Mittwoch , 19. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | Der bargeldlose Klingelbeutel
Kommt die Kollekte in Lüneburger Kirchen künftig auch per Smartphone mit einer App an die Gemeinden oder fließt weiter nur Bargeld in den Klingelbeutel? Die Kirchen zeigen sich gegenüber digitalen Spendensammlungen aufgeschlossen. Foto: t&w

Der bargeldlose Klingelbeutel

Lüneburg. Werden die Christen künftig nicht mehr ihr Münzgeld und ihre Scheine in den guten alten Klingelbeutel stecken, stattdessen moderne Zahlungswege wählen? Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover hat jetzt in Walsrode einen Modellversuch gestartet, dort gibt es zusätzlich zum Klingelbeutel eine App. Es gibt mittlerweile bundesweit weitere Projekte für den „bargeldlosen Klingelbeutel“. Der Hintergrund ist nicht nur, dass die Kirche mit der Zeit gehen will – für sie ist es ein Problem, dass die meisten Geldinstitute inzwischen hohe Gebühren für das Einzahlen von Münzgeld kassieren. Die LZ fragte: Welche Modelle gibt es und wie stehen die evangelische und die katholische Kirche in Lüneburg dazu?

„Jede Kollekte ermöglicht Hilfe für Menschen oder gute Projekte“

Christine Schmid, Leitende Superintendentin des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Lüneburg, zeigt sich aufgeschlossen: „Jede Kollekte ermöglicht Hilfe für Menschen oder gute Projekte. Darum finde ich es gut, wenn es neben dem Klingelbeutel auch andere moderne Methoden zum Geldeinsammeln gibt. Per App zu zahlen, das ist für viele Menschen sicher einfacher, und auch per Geldkarte. Auch dass Spendenbescheinigungen ausgestellt werden können, ist ein Vorteil. Ich denke, wir werden im Kirchenkreis demnächst auch Pilotprojekte zur digitalen Spende starten. Der gute alte Klingelbeutel sollte aber auch seinen Platz im Gottesdienst behalten. Denn Kollekten sind mehr als Spenden, Sie sind ein Dankopfer, das auf den Altar gelegt wird und mehr sagt als die reine Höhe der Zahlung.“

Carsten Menges, Dechant im Dekanat Lüneburg, sieht den Sinn ähnlich: „Für mich geht es nicht primär um das technisch Machbare, sondern um eine sinnvolle Feier der Liturgie. Beim Einsammeln der Kollekte während der Gabenbereitung geht es ja nicht nur ums Geld. Es ist der Beitrag der Gemeinde an der Gabenbereitung, der auch sichtbar gesammelt und zum Altar gebracht werden soll.“ Eine Tradition seit dem Urchristentum. Später erhielten die Ministranten den Auftrag, stellvertretend für die Gemeinde die Gaben zum Altar zu bringen. Menges: „Dieses besondere Zeichen der Mitwirkung aller an der Gabenbereitung kommt in diesen technischen Varianten wenig bis gar nicht mehr zur Geltung.“

Das App-System

Bei dem Walsroder Versuch wird die übliche App der Sparkasse verwendet, mit der per Smartphone ein QR-Code mit den Empfängerdaten der Überweisung eingescannt wird. Der Kirchgänger muss dann nur noch den Betrag einsetzen und die Überweisung per TAN-Code aktivieren.

Das Bon-System

Gemeindemitglieder kaufen in Kirchenbüros Bons. Im Gottesdienst muss nicht lange nach Münzgeld gesucht werden. Die Bons lassen sich als Spende von der Steuer absetzen. In der Landeskirche in Hessen und Nassau werden Kollektenbons schon länger eingesetzt, die als Bogen zu 30 Euro mit mehreren Bons angeboten werden.

Für Dechant Menges nichts Neues: „Das hatten wir in unserer Gemeinde St. Marien vor einigen Jahren schon einmal. Diese Variante wurde aber immer weniger genutzt und ist dann eingeschlafen.“

Das EC-Terminal-System

Einige größere Kirchen in Deutschland wie die Duderstädter Basilika in Südniedersachsen oder die Schweriner Schelfkirche nutzen bereits fest installierte EC-Kartenterminals im Kirchenraum, um das Überweisen von Spenden zu ermöglichen. Nach der Buchung wirft der Apparat sofort eine Spendenquittung in zweifacher Ausführung aus. Genutzt wird dieses System vor allem von Touristen, die so für den Erhalt der Kirchen spenden.

Für die katholische Kirche in Lüneburg kein Modell, Menges: „Diese Variante habe ich in München in der Krypta der Bürgersaal-Kirche zum ersten Mal gesehen. Ich fand die Idee pfiffig und habe mal prüfen lassen, ob wir so etwas auch installieren könnten. Als ich aber hörte, dass die Miete eines Terminals allein 50 Euro pro Monat kosten würde und wir eine Internet-Verbindung im Vorraum der Kirche bräuchten, haben wir die Idee gleich wieder verworfen.“

All diese Systeme haben einen Vorteil: Hohe Gebühren der Geldinstitute für Bareinzahlungen entfallen. Allerdings zeigt sich die katholische Kirche in Lüneburg auch hier pfiffig. Der Dechant erzählt: „Unser Verwaltungsbeauftragter hat einen Deal mit der Sparkasse gemacht. Wir zahlen nun Scheine am Automaten und Münzgeld in versiegelten Safebags, also Sicherheitstüten, wöchentlich oder bei Bedarf ein und reduzieren die Kontoführungsgebühren dadurch.“

Von Rainer Schubert