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Lächeln fürs „Familienfoto“: Mark Forster, Mary Roos, Johannes Strate, Judith Holofernes, Marian Gold, Michael Lutzeyer, Leslie Clio und Rea Garvey. (Foto: Gootbos)
Lächeln fürs „Familienfoto“: Mark Forster, Mary Roos, Johannes Strate, Judith Holofernes, Marian Gold, Michael Lutzeyer, Leslie Clio und Rea Garvey. (Foto: Gootbos)

„Die kennt hier ja niemand“

Der ehemalige Lüneburger Michael Lutzeyer betreibt in Südafrika ein Fünf-Sterne-Resort, in dem die Show „Sing meinen Song“ produziert wird.

Herr Lutzeyer, es ist natürlich klar, dass Sie nicht alles aus dem Nähkästchen plaudern können. Aber fragen wir doch mal unverfänglich: Ist das ganze Hotel von der Produktionsfirma in Beschlag genommen?

Michael Lutzeyer: Ja, die ganzen Villen und Lodges werden komplett gebucht. Die Produktionsfirma ist insgesamt zwölf Tage hier. Es sind ja sieben Abende, die im Fernsehen ausgestrahlt werden, aber es muss vorher aufgebaut und dann wieder abgebaut werden, da kann ich keine anderen Gäste haben. Es wird auch viel geprobt.

Wie viele Menschen arbeiten in Ihrem Hotel?

Insgesamt 165, ganz egal, ob die Produktionsfirma hier ist. Wir haben 25 Leute in der Küche, 20 Guides, die Safaris machen an den Strand, in die Berge, in den Busch. Wir machen auch Blumensafaris. Zimmerpersonal haben wir auch etwa 20 Personen, dann gibt es noch acht an der Rezeption, sieben Barkeeper und drei Sommeliers. Man darf nicht vergessen, dass immer etwa ein Drittel mehr an Personal ist, denn das hier ist ja ein Sieben-Tage-Job. Im Garten arbeiten 20 Gärtner. Ansonsten produzieren wir viel selbst, denn wir haben einen eigenen Garten, eigene Hühner, eigene Schweine.

Wie ist der Fernsehsender Vox auf Grootbos gekommen?

Es gab einmal die Sendung „Heimat in der Ferne“, an die hat sich eine Frau der Produktionsfirma erinnert und gesagt: Fliegt da mal hin und guckt Euch das an. Also kam die Firma hierher, und es hat ihnen gefallen.

Kommt das Personal des Hotels aus der Region?

Ja, die sind alle hier in der Gegend ansässig, darauf legen wir großen Wert.

Und wie betrachten die diese Show?

Oh, die sind alle begeistert. Natürlich ist das alles spannend für sie, also der Aufbau, die vielen Lichter am Abend, die Musik. Aber sie betrachten die Musiker als ganz normale Gäste, der Betrieb geht normal weiter, wir müssen ja unsere Arbeit machen. Die Guides fahren die Musiker für Aufnahmen runter an den Strand oder in die Berge und in den Wald. Im Schnitt bleiben unsere Gäste drei bis vier Tage hier. Dass die Produktion sich hier für zwölf Tage eingemietet hat, ist schon etwas anderes, die beanspruchen einfach alles.

Haben die Musiker unterschiedliche Zimmer, gibt es Allüren?

Nein, die bekommen alle gleiche Zimmer. So etwas wie Neid gibt es nicht, die sind sehr entspannt. Ich hatte das Glück, alle kennenzulernen, und sie sind alle normal und zugänglich. Man kann sich zu denen setzen und mit ihnen Mittag essen oder einfach so quatschen, wenn gerade keine Proben sind. Hinzu kommt ja auch, dass sie hier nicht im Adlon sind, wo man geradezu darauf wartet, ein bekanntes Gesicht zu sehen. Da würde man sagen: „Guck mal, da ist der Rea Garvey oder die Sarah Connor!“ Das passiert hier nicht, die kennt hier ja niemand.

Also keine besonderen Auffälligkeiten?

Nein. Aber sie sind alle interessiert an den sozialen Projekten, an unserer Stiftung, die sich um Jugendliche in der Region kümmert. Auf diesem Weg kam es auch dazu, dass wir beim RTL-Spendenmarathon mit aufgenommen wurden, das war uns sehr wichtig. Wir bauen mit dem Geld einen Kindergarten für 100 Kinder in einem Township auf. Die Musiker gucken sich die Projekte vor Ort an. Bei „Green Futures“ zum Beispiel bilden wir Jugendliche zu Gärtnern aus.

Wie reagieren eigentlich die Tiere auf die Konzerte, das muss für die doch sehr laut sein?

Das Reservat ist 2500 Hektar groß, da gibt es genug Rückzugsmöglichkeiten. Wenn Sie und ich Musik zu laut empfinden, verpieseln wir uns ja auch.

Das Produktionsteam landet in Kapstadt. Wie kommen die dann zu Ihnen? Sie sind ja etwa eineinhalb Autostunden östlich von Kapstadt zu finden.

Manche kommen mit dem Auto, andere mit einem kleinen Flugzeug, wir haben hier eine Landebahn. Das hängt von dem Wetter ab, aber auch davon, wann die Maschinen in Kapstadt eintreffen. Die sitzen ja nicht alle im selben Flieger, sondern kommen zu unterschiedlichen Zeiten an.

Südafrika wird gern als ein Land bezeichnet, in dem viel Kriminalität herrscht. Haben Sie damit Probleme?

Nein. Die Anlage ist umzäunt, es gibt einen Pförtner und Wachpersonal. Wir haben noch nie Probleme gehabt. Die Zimmer sind alle unverschlossen. Wir sind auch weit weg vom Schuss, wie man auf Deutsch sagt.

Apropos Deutsch: Wundern sich die Musiker, dass Sie fließend Deutsch sprechen?

Im ersten Augenblick sind sie etwas irritiert, weil ich immer am ersten Abend die Begrüßungsansprache mache. Aber dann erkläre ich ihnen, dass ich von deutschen Eltern abstamme, dass ich in Lüneburg gelebt habe, dann ist alles gut.

Gibt es durch die Sendung mehr Gäste?

Ja, man kann schon sagen, dass wir mehr Gäste aus Deutschland haben. Aber ich frage die nicht, ob sie die Sendung gesehen haben und nur deswegen gekommen sind.

Wir in Deutschland bekommen nicht viel von der politischen Situation in Südafrika mit. Hat es durch den Rücktritt von Präsident Zuma spürbare Veränderungen gegeben?

Noch nicht, aber wir alle reden von der Ramaphosa-Euphorie (Cyril Ramaphosa ist seit dem 15. Februar der amtierende Präsident der Republik Südafrika, Anm. der Redaktion). Wir wünschen ihm wirklich alles Gute. Er scheint ein Mann zu sein, der nicht an seinen eigenen Vorteil denkt, er hat schon viel bewegt. Die Vorstände von South African Airways wurden ausgetauscht, ebenso die Vorstände anderer größerer Firmen, an denen der Staat beteiligt ist. Das sind ganz große Veränderungen. Ramaposa hat auch neue Minister eingesetzt, wir schauen da sehr positiv in die Zukunft. Nächstes Jahr haben wir wieder Wahlen, und wenn Ramaposa wiedergewählt wird, kann er so richtig Dinge durchsetzen.

Wie viele Staffeln von „Sing meinen Song“ werden folgen?

Das weiß ich nicht, das wird im Juli entschieden. Dann ruft die Produktionsfirma an und sagt, ob sie weitermachen will. Dann kommen die hierher und gucken sich die Umgebung an. Die arbeiten sehr akribisch und vorausschauend, da geht es um Kleinigkeiten: Soll der Scheinwerfer nicht lieber woandershin? Wird das Set ein wenig verändert? Letztes Jahr waren sie mit Dreharbeiten am Strand, nächstes Mal geht es vielleicht in die Berge. Es gibt viel zu planen.

Die Sendung wird heute Abend um 20.15 Uhr auf Vox ausgestrahlt.

Zur Person

Michael Lutzeyer.
(Foto: t&w)

Michael Lutzeyer wurde in Südafrika geboren. Mit 20 Jahren flog er nach Deutschland, auf der Suche nach seinen deutschen Wurzeln. 1974 übernahm er in Lüneburg den Glockenhof; zehn Jahre später zog es ihn zurück ans Kap. 1991 kaufte er eine Farm, rund 90 Autominuten östlich von Kapstadt gelegen – der Grundstein für Grootbos („Großer Wald“). Aus einem kleinen Bed & Breakfast-Domizil wurde eine luxuriöse Fünf-Sterne-Anlage, die inmitten des reichsten botanischen Gebiets der Erde liegt, dem „Cape Floral Kingdom“, das zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde. Lutzeyer rief 2003 die Grootbos-Stiftung ins Leben, die u.a. Fußballplätze und eine Sportschule errichtet hat. Tausende von schwarzen Kindern erlernen so nicht nur Sportarten, sondern auch Selbstbewusstsein, Hygiene und Kameradschaft. Über die Stiftung haben viele Einheimische Arbeit im Grootbos-Resort bekommen.

Von Thorsten Lustmann