Mittwoch , 19. September 2018
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Das Amtsgericht Lüneburg hat über den Antrag der AfD Kreisverband Lüchow-Dannenberg/Lüneburg gegen die Leuphana Universität Lüneburg entschieden. Foto: A/ta
Eine 77-jährige Lüneburgerin ist wegen Diebstahls zu einer Haftstrafe verurteilt worden - ohne Bewährung.

Die Klau-Oma soll ins Gefängnis

Lüneburg. Die Tatorte waren vorrangig Discounter und Supermärkte, in denen Kunden durch ihre Einkäufe abgelenkt waren und die Diebin gezielt ihre Opfer aussuchen konnte. Nachdem die 77-Jährige von einem Ladendetektiv in einem Lüneburger Kaufhaus gestellt wurde, gab es die Anklage. Das Amtsgericht Lüneburg verurteilte die Seniorin, die auch von Beamten gerne als Klau-Oma tituliert wird, jetzt zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren – ohne Bewährung.

Die Amtsrichterin hatte laut Gerichtssprecher Dr. Bernd Gütschow keinen Zweifel daran, dass die Frau in sieben Fällen einen gewerbsmäßigen Diebstahl begangen hat, in weiteren zwei Fällen blieb es beim Versuch: „Die zwei Jahre beziehen zudem frühere Taten mit ein. Durch die Vorstrafen sah das Gericht keine Chance mehr auf eine Bewährung.“

Selbst mit Rollator unterwegs

Die Seniorin hatte sich laut Urteil verschiedene Geschäfte für ihre Taten ausgesucht. Bei den Opfern allerdings hatte sie nur zwei Zielgruppen im Blick: junge Mütter, die mit ihren Säuglingen im Kinderwagen unterwegs waren oder ein Kleinkind an der Hand hatten und so also abgelenkt waren, die Diebin griff in Kinderwagen oder Handtasche und verschwand mit dem Portemonnaie. Zudem hatte sie es auf ältere Damen abgesehen, die teilweise mit Rollator durch die Läden schoben.

Die Angeklagte war auch selbst schon mal mit dem Rollator unterwegs. Im Gerichtssaal wurde eine Aufzeichnung einer Überwachungskamera aus einem Markt gezeigt. Zu sehen ist, wie die Seniorin mit ihrer Gehhilfe einer älteren Dame an einem Obststand vorbei folgt. Als die einen Moment unaufmerksam ist, lässt die Angeklagte ihren Rollator los, läuft auf ihr Opfer zu, schnappt sich unbemerkt die Tasche und eilt zu ihrem Rollator zurück.

Keine Therapie-Chance

Schließlich wurde ein Ladendetektiv in einem Kaufhaus auf die Frau aufmerksam. Sie habe sich dort rund eine Stunde lang aufgehalten und geschaut, wo sich für sie eine gute Gelegenheit ergibt. Als Hintergrund für die Taten wurde in der Verhandlung angegeben, dass die Klau-Oma eventuell spielsüchtig ist. Eine Therapiechance wollte ihr das Gericht aber aufgrund ihrer einschlägigen Vorstrafen nicht einräumen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die 77-Jährige kann noch Berufung einlegen, vors Landgericht ziehen und so hoffen, dass sie dort noch eine zur Bewährung ausgesetzte Strafe erhält.

Von Rainer Schubert