Mittwoch , 19. September 2018
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Vermessungsarbeiten am Lüneburger Handwerkerplatz. (Foto: t&w)
Vermessungsarbeiten am Lüneburger Handwerkerplatz. (Foto: t&w)

Besser als die Griechen

Lüneburg. Sie gehen mit sen­siblen eigentumsrelevanten Daten um, die jetzt geltende neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) treibt den Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren aber keine Sorgenfalten auf die Stirn. „Wir haben unsere Mitarbeiter immer schon auf den Datenschutz eingeschworen und vieles der neuen DSGVO schon lange umgesetzt“, sagt der Lüneburger Clemens Kiepke, Vorsitzender der Landesgruppe Niedersachsen im Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure (BDVI). Der Bund geht sogar über die Forderungen hi­naus: „Wir haben externe Datenschutzbeauftragte auch in Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten.“

Diplom-Ingenieur Clemens Kiepke eröffnete den zweitägigen BDVI-Kongress mit 140 Teilnehmern im Hotel Bergström, der unter dem Thema „Technologisierung – Digitalisierung – Wandel“ stand. Ein Kongress, der jährlich in einer anderen deutschen Stadt und erstmals seit mehr als 15 Jahren wieder in Niedersachsen stattfindet. Zum Tagungsmotto sprachen unter anderem BDVI-Präsident Michael Zurhorst und Stefan Muhle, Staatssekretär für Digitalisierung im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium.

Daten gehen direkt ins Grundbuch ein

Der Lüneburger Kiepke ist seit 15 Jahren auch im europäischen Verbund der Vermessungsingenieure vertreten und hielt schon Vorträge in Russland. So kam der Kontakt zu Vladimir Tikhonov zustande, der russische Katasteringenieur ist einer der Referenten. „Die Russen sind technisch und mathematisch hoch versiert“, sagt Kiepke, doch es gebe erhebliche Unterschiede, die Deutschen hätten einen deutlich höheren Stellenwert: „In Deutschland stehen wir auf einer Stufe mit den Katasterämtern, nehmen öffentliche Aufgaben wahr und haben eine enorme Rechtssicherheit. Unsere Daten gehen direkt ins Grundbuch ein. Wir haben eine super Datengrundlage, das ist ein hohes Gut.“ Mit Blick auf die Wirtschaftskrise in Griechenland sagt er: „Ein Negativ-Beispiel, da weiß der Staat gar nicht, was ihm gehört.“

Das Aufgabenspektrum ist groß: Neben der Ingenieurvermessung, der Erfassung von Geodaten oder dem Wohn- und Gewerbeflächenaufmaß gehören insbesondere hoheitliche Aufgaben zu den Dienstleistungen eines freiberuflichen Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs. Dazu zählen die Erstellung amtlicher Lagepläne, die Einmessung von fertig gestellten Gebäuden, die Durchführung von Grenzvermessungen und Teilungsvermessungen, die Erteilung von Katasterauskünften, die Beurkundung von Tatbeständen an Grund und Boden und vieles mehr.

Hintergrund

Die Aufteilung der Erde

Die Geodäsie ist die Wissenschaft von der Vermessung und Aufteilung der Erde in Flächen, Punkte und Markierungen. Mit Hilfe der Geodäsie wird die Erde und das erdnahe Weltall erkundet, vermessen und anschließend grafisch dargestellt. Auf Basis der ermittelten Daten entstehen Stadtpläne, Land- und Seekarten, 3D-Visualisierungen und ganze Navigationssysteme. Google-Maps und Routenplaner im Internet wären ohne die Geodäsie nicht möglich.

Die Arbeitsergebnisse der Geodäsie sind umfangreich und bilden die Grundlage für Lagepläne für die Bauplanung für technische Projekte, für die Katastervermessung, für die Bodenordnung und vieles mehr.

Die Tätigkeit eines Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs reicht von der Beratung zur Bauplanung über die Vermessung von Grundstücken bis zur Lieferung erforderlicher Unterlagen für die grundbuchliche Umschreibung.

Von Rainer Schubert