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Im April hat die Polizei jeden Winkel des früheren Wohnhauses und Grundstücks von Kurt-Werner Wichmann durchsucht. (Foto: behns)
Im April hat die Polizei jeden Winkel des früheren Wohnhauses und Grundstücks von Kurt-Werner Wichmann durchsucht. (Foto: behns)

Polizei hofft auf Blutspritzer

Lüneburg. Drei Wochen lang hat die Polizei das ehemalige Grundstück des mutmaßlichen Serienmörders Kurt-Werner Wichmann umgegraben und abgesucht. Mehr als 400 Asservate stellten die Beamten um Ermittlungsleiter Jürgen Schubbert sicher. Einen Monat später gab es zwei sogenannte Spurenkonferenzen. Nach LZ-Informationen interessieren sich die Polizisten besonders für „blutsuspekte Anhaftungen“ an gefundenen Gegenständen. Davon soll es einige geben. Ob sie zu weiteren Opfer oder einem mutmaßlichen Mittäter Wichmanns führen, ist unklar. So bleibt die Ungewissheit.

Suche nach möglichem Komplizen

Wie berichtet, steht Wichmann im Verdacht, in mehr als zwei Dutzend Morde verwickelt sein zu können. Ein Fall gilt als gelöst: Im Sommer 1989 verschwand Birgit Meier aus Brietlingen-Moorburg. Die Sache wurde wieder aufgerollt, im September 2017 wurde die Leiche der Frau entdeckt – einbetoniert in der Garage Wichmanns am Lüneburger Stadtrand.

Für die Göhrde-Morde kommt Wichmann wahrscheinlich ebenfalls infrage: Im Sommer 1989 wurden zwei Paare am Forsthaus Röthen getötet. Der Täter nutzte im Anschluss die Autos der Opfer. In einem der Wagen wurden zwei DNA-Spuren Wichmanns gefunden. Ihn können Polizei und Justiz nicht mehr zur Verantwortung ziehen. Er saß wegen eines anderen Deliktes in Süddeutschland in Haft und nahm sich dort 1993 das Leben.

„Es ist es denkbar, dass ein sichergestelltes Utensil einem möglichen weiteren Opfer gehört hat.“ Mathias Fossenberger, Polizeisprecher

Gegen Tote kann zwar nicht mehr ermittelt werden, aber die Polizei hat den Verdacht, dass Wichmann einen Komplizen gehabt haben könnte.

Erst jetzt nahm sie sich das Areal gründlich vor. Kein Stein blieb auf dem anderen. Die Ermittler stellten mögliche „Trophäen“ sicher. Polizeisprecher Mathias Fossenberger gibt sich vage: „Beispielsweise ist es denkbar, dass ein sichergestelltes Utensil einem möglichen weiteren Opfer zuzuordnen ist. Es ist jedoch auch denkbar, dass es möglicherweise in einem harmlosen Kontext legal erworben wurde.“ Was man gefunden habe, könnten sich andere Polizeidienststellen anschauen. Wichmann lebte zeitweilig in Karlsruhe – hat er auch da gemordet? Inzwischen haben sich weitere Ermittler ungelöster Fälle gemeldet, um Zusammenhänge prüfen zu lassen: „Aus ermittlungstaktischen Gründen werden dazu keine Auskünfte getätigt.“

Wem gehört die Polaroidkamera?

Spannend ist für die sechsköpfige Ermittlungsgruppe eine Polaroidkamera, die im Landeskriminalamt untersucht wird. Sie muss aber nicht unbedingt Wichmann gehört haben, denn nach dessen Tod lebte ein anderer Mann dort.

Offen ist noch, was die Suchaktion gekostet hat. Eigentümer und Mieter hatten der Polizei Haus und Grundstück überlassen, nun muss alles instand gesetzt werden. Sicher ist, dass Hunderttausende fällig werden. Noch werden Angebote für die Arbeiten eingeholt.

Von Carlo Eggeling