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Der Wendhausener Alexander Polienko ist nicht der einzige, der sich durch die 200 Meter hohen Windkraftanlagen vor den Toren Wendhausens massiv gestört fühlt. An einen gesunden Schlaf sei schon lange nicht mehr zu denken. Jetzt machen die Bürger mobil. (Foto: kre)
Der Wendhausener Alexander Polienko ist nicht der einzige, der sich durch die 200 Meter hohen Windkraftanlagen vor den Toren Wendhausens massiv gestört fühlt. An einen gesunden Schlaf sei schon lange nicht mehr zu denken. Jetzt machen die Bürger mobil. (Foto: kre)

Windräder kommen auf den Prüfstand

Wendhausen. Wuuusch…… Wuuuusch….. Wuuusch…“ Das Geräusch nervt. „Es macht aggressiv, es stresst, es macht krank“, sagen Heike Gebert und Alexander Polienko. 24 Stunden seien sie der Geräuschkulisse ausgesetzt. Sieben Tage in der Woche. Dazu komme ein unangenehmes Brummen, als wenn man an einem Flugplatz wohne. „An Schlaf bei offenem Fenster im Sommer ist nicht zu mehr zu denken“, klagt Gebert. Die Verursacher des Lärms haben die Wendhäuser längst identifiziert – sechs rund 200 Meter hohe Windkraftanlagen, die am Dorfrand aufgestellt wurden. Polienko und Gebert sind nicht die einzigen, die Gesundheit und Lebensqualität durch die Windquirle gefährdet sehen. Immer mehr Wendhausener beschweren sich. Gebert hat eine Unterschriftenliste gestartet. Innerhalb weniger Tage haben bereits mehr als 140 Bürger unterzeichnet.

Die massiven Beschwerden sind inzwischen auch bei Ostheides Samtgemeindebürgermeister Norbert Meyer (SPD) angekommen: Der Rathauschef wird inzwischen nicht nur von Wendhäusern auf die Lärmbelästigung angesprochen, sondern auch von Bürgern aus Neetze. Die klagen laut Meyer ebenfalls über den „brummenden Dauerton“. Für Meyer ist klar: „Die Belästigungen müssen auf ein „erträgliches Maß“ reduziert werden. Dass die Anlagen aufgrund der Beschwerden abgerissen werden, das wird mit Sicherheit nicht passieren.“

Für so manchen Wendhausener ist das eine späte Einsicht der Verwaltung. Vor allem die Gemeinde Reinstorf steht in der Kritik. „Von der hätte ich mir eine deutlich aktivere Bürgerinformation gewünscht“, sagt Polienko: „Beim Breitbandprojekt wurde auch jeder Haushalt von der Gemeinde angeschrieben. Warum wurde darauf verzichtet, als der Bau der Windkraftanlagen anstand?“, fragt sich nicht nur Gebert und Polienko

Behörden-Auskunft erstaunt Kritiker der Windkraftanlagen

Erstaunt ist der KfZ-Meister auch über so manch fachliche Aussage von Behörden: Demnach stehe das nächstgelegene Windrad exakt 888 Meter nördlich von der Mitte unseres Wohnhauses.“ Wer bei dem Wendhausener auf der Terrasse sitzt, kommt angesichts dieser Angaben ins Staunen. Denn Richtung Norden steht kein der jetzt in die Kritik geratenen Windräder. „Das nächstgelegene Windrad steht nordöstlich unseres Hauses und alle anderen schließen sich Richtung Osten an“, stellt der Wendhausener klar.

Betrieben werden die Windkraftanlagen von der „Bürgerwindpark Wendhausen Betreibergesellschaft GmbH und Co. KG“. Deren Geschäftsführer ist Wolf Winkelmann. Er ist fest davon überzeugt, dass die Windkraftanlagen die gesetzlichen Bestimmungen nicht nur einhalten, sondern sogar die Grenzwerte unterschreiten. Gleichwohl nehme er die Sorgen und Beschwerden der Anwohner ernst.

Wendhausen gilt planungsrechtlich als Mischgebiet. Und in dem müssen geringere Lärmschutzgrenzwerte eingehalten werden, als in einem reinen Wohngebiet: Winkelmanann nennt die einzuhaltenden Grenzwerte: „In einem Wohngebiet dürfen die Anlagen die Grenzwerte von maximal 40 dB(A) nicht überschreiten, für ein Mischgebiet liegt die Grenze dagegen bei 45 dB(A)“. Der Geschäftsführer aber ist davon überzeugt, das nicht einmal diese Werte erreicht werden, noch ein „Puffer“ vorhanden ist.

Gleichwohl liegen beim Landkreis mittlerweile Beschwerden über Lärmbelästigung gegen zwei Windparks derselben Betreibergesellschaft vor: neben Wendhausen gibt es auch Kritik an den Anlagen in Häcklingen/Melbeck. In beiden Parks stehen Windkrafträder des gleichen Typs. Stefan Bartscht, Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Landkreis, sagt auf LZ-Anfrage: „Wir sind intensiv darum bemüht, schnellstmöglich alle Fragen rund um die Windparks zu klären.“

Landkreis hat Betreiber zu Lärmmessungen aufgefordert

Deswegen sei der Bauernverband als Betreiber der Anlagen vom Landkreis aufgefordert worden, Nachmessungen durchzuführen und so zuverlässige Aussagen über mögliche Beeinträchtigungen zu liefern. Der Bauernverband habe Mitte der Woche reagiert und dem Landkreis drei mögliche Gutachter für Lärmmessungen genannt. „Nachdem wir als Landkreis die Eignung und das Konzept der Gutachter überprüft haben, kann der Bauernverband nun einem von ihnen den Auftrag erteilen“, sagt Bartscht.

Was die Wendhausener allerdings wenig beruhigen dürfte: „Der Gutachter wird zunächst den Windpark Häcklingen/Melbeck im Fokus haben“, heißt es aus dem Kreishaus. Die Experten werden untersuchen, ob die Nachmessungen vor Ort auffällige Ergebnisse liefern. Auf Grundlage dieser Ergebnisse werde der Landkreis weitere Entscheidungen zum Windpark Wendhausen treffen. Winkelmann bleibt dennoch ganz entspannt: „Wir gehen davon aus, dass auch bei den Nachmessungen die gesetzlich vorgegebenen Werte deutlich unterschritten werden.“

Und die Wendhausener? Denen wurde zwischenzeitlich vorgeschlagen, selbst Lärmprotokolle zu erstellen – für Polienko nicht anderes als „Beschäftigungstherapie“, denn: „Wir wissen auch so, das es laut ist. 24 Stunden am Tag. Das müssen wir nicht extra dokumentieren.“

Von Klaus Reschke

7 Kommentare

  1. Für Infraschall gibt es doch noch gar keine Grenzwerte. Wahrscheinlich kommt das Brummen von der Interferenz der gleichdrehenden Windradflügel. Hier in Deutsch Evern fühlt man sich bei Westwind im eigenen Haus wie auf einer Helgolandfähre. Die kleineren, schon länger dort stehenden Windräder waren kein Problem.

  2. „Erstaunt ist der KfZ-Meister auch über so manch fachliche Aussage von Behörden: Demnach stehe das nächstgelegene Windrad exakt 888 Meter nördlich von der Mitte unseres Wohnhauses.“ Wer bei dem Wendhausener auf der Terrasse sitzt, kommt angesichts dieser Angaben ins Staunen. Denn Richtung Norden steht kein der jetzt in die Kritik geratenen Windräder. „Das nächstgelegene Windrad steht nordöstlich unseres Hauses[…]“

    aha und warum kommt man da jetzt ins Staunen? Nördlich -> Nord-West bis Nord-Ost. Also ist die Angabe völlig korrekt.

    „Denen wurde zwischenzeitlich vorgeschlagen, selbst Lärmprotokolle zu erstellen – für Polienko nicht anderes als „Beschäftigungstherapie“, denn: „Wir wissen auch so, das es laut ist. 24 Stunden am Tag. Das müssen wir nicht extra dokumentieren.““

    aha. Also auch bei Windstille herrscht lärm? Und wenn der Wind aus nördlicher Richtung kommt ebenfalls? Interessant…hört sich so an wie die Geschichte bei der sich mehrere Personen über einen Funkmast beschwert haben und das sie davon ja sooo dolle Kopfschmerzen bekamen nur um dann zu erfahren das das Ding noch gar nicht angeschaltet war.

  3. lärm ist die umweltverschmutzung nr. 1. für ein windkraftrad also ein unding. eulen fliegen lautlos. so manche maus musste deswegen schon daran glauben.

  4. Sven Kapelke / Häcklingen

    Wer schon mal versucht hat, bei einem tickenden Wecker (dessen Lautstärke weit unter 45 db liegt) einzuschlafen, der kann sich ja vielleicht vorstellen, wie man Nachts wach liegen muss, wenn ein regelmäßig wiederkehrendes „Swusch“ bei knappen 45 db zu hören ist! Insbesondere bei dem Windpark am Häcklinger Wohngebiet wäre es wünschenswert, wenn die Betreiber den Anwohnern entsprechend Lebensqualität lassen, indem sie bei SO/SW-Wind ab Windstärke 3 Bft und Nachts von 20:00 – 06:00 Uhr das wohngebietnächste Windrad abschalten.
    Die Bürger haben auch ihre Akzeptanz zu alternativer Windenergie beim Bau der neuen großen Windräder gezeigt und damit ihr Entgegenkommen signalisiert.
    Messwerte hin oder her, ein entsprechendes Entgegenkommen wünschen wir uns nun von der Politik und den Betreibern ebenfalls! Zumal nicht der Abbau der Windkraftanlage gefordert wird, sondern lediglich ein eingeschränkter Betrieb im wohnnahen Bereich.
    Ich lade Politiker und Betreiber gerne ein, eine Nacht im 1. OG zum Feldrand zu verbringen, um sich zu vergewissern, dass das wiederkehrende Brummen auch unterhalb eines gesetzlichen Messwertes die letzten Nerven rauben kann!

    • Andreas Janowitz

      Man kann sich das Leben auch schwer machen: ich lasse mich mit Urlaubsbildern im Kopf und sanfter Brandung im Ohr in den Schlaf wiegen.

      Wer sich aber über alles nur aufregt und sich in seine negativ Assoziation hinneinsteigert kann natürlich nicht schlafen und wird deswegen evtl. auch krank.
      Darüber hinnaus gibt es je nach Windrichtung auch stille Nächte und würde kein kahler Acker in Richtung der Windräder die Schleppe bis an die Wohnbebauung tragen, wäre sicherlich auch geholfen.

      Überzeugen sie den Ackerbesitzer/-pächter vielleicht zu einer Kurzumtriebsplantage?

      siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Kurzumtriebsplantage

      Und ja es gibt auch hierbei Probleme, ect. für die Infraschallstörung eignet sich dieses Gedankenspiel allemal. Die Schallschleppe würde über Jahre, bei ensprechender Bewirtschaftung evtl. dauerhaft soweit gestört, der Schallpegel soweit gedrückt, das der Schwellenwert selbst für hellhörige kaum wahrnehmbar würde?

    • Andreas Janowitz

      In meiner kleinen Welt gibt es Verbraucherkredite schon für Minuszinsen? Die Sparkasse hat Bürgern die Möglichkeit gegeben Anteile an den Windrädern zu erwerben? Wäre es da so abwegig mit Landwirten eine Genossenschaft zu Gründen, die auf bestimmten Flächen Kurzumtriebsplantagen bewirtschaftet?

      Ja die Genossenschaft (nebenbei Unesco Weltkulturerbe) kann dem Lärm einhalt gebieten und Hackschnetzel Produzieren? Es gibt Mittel und Wege? Wären die Anwohner wenigstens an einer solchen „Beschäftigungsterapie“ interessiert?
      Die Banken wollen lange Kreditlinien? Bürger wollen ihre Ruhe? Was daran keine Win-Win Situation ist erschliesst sich mir nicht?