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Auf die Alten ist Verlass, auch bei der Feuerwehr: Sie sollen künftig bis zum Alter von 67 Jahren Brände löschen dürfen. (Foto: phs)
Auf die Alten ist Verlass, auch bei der Feuerwehr: Sie sollen künftig bis zum Alter von 67 Jahren Brände löschen dürfen. (Foto: phs)

Dienst am Nächsten künftig bis 67

Lüneburg/Hannover. Vor allem in ländlichen Regionen ist das Personal knapp bei den Feuerwehren: Viele Brandschützer sind als Berufspendler tagsüber nicht erreichbar oder aufgrund ihrer Arbeitsstelle zu weit entfernt. Wenn‘s brennt, kann es bei so mancher Ortswehr personell also schnell schon mal brenzlig werden. Deshalb sollen es jetzt noch einmal die „Alten“ richten. Dazu hat der Landtag das Brandschutzgesetz angepasst.

Ab sofort dürfen Feuerwehrleute in Niedersachsen auf freiwilliger Basis bis zum Alter von 67 Jahren aktiv an Einsätzen teilnehmen. Damit wurde die Altersgrenze um vier Jahre angehoben. Dieser Schritt soll in erster Linie den Freiwilligen Feuerwehren in den ländlichen Regionen helfen, in denen Nachwuchsmangel herrscht.

Bei Unfällen besser abgesichert

Das geänderte Gesetz sieht zudem eine bessere Absicherung für Feuerwehrleute bei Unfällen vor. Damit werden die Brandschützer noch besser als bisher abgesichert. So soll ihnen Hilfe gewährt werden bei Gesundheitsschäden im Dienst, die aus medizinischen Gründen eigentlich nicht als Arbeitsunfälle im Sinne der Gesetzlichen Unfallversicherung anerkannt werden.

„Es waren vor allem die Kameraden aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg, die diese Gesetzesanpassung vehement gefordert hatten“, erinnert sich Lüneburgs Kreisbrandmeister Torsten Hensel – „auch aus Solidarität haben wir diese Forderung aber immer mit unterstützt.“ Dass die Gesetzes-Änderung auf einen Schlag die personellen Probleme der Feuerwehren lösen wird, glaubt Hensel aber nicht. Zwar gebe es mit Sicherheit Kameraden, die nur darauf warten würden, für den aktiven Dienst wieder „reaktiviert“ zu werden. „Wer will, kann aber auch künftig früher in die Altersabteilung wechseln“, erinnert Hensel. Daran ändere auch das neue Gesetz nichts.

„Wir brauchen die junge Generation und die Unterstützung der Arbeitgeber.“ Torsten Hensel, Kreisbrandmeister

Um das Personal-Problem langfristig in den Griff zu bekommen, bedarf es nach Hensels Worten eines ganzen Maßnahme-Bündels: „Wir brauchen vor allem die junge Generation“, macht der Kreisbrandmeister deutlich, und: „Wir brauchen die Unterstützung der Arbeitgeber.“ In der Vergangenheit habe er immer wieder erleben müssen, dass Feuerwehrleute Lehrgänge kurzfristig hätten absagen müssen, weil sie vom Betrieb nicht freigestellt worden seien. „Da müssen auf Landesebene Gespräche zwischen Feuerwehrführung und Arbeitgeberverbänden geführt werden“, wünscht sich Hensel.

Sorgen bereiten Jugendwehren

Im Landkreis Lüneburg sei die Zahl der aktiven Feuerwehrleute vergleichsweise stabil: „Die Personalstärke liegt seit fünf Jahren gleichbleibend bei 3600 Feuerwehrmännern und -frauen“, berichtet der Kreisbrandmeister. Umso interessanter ist daher der Blick auf die Altersstruktur der Wehren: In der Altersgruppe 16 bis 20 Jahre versehen laut Hensel 386 Blauröcke Dienst am Nächsten. In der Altersgruppe 21 bis 27 sind es 539, in der Altersgruppe von 28 bis 40 Jahren sind 947 Brandschützer aktiv, 836 sind es in der Altersgruppe bis 50 Jahre. Und in der Altersgruppe 50 Plus rücken bei Einsätzen 912 Feuerwehrmänner und -frauen aus, um Leben zu retten und Sachwerte zu schützen.

Sorge bereitet dem Kreisbrandmeister da schon eher der Blick zu den Jugendwehren im Kreis: Die verzeichneten seinen Worten zufolge in den vergangenen Jahren einen personellen Rückgang von rund 250 Jugendlichen – „da müssen wir gegensteuern“.

Insgesamt gibt es in Niedersachsen rund 3300 Ortsfeuerwehren mit knapp 125 000 aktiven Feuerwehrleuten.

Von Klaus Reschke