Donnerstag , 20. September 2018
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Die Stadt möchte den Radweg an der Uelzener Straße aufhübschen – für stolze 452 000 Euro. (Foto: t&w)
Die Stadt möchte den Radweg an der Uelzener Straße aufhübschen – für stolze 452 000 Euro. (Foto: t&w)

Teures Pflaster für Radler

Lüneburg. Manchmal meint die Stadt es mit den Fahrradfahrern richtig gut. Zum Beispiel mit dem geplanten Neubau des Geh- und Radwegs auf der Westseite der Uelzener Straße. Weil sich dort zwischen SaLü-Ausfahrt und OHE-Bahnübergang gelegentlich Pfützen bilden, soll der Abschnitt auf Vordermann gebracht werden. Kosten: fast eine halbe Million Euro. Das hat jetzt nicht nur den Bund der Steuerzahler auf den Plan gebracht.

„Uns hat gewundert, warum der Abschnitt so teuer sein soll“, sagt Jan Vermöhlen vom Bund der Steuerzahler in Hannover. Er war von einem Lüneburger auf den Sachverhalt aufmerksam gemacht worden, wonach für die Sanierung 452 000 Euro anfallen sollen. „Ein vergleichsweise hoher Betrag“, wie Vermöhlen ausgerechnet hat. Denn statt der für andere Radwegsanierungen üblichen Größenordnungen von 80 bis 150 Euro pro Meter, veranschlagt die Stadt hier 526 Euro.

Hauptroute zur Uni

In ihrer Antwort begründet die Stadt das Vorhaben damit, dass sich auf dem Abschnitt Absenkungen gebildet hätten, die zu Pfützenbildung führten. „Das kann im Winter zu gefährlichem Glatteis werden“, erläutert Verkehrsdezernent Markus Moßmann gegenüber der LZ. Als Hauptroute von der Innenstadt zur Uni sei der Radweg viel befahren. Hinzu komme, dass die Radspur verbreitert und ein Sicherheitsstreifen zum Parkstreifen angelegt werden müsse. Außerdem seien zwei Bushaltestellen mit eingeplant.

Vermöhlen überzeugt das nicht: „Einen Sanierungsbedarf kann ich anhand der mir vorgelegten Unterlagen nicht erkennen. Auf einer Strecke von etwa 500 Metern sehe ich nur eine einzige Pfütze.“ Auch den Hinweis der Stadt, dass man sich mit der geplanten Verbreiterung an den Empfehlungen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen orientiere, mag er nicht akzeptieren: „Das gilt nur für neue Radwege.“ Die Notwendigkeit für einen kompletten Neubau sieht er ebenfalls nicht, „es reicht ja vielleicht, nur einzelne Stellen auszubessern“. Vermöhlen hegt daher den Verdacht, dass es der Stadt vor allem darum gehe, Fördermittel abzugreifen, schließlich kalkuliert die Stadt allein bei dieser Maßnahme mit einem Zuschuss von 365 000 Euro. „Doch auch das ist Geld der Steuerzahler“, ruft Vermöhlen in Erinnerung.

Innenministerium fordert Stellungnahme

Moßmann weist diesen Verdacht zurück: „Wir sehen eine fachliche Notwendigkeit.“ Ob die auch von der Kommunalaufsicht in Hannover geteilt wird, ist zumindest fraglich. Denn das Innenministerium hat die Stadt aufgrund einer Bürgereingabe um Stellungnahme zum Projekt gebeten. Die liege dem Ministerium auch vor, werde aber noch ausgewertet. „Eine abschließende Bewertung ist aus dem Grund leider noch nicht möglich“, teilt das Ministerium mit.

Möglichen Ärger mit der Kommunalaufsicht im Zusammenhang mit den beantragten Fördermitteln sieht Moßmann nicht. „Wir haben die Förderfähigkeit der Maßnahme mit Hannover abgestimmt.“ Dass die Stadt ihr Vorhaben jetzt überraschend zurückstellen will, erklärte Oberbürgermeister Ulrich Mädge im jüngsten Verkehrsausschuss mit einer Umgewichtung bei den Prioritäten. So soll zunächst die Ostseite der Uelzener Straße in den Blick genommen werden, ebenso die Dahlenburger Landstraße. Die Westseite der Uelzener Starße soll nun in ein Gesamtpaket eingebunden, die bewilligten Mittel vorerst für andere Vorhaben eingesetzt werden.

Von Ulf Stüwe

4 Kommentare

  1. Andreas Janowitz

    Solcherlei „kreative Rechnungserstellung“ wird allerdings auch durch die Art und Weise der Zuweisungen an Komunen befördert? Wer sein Geld nicht ausgibt wird bestraft- sprich dem wird im nächsten Jahr die Zuweisung zusammengestrichen?
    Das fördert nicht gerade sorgsamen Umgang mit Steuergeldern wie absurde Aussichtsplattformen in NRW frustrierend vor Augen führen?

    Wesshalb werden sparsam wirtschaftende Komunen nicht durch schnelle Zuweisungen belohnt? Wer Zuweisungen gestrichen bekam wird bei neuerlichem Bedarf dann bevorzugt behandelt? Wenigstens würden solche extra aufgeblasenen Rechnungen, dann im vorhinein überdacht?

    Ein Dank an aufmerksame (und berechtigt frustrierte) Bürger der Stadt.

  2. Sabine Wittrock

    So ruhig wie die Straße aussieht, sollte nach geltendem Recht der Radverkehr auf der Fahrbahn geführt werden. Dies gilt mittlerweile seit 30 Jahren. Dann kostet die Sanierung praktisch gar nichts. Und sicherer ist es auch.

  3. Bravo, der Radstreifen auf Ostseite der Uelzener Straße hat es in der Tat viel nötiger! Die Piste besteht über lange Strecken nur aus von verschieden Baumaßnahmen hinterlassenem Pflaster-Flickwerk. Auch auf dem Foto zum Artikel ist das gut zu erkennen. Um den Störungen auszuweichen ist man notgedrungen oft in der Mitte der Strasse unterwegs. Unter sicherem Radfahren stelle ich mir was anderes vor!

  4. Ich fahre den Weg jeden Tag mit dem Fahrrad zur Uni und ich muss sagen, dass man sich auf die kleinen Einschränkungen an einigen Stellen gut einstellen kann. Man muss ja auch nicht mit dem Fahrrad ständig rumbrettern. Selbst, wenn nach Starkregen sich größere Pfützen gebildet haben, kann man sich behelfen, wenn man an den wenigen Tagen halt ein wenig langsamer durch die Pfützen fährt, das schadet weder dem Fahrrad noch dem Fahrer. Man hat immer den Eindruck, dass die. Bürger für sich immer nur die besten Bedingungen einfordern ohne auf die Auswirkungen für die Gemeinschaft Rücksicht zu nehmen. Auf beiden Seiten und ist ein ausreichender Fahrradweg und ein breiter Fußweg, toll. Was wirklich grausam ist, das in Lüneburg nur Politik nach Fördertöpfen und nicht nach Bedarf gemacht wird. Mägde und seine schwachen Zuträger, wie Moßmann haben leider nicht die Fähigkeit und den Blick für das Ganze. Stückwerk, wo man nur schaut.