Mittwoch , 19. September 2018
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Jutta Strietzel wohnt im Lüneburger Viertel Teufelsküche an der Straße Vor der Heide. Jetzt wird ihr Blick vom Balkon getrübt. Die Belüftungsanlage auf dem Lüwobau-Gebäude wirkt riesig, sie und andere Nachbarn glauben zudem, dass sie auch eine Menge Lärm machen dürfte, wenn sie erstmal in Betrieb ist. Foto:be

Ärger über das riesige Blendwerk

Lüneburg. Wenn Jutta Strietzel nachmittags von der Arbeit kommt, würde sie sich gerne noch ein wenig auf den Balkon ihrer Eigentumswohnung in ­Oedeme setzen. Do ch bei Sonnenschein flüchtet sie schnell wieder ins Wohnzimmer. Nicht etwa, weil es ihr zu heiß wird, sondern weil sie einem Blendwerk ausgesetzt ist. Vis-à-vis im Gebiet Teufelsküche auf dem im Bau befindlichen Verwaltungsgebäude der Lüneburger Wohnungsbaugesellschaft (Lüwobau) wurde vor einigen Wochen eine stählerne, riesige Belüftungsanlage installiert. Treffen die Sonnenstrahlen darauf, entsteht gleißendes Licht. Das blendet sie selbst dann, wenn sie im Wohnzimmer sitzt. So wie Jutta Strietzel geht es auch anderen Anwohnern, aber es gibt darüber hinaus weitere Gründe, warum sie einen Rückbau oder zumindest die Einhausung der Anlage fordern.

„Monströses, silbernes Aggregat“

Der Blick aus dem Fenster: So erlebt Jutta Strietzel das „Blendwerk“ nachmittags.

Renata Fuhr, die im Haus neben Jutta Strietzel wohnt, kritisiert, dass das „monströse, silberne Aggregat auf dem Verwaltungsgebäude der Höhepunkt einer misslingenden baulichen und sozialverträglichen Integration eines Neubaus in das naturnahe Wohngebiet“ sei. „ Das riesige Gerät sei ein Schandfleck, würde einem größeren Fabrikgebäude alle Ehre machen und habe enorme Spiegelungskraft. Außerdem befürchten sie und andere Anwohner Betriebslärm. „Wir stellen uns die Frage, ob eine solche Installation in Wohngebieten überhaupt zugelassen ist. Und warum es nicht farblich abgepasst wurde, nicht von einer Mauer umgeben wird oder nicht als kleinere Variante im Gebäude integriert wurde.“ Auf Anfrage habe das Bauamt schon vor Wochen zugesagt, einen Mitarbeiter zur Begutachtung vorbeizuschicken. Doch dann habe man nichts mehr gehört.

„Belüftungsanlage für das Bürogebäude zwingend erforderlich“

Jutta Strietzel hatte sich Anfang Mai ebenfalls per E-Mail ans Bauamt gewandt mit ihrer Kritik an der Belüftungsanlage. „Ein Anstrich würde sicherlich die optische Belästigung abstellen, allerdings ist die ästhetische Komponente damit noch nicht behoben“, schrieb sie. Eine Antwort erhielt sie von der Lüwobau. Darin heißt es: Auf Grund der energetischen Anforderungen und einer ausreichenden Belüftung sei eine Belüftungsanlage für das Bürogebäude zwingend erforderlich. Durch die technischen Anforderungen ergebe sich die Anordnung auf dem Dach. Die Arbeiten an der Lüftungsanlage seien noch nicht abgeschlossen, die Farbabstimmung (Blendschutz) laufe noch mit der Stadt. Bis zum 9. Mai würden Musterflächen für die Farbgestaltung angelegt, die Malerarbeiten dann kurzfristig ausgeführt. Der Schallschutz werde eingehalten, notwendige Abstandsflächen würden nicht überschritten.

Antwort für die Anwohner wenig zufriedenstellend

Die Antwort ist für die Anwohner wenig zufriedenstellend, zumal sie nicht glauben, dass der riesige Ventilator der Anlage leise arbeiten wird. Deshalb haben sie nun Unterschriften gesammelt mit der Forderung des Rückbaus der Anlage.

Auf LZ-Anfrage sagte Heiderose Schäfke, Geschäftsführerin der Lüwobau: „Grundsätzlich kann ich die Anwohner verstehen, sie haben sich an die Freifläche in der Nachbarschaft gewöhnt. Da stört jeder neue Baukörper und die mit dem Betrieb eventuell verbundenen Emissionen. Allerdings erstellen wir den Verwaltungsbau nicht in einem reinen Wohngebiet, sondern in einem Mischgebiet, das auch Gewerbe zulässt.“ Der Bebauungsplan beinhalte keine Festsetzungen zu haustechnischen Anlagen. Lüftungsanlagen, Leitungen von Klimaanlagen und Warmluftheizungen seien oft gemäß Niedersächsischer Bauordnung als haustechnische Anlagen verfahrensfrei. Aber in diesem Fall prüfe die Stadt den Bauantrag auf Genehmigung.

Prüfungen und Abstimmungen laufen noch

„Die Lüwobau arbeitet in Abstimmung mit der Bauverwaltung an einer zufriedenstellenden gestalterischen Lösung. Die Prüfungen und Abstimmungen laufen noch.“ Um die Blendwirkung zu reduzieren, werde als Zwischenlösung ein achatgrauer Anstrich ausgeführt. Auf die Frage, ob die Anlage eventuell zurückgebaut werde, erklärt sie: „Die Energieeinsparverordnung mit den hohen energetischen Anforderungen – auch für Gewerbebauten – muss eingehalten werden. Im Gegenzug wird eine Anlage benötigt, um die nötige Belüftung der Räume zu gewährleisten.“

Angesprochen haben die Anwohner inzwischen auch Christel John. Die Ortsbürgermeisterin von Oedeme, die für die CDU zudem im Rat sitzt, will nun im Bauausschuss am Montag, 28. Mai, die Anfrage stellen, ob den Anwohnern im Vorfeld das Projekt vorgestellt wurde. Sie hat sich die Anlage angeschaut, findet diese „heftig. Ich war entsetzt, das ist im Prinzip wie ein viertes Geschoss“.

Von Antje Schäfer