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Motorcheck: Ein Polizeiwagen läuft Hunderttausende Kilometer. Doch die Techniker haben auch die Spezialausrüstung im Blick. So werden in Türen Behälter für Maschinenpistolen eingebaut. (Foto: t&w)

Die Schrauber der Polizei

Lüneburg. Die Terrorgefahr macht der Polizei schwer zu schaffen. Im Wortsinne: Die Beamten sollen sicherer unterwegs sein. Bessere und damit zwölf Kilo wiegende Schutzwesten und Helme, in den Seitentüren der Streifenwagen Taschen für Maschinenpistolen. Das bringt Gewicht auf die Waage. Jedes zusätzliche Pfund müssen die Techniker der Staatsmacht im Blick haben: Sie kommen an Grenzen der Zuladung, überschreiten sie die, dürften die Blaulicht-Autos im Zweifel nicht mehr ausrücken. Zunehmen und Abspecken spielen so auch für die Mitarbeiter der Polizei-Werkstatt im Lüneburger Hafen eine Rolle. Sie setzen Lösungen um.

Drei Jahrzehnte war die Werkstatt Auf der Hude zu Hause, 2011 zog sie in die Schlieffenkaserne um. Nun sind die acht Mitarbeiter um Werkstatt-Chef Ralf Crone an der Otto-Brenner-Straße zu Hause. Sie betreuen 340 Fahrzeuge der Polizeidirektion Lüneburg, zu der acht Landkreise zählen. Doch die Autos kommen in der Regel nur zu größeren Reparaturen an die Ilmenau. Kleinigkeiten lassen die Dienststellen vor Ort erledigen.

Immense Belastungen für die Autos

„Achsen, Reifen und Bremsen gehen gut bei uns“, sagt Crone. Wechsle ein normaler Autofahrer die Reifen an seinem Auto in der Regel nach sechs, sieben Jahren aus, geht das bei einem Streifenwagen viel schneller: „20 000, 25 000 Kilometer, dann müssen neue her.“ Die Belastungen seien immens, rasante Anfahrten, rasches Bremsen, hohes Tempo in Kurven, Kantsteine rauf und runter. Aber auch die Laufleistung sei gewaltig: „Auf der Autobahn fahren die Kollegen 100 000 bis 120 000 Kilometer im Jahr.“ Nach rund 400 000 Kilometern werden Autos aussortiert: „Aber wir hatten hier auch schon mal einen Audi, der hatte 520 000 Kilometer auf der Uhr.“

Sechs Werkstätten betreibt die Landespolizei zwischen Elbe und Harz. Zuständig sind Dezernatsleiter Klaus-Jürgen Baumeister und als Betriebsleiter der Ingenieur Sebastian Will. Die beiden betonen, dass die Polizei mit ihren Servicestationen nicht in Konkurrenz zur privaten Wirtschaft tritt. „Wir haben Spezialfahrzeuge mit sicherheitsrelevanter Technik“, sagt Baumeister. Da gibt es beispielsweise Datenlesegeräte im Handschuhfach, Funktechnik und Einbauten, zu denen die Herren der Werkstätten nichts sagen wollen und nur unverbindlich lächeln.

Zivilfahrzeuge für verdeckte Einsätze

Auf den sechs Hebebühnen im Hafen reparieren die zivil angestellten Fachleute nicht nur die blau-silbernen Karossen, sondern auch unscheinbare VW, Audi, Mercedes und Kia, die in verdeckten Einsätzen beispielsweise von Mobilien Einsatzkommandos genutzt werden. Oftmals schnelle Boliden, die zwar harmlos ausschauen, aber reichlich Pferdestärken unter der Haube haben. Und mit rund 50 000 Euro entsprechend kosten. Ein Fünftel der Summe machen Aus- und Umbauten aus.

Aber Kfz-Meister Crone und seine Crew schrauben nicht nur in der mit 100 000 Euro modernisierten Werkstatt an den Polizeiwagen. Die Experten rücken zu Großeinsätzen mit aus, um vor Ort kaputte Autos zu reparieren. Oder sie stehen den Beamten zur Seite, wenn die bei Kontrollen Wagen durchsuchen. Denn die Karossen bieten eine Menge Verstecke, die auf den ersten Blick schwer zu erkennen sind. „Wir haben schon Waffen, Schmuck und Geld gefunden“, sagt Crone. Kollegen in Hannover hätten in einem Wagen 160 Kilo Marihuana ausgemacht – ein satter Fund. Einige weitere dürften die Techniker bestimmt noch machen. Der Pachtvertrag für die Halle ist über zehn Jahre abgeschlossen.

70 Mitarbeiter, 5000 Fahrzeuge

Die Polizei betreibt im Land sechs eigene Werkstätten. Zum Fuhrpark zählen 5000 Fahrzeuge, die von 70 Mitarbeitern betreut werden. Im vergangenen Jahr hat die Polizei 326 neue Autos beschafft, 260 ausgemustert und verkauft. In Spezialwerkstätten wie in Hannover bringen die Angestellten unter anderem Wasserwerfer wieder auf Vordermann. Die Servicestationen sind günstiger als die private Wirtschaft. Laut Polizei arbeiten der Dekra angeschlossene Betriebe durchschnittlich für 120 Euro pro Stunde, bei der Polizei fallen 77 Euro an.

Das Innenministerium will bei der Polizei künftig verstärkt auf Elektromobilität setzen und 180 Fahrzeuge mit E-Antrieb anschaffen.

Von Carlo Eggeling

One comment

  1. Von welcher „Terrorgefahr“ schwatzen Sie da so leichtfertig, Herr Eggeling? Geht nicht einmal mehr ein spannender Artikel über die Ausrüstung und die Reparatur von polizeilichen Einsatzwagen, ohne die aufmerksamkeitsheischenden Klischees der organisierten Panikmacher-Kamarilla à la Messermädchen Alice Weidel oder Ankerzentrum Horschdi Seehofer zu bedienen? Eine Prise blöder Schrotschuss-Alarmismus muss heutzutage einfach sein, nicht wahr? Wenn der Teufel schon nicht leibhaftig vorbeischaut, dann möchte der journalistische Hysteriker ihn wenigstens an die Wand malen, gelle? Und wenn einer so an der Hervorbringung des Unheils mit arbeitet, auf das er – angeblich – bloß vorbereitet sein möchte, was schert es ihn, oder? Die Musi muss dröhnen und gellen – und wenn auch die Welt in Scherben fällt!