghell bestrahlten achtspurigen Ortsdurchfahrt vorbei am nun leider nicht „sanierungsbedürftigen“ Landwehrplatz, worauf das teure rotierende Zierbrünnlein prangt, den Lüneburger Westen „aufwerten“ und „entlasten“, müssten Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers und Gemeindebürgermeister Peter Bergen doch erst einmal überlegen, wie sie die halbe Million zusammenkratzen, die sie im Vorgriff auf vermeintlich schon sicher erschlichenes Steuergeld ins überflüssige Gellersen-Haus verausgabt haben, oder? Siehe meinen Kommentar vom 7. März: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1499112-kommunen-bangen-um-bewilligte-foerdermittel#comment-149971

    • ich kämpfe gerade mit herrn bergen um spielstrassen in unserer gemeinde. er ist auch dafür. wussten sie, reppenstedt war mal die gemeinde in niedersachsen, die die meisten kinder hatte? lebenszeichen ist eine gemeindezeitschrift der kirche, wo man es nachlesen kann. ich mache druck, damit unsere kinder nicht erst erwachsen werden müssen, um spielstrassen für ihre kinder vorzufinden. es sind übrigens alles sackgassen.

      • Thomas Müller

        Bravo, Herr Bruns, aber eine Antwort auf meine Frage war das nicht. Wie wollen Röttgers und Bergen das Geld bezahlen, das sie fürs sogenannte Gellersen-Haus zum Fenster hinausgeworfen haben, ohne einen Cent davon zu besitzen? Wollen sie am Brünnlein Heimatlieder singen und die in die Klöterbox geworfenen Münzen der Vorübereilenden auf einem Sparkonto der Sparkasse sammeln? Oder werden die beiden die nächsten vierzig Jahre gegen ein kleines Handgeld die Garageneinfahrten von Herrn Nahrstedt, Herrn Mädge und Herrn Dubbers sauber und frei von Unkraut und Blättern halten?

  7. So geht effiziente Infrastrukturpolitik

    Hamburg führt als erste Stadt Diesel-Fahrverbote ein

    Es sind die ersten Diesel-Fahrverbote in Deutschland als Reaktion auf den Abgasskandal – weitere dürften folgen.

    Am Donnerstag kommender Woche ist es so weit: Die bundesweit ersten Diesel-Fahrverbote wegen zu schlechter Luft treten in Kraft, und zwar in Hamburg. Wie die Umweltbehörde der Hansestadt am Mittwoch ankündigte, werden vom 31. Mai an zwei Straßenabschnitte für ältere Dieselautos und Lastwagen gesperrt.

    Bereits seit vergangener Woche werden insgesamt 55 Umleitungs- und 49 Verbotsschilder an den betroffenen Abschnitten im Stadtteil Altona-Nord angebracht. Einerseits geht es um einen 580 Meter langen Straßenabschnitt der Max-Brauer-Allee: Alle Dieselfahrzeuge, die nicht die Euro-6-Norm erfüllen, dürfen diese Bereiche künftig nicht mehr passieren. Lastwagen, die nicht die Euronorm 5 erfüllen, werden ebenfalls ausgesperrt. Letztere müssen künftig auch einen 1,7 Kilometer langen Abschnitt der Stresemannstraße meiden. Die Polizei soll nach einer Übergangszeit mit Kontrollen beginnen. Betroffen sind mindestens 168 000 Hamburger Pkws.

    Manfred Dittmer

  8. Unter dem Gesichtspunkt der Luftreinhaltung habe ich meine Wohnung Am Wienebütteler Weg, basierend auf den Ergebnissen einer Nasa-Studie, mit Pflanzen bestückt, die besonders viel Sauerstoff produzieren und sogar bestimmte Giftstoffe, wie etwa Formaldehyd, aus der Luft filtern können sollen. Besonders gute Resultate werden der Grünlilie, oder Chlorophytum comosum, attestiert. Im Gartencenter wird sie sogar mit der Bezeichnung »Air Cleaner« auf dem Plastiktopf angepriesen. Bald wird die Luft in meinem Zuhause hoffentlich wieder so rein sein, daß ich ohne Mühe von der Haus- bis zur Balkontür werde sehen können. Blöd nur: Der Schnitt der Wohnung läßt das gar nicht zu!

    Burkhard Niehues

  9. Wenn man durch Italien fährt, dann hat gefühlt jede Stadt, jedes Kaff eine Umgehungsstrasse.
    Da fahren dann auch nur die ins Zentrum, die unbedingt hin müssen bzw dürfen.
    Aber die Italiener machen das ja wahrscheinlich auch nur weil sie doof sind. Ganz bestimmt.

    Wir sind da schon viel weiter.
    Hier wird verbissen gegen jede Umgehungsstrassen votiert.
    Man will wahrscheinlich das rollende Bruttosozialprodukt auch direkt vor seiner Haustüre im Schritttempo vorbeischleichen sehen. So kann man sich auch schön über Lärm und Abgase aufregen.
    Wir sind ja schliesslich nicht so doof wie die Italiener.

    • Dafür beträgt die Staatsverschuldung Italiens, das demnächst mit einer Regierung von Clowns eine Politik der Verantwortungslosigkeit und der Illusion betreibt, dieses Jahr auch geschätzt rund 2,28 Billionen Euro. Das entspricht einer Quote von über 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

      • Ja.
        Und?

        Lebensqualität (auch eine Umgehungsstrasse ist Lebensqualität) hat halt einen Preis.

        …und was verantwortungslose Clowns in einer Regierung anbelangt kann ich nur sagen: wer im Schlachthaus sitzt, sollte nicht mit Schweinen werfen.
        (Wenn man auf Jemanden mit dem Finger zeigt, zeigen gleichzeitig 3 auf einen Selbst. Das bringt nicht weiter…)

  10. Die Stadt sollte erstmal den Kreisel der Soltauer umbauen und den Oedemer Weg mit einbeziehen. Auch eine Neuordnung für die Fussgänger und Radfahrer wäre gut, dann gibt es hier nicht jeden Tag beinah Tote (Radfahrer), zudem könnten Krankenwagen bei korrektem Umbau (auch bei viel Verkehr) auch noch das Krankenhaus ohne Verzögerung erreichen.

  11. Waldemar Schlüter

    Hallo Herr Bruns,

    das Ende des Individualverkehrs und selbst Carsharing-Konzepte sind nur für Menschen in großen Metropolen wie Berlin, München oder Köln denkbar. Geht man z.B. von Lüneburgs Innenstadt nur wenige Kilometer in einen der Stadtteile mit eher ländlicher Kultur (Rettmer, Ochtmissen) ist eine Abkehr vom Individualverkehr praktisch undenkbar. Und eine Abkehr vom Individualverkehr müsste für die Menschen ja nicht nur „denkbar“ sein um Wirklichkeit zu werden, sie müsste vor allem attraktiver (also letztlich bequemer) sein, um sich durchzusetzen.

    Am Ende ist diese Diskusssion aber auch müßig. Eine vernünftige Erschließung regenerativer Energiequellen (d. h. „erneuerbarer Energien“) vorausgesetzt, haben wir innerhalb kürzester Zeit nämlich kein Energieerzeugungsproblem sondern bestenfalls ein Energiespeicherproblem. D.h. eine CO2-Problematik wie auch NoX- und Feinstaubbelastungen durch den Individualverkehr sind ausschließlich politisch gewollt.

    Die aktuelle Regierung in der BRD und in Hannover (denken Sie an Althusmanns massives Vorantreiben des großflächigen Frackings im nördlichen Niedersachsen) verhindert durch diverse politische Maßnahmen aktiv den Ausbau erneuerbarer Energien. Die Interessengruppen dahinter sind auch klar: Mineralölindustrie, Kraftwerksbetreiber und natürlich die Automobilindustrie.

    Besonders die jetzt unter Druck geratenen Automobil-Konzerne haben doch seit Jahren die Entwicklung von Elektromobilitätskonzepten bewusst massiv verhindert. Eben weil sie kein wirkliches Wettbewerbswirksames Knowhow außerhalb von Verbrennungsmotoren haben.

    Aber auch die Kraftwerksbetreiber investieren weiter in Dinosauriertechnologie im großindustriellen Maßstab, statt sich voll auf erneuerbare Energien zu fokussieren. Die Kohle- und Mineralölindustrie sitzt bei all diesen Firmen in den Aufsichtsräten und verhindert oder verzögert mindestens alle zukunftsweisenden Entwicklungen.

    Das tatsächliche CO2-Problem ist also nicht der Individualverkehr und eine hier im Video geforderte notwendige Umerziehung der Menschen vom Individuum zu Borg. Diese wird notwendiger Weise scheitern.

    Das tatsächliche CO2-Problem ist die Auflösung der Lobbyverstrickungen von Großindustriellem Popanz und realer Politik. Die Zerschlagung dieses Menschenfeindlichen Militärisch-Industriellen-Komplexes wurde bereits 1961 vom konservativen (republikanischen) US-Amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower gefordert und muss am Anfang der Lösung fast aller Umweltfolgen des großindustriellen Kapitalismus stehen.

    Dafür allerdings stand in Deutschland erstmals bei der Bundestagswahl im letzten Jahr eine kleine Partei in acht Bundesländern zur Wahl die DiB (Demokratie in Bewegung). Alleine, dass es 56 Jahre von 1961 bis 2017 dauern musste, bis sich eine Partei zur Wahl stellte, deren zentrales Anliegen die Zerschlagung der antidemokratischen Lobbyistenverflechtungen von Industrie und Politik ist, zeigt wie groß das CO2-Problem tatsächlich ist.