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Die "StadtRad"-Leihfahrräder werden in Lüneburg inzwischen knapp 60 000-mal pro Jahr genutzt. (Foto: A/wege)
Die "StadtRad"-Leihfahrräder werden in Lüneburg inzwischen knapp 60 000-mal pro Jahr genutzt. (Foto: A/wege)

Abwarten und Rad fahren

Lüneburg. Es war ein Versuch, den die Stadt Lüneburg und die Studenten der Leuphana gemeinsam mit der DB Connect GmbH unternahmen – und er glückte. Seit 2013 gibt es das Fahrradvermietsystem „StadtRad“ in Lüneburg, inzwischen wird es knapp 60 000-mal pro Jahr genutzt. Nach zweimaliger Vertragsverlängerung sollen nun erneut zehn Monate drangehängt werden. Doch wie es danach weitergeht, ist offen.

Das Problem steckt im Detail, wie die Stadtverwaltung im Verkehrsausschuss deutlich machte. Die Connect GmbH ist nicht nur Vertragspartner für das „StadtRad“ in Lüneburg, sie ist es auch in Hamburg. Doch mit der Me­tropole an der Elbe läuft der Kooperationsvertrag am 31. Dezember 2018 aus, und bei dem derzeit laufenden Ausschreibungsverfahren ist DB Connect nicht der einzige Bewerber. Weil Lüneburg aber an den Raum Hamburg gekoppelt ist und auch Vorteile durch das Verbundsystem sieht, wie Verkehrsdezernent Markus Moßmann in der Sitzung deutlich machte, kommt ohne eine Klärung der Situation in Hamburg in Lüneburg vorerst nichts voran. Erschwerend kommt hinzu, dass DB Connect die bestehenden Konditionen wohl nicht aufrechterhalten will, sprich: Es dürfte teurer werden.

Angebot steht noch aus

Die Verwaltung hat deshalb vorgeschlagen, den jetzt auslaufenden Vertrag noch einmal um zehn Monate bis zum 31. März 2019 zu verlängern, um Zeit bei den anstehenden Verhandlungen zu gewinnen. Allerdings: Bereits für diese Verlängerung will DB Connect nicht mehr nur 65 000 Euro, sondern 71 400 Euro haben.

Dass die Stadt wohl nicht umhin komme, dem zuzustimmen, machte Moßmann deutlich: Zum einen habe Lüneburg damals „sehr günstig verhandelt“, zum anderen halte er ein weiteres Entgegenkommen der DB Connect bei der Tarifgestaltung „für ausgeschlossen“, schließlich sei das System für den DB-Partner unterfinanziert. Auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge bekannte sich zum „StadtRad“, sagte aber: „Wir können erst weiter diskutieren, wenn wir ein echtes Angebot haben.“ Das aber stehe noch aus.

Dass das Verleihsystem sich für die Stadt bewährt habe und es fortgesetzt werden müsse, dazu bekannten sich auch die übrigen Ausschussmitglieder, die das System nicht nur als Teil des künftigen Mobilitätskonzepts in der Region verstehen, sondern dadurch auch die Attraktivität der Stadt aufgewertet sehen.

Dennoch gab es auch Misstöne, zum Beispiel bei der künftigen Beteiligung des Allgemeinen Studierendenausschusses der Uni (AStA) an den Kosten. Während Moßmann erklärte, dass sich der AStA von der Finanzierung zurückziehen wolle, wenn die Kosten steigen, wollte der Vertreter des AStA im Ausschuss, Timo Lüdeke-Dalinghaus, davon nichts wissen. Er machte deutlich, dass es bei der bisherigen Beteiligung von 24 000 Euro oder 1,50 Euro pro Student bleibe. Am Ende wurde einstimmig für die zehnmonatige Verlängerung votiert.

Von Ulf Stüwe

One comment

  1. Warum sollten die Studierenden auch mehr bezahlen? Die meisten von ihnen wohnen in der Stadt Lüneburg, konsumieren hier, arbeiten häufig auch hier und nehmen am öffentlichen Leben teil.

    Alle Menschen können sich beim StadtRad Lüneburg kostenlos registrieren und 30min. kostenlos fahren. Die Studierenden können das also auch. Aber die zahlen zusätzlich noch 1,50€ pro Semester, um die Existenz des StadtRades zu gewährleisten. Die Stadtverwaltung lehnt sich da vielleicht etwas weit aus dem Fenster, wenn sie fordert, dass die Studierenden sich noch mehr beteiligen sollen. Und ist die öffentliche Mobilitätsinfrastruktur nicht eigentlich eine kommunale Aufgabe?