Mittwoch , 19. September 2018
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Die letzte Zigarette

Lüneburg. Manche schaffen es mit Akupunktur. Andere schwören auf Hypnose. Und einige hören einfach auf, von heute auf morgen. Plötzlich Nichtraucher. Doch was g enau macht es eigentlich so schwer, dem Reiz der Zigarette zu widerstehen? Was verändert der Rauch in unserem Körper? Und was geschieht mit unserer Gesundheit nach der letzten Zigarette? Aus Anlass des heutigen Weltnichtrauchertags hat die LZ mit den Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gesprochen. Nicole Schaar von der Fachstelle drobs in Lüneburg gibt außerdem Tipps für alle, die endlich mit dem Rauchen aufhören wollen – und fünf Lüneburger berichten, wie sie es geschafft haben.

Die Sucht

Zigaretten können körperlich und psychisch abhängig machen. „Die körperliche Abhängigkeit beim Rauchen wird durch das Nikotin verursacht“, erklärt die BZgA auf LZ-Nachfrage, „gelangt es ins Gehirn, wird das Hormon Dopamin ausgeschüttet, das dem Körper Glück und Lust verursacht.“ Normalerweise werde Dopamin ausgeschüttet, um Selbsterhaltungs- und Fortpflanzungstriebe in Gang zu halten: Essen, Trinken, Sex. „Nun verbindet der Körper aber auch das Rauchen mit Glück“, so die BZgA. Mit jeder Zigarette präge sich diese Verknüpfung tiefer ein, der Körper gewöhnt sich an das Nikotin. „Im Gehirn werden vermehrt Rezeptoren für Dopamin gebildet, sodass das körperliche Verlangen nach Nikotin zunimmt und immer mehr benötigt wird, damit keine Entzugssymptome entstehen.“

Zur körperlichen Abhängigkeit kommt die psychische, das Gefühl, in bestimmten Situationen – auf der Terrasse bei einem Glas Wein, nach Feierabend – nur schwer auf die Zigarette verzichten zu können. „So kann die Zigarette Anlass für eine Pause sein, als Anlass für ein Gespräch dienen oder als Hilfe, eigene Unsicherheiten zu überspielen“, erklärt die Bundeszentrale. „Besonders wenn jemand über viele Jahre raucht, kommt auf diese Weise eine Vielzahl von solchen Funktionen der Zigarette zusammen.“

Die Kosten

Zigaretten werden seit einigen Jahren stetig teurer. Wer also aufhört zu rauchen, kann eine Menge Geld sparen – wie viel, das lässt sich auf der Internetseite der Bundeszentrale www.rauchfrei-info.de in einem Ersparnisrechner herausfinden. Wer zum Beispiel 20 Jahre lang täglich 30 Zigaretten raucht, gibt dafür laut Rechner 59 130 Euro aus. „Das entspricht 219 000 Zigaretten à 27 Cent so viel wie ein Wohnwagen für viele schöne Urlaube“, ist daneben zu lesen. Wer nur 10 Jahre lang täglich 15 Zigaretten raucht, zahlt dafür 14 783 Euro. „So viel wie ein neues Auto mit vielen Extras.“ Starke Raucher, die 40 Jahre lang täglich 40 Zigaretten rauchen, investieren in ihre Sucht laut Ersparnisrechner satte 157 680 Euro. „So viel wie ein luxuriöser Sportwagen.“

Der Ausstieg

Es gibt viele Wege, um mit dem Rauchen aufzuhören. Der eine Königsweg ist nicht dabei. Trotzdem kann Nicole Schaar als verhaltenstherapeutisch orientierte Sozialtherapeutin einige Tipps für den Ausstieg geben. „Die Entscheidung, ein rauchfreies Leben zu führen, hat sich bei vielen Rauchern teilweise über Jahre hingezogen“, sagt sie. „Neben vielen negativen Konsequenzen wird das Rauchen auch mit angenehmen Momenten verbunden.“ Deswegen sei es zunächst einmal wichtig, sich dieser typischen Rauchsituationen bewusst zu sein und Alternativen zu erarbeiten.

Schaar schlägt vor, sich andere Beschäftigungen zu suchen. „Zum Beispiel Handarbeiten, sportliche Aktivitäten ausprobieren, Entspannungsübungen und Phantasiereisen, bewusst Gerüche in der Umgebung wahrnehmen, Rätsel lösen, sich massieren lassen, in die Sauna gehen oder einen Igelball in die Hand nehmen.“ Wichtig sei es, sich gut auf die ersten Stunden und Tage vorzubereiten. „Insbesondere die Sinne sollen angesprochen werden, so kann ein guter Tee gekauft werden, Bonbons, Kaugummi oder gute Säfte.“ Dennoch könne es körperlich und psychische Entzugserscheinungen geben. „Die sind nach zwei oder drei Wochen aber überwunden.“

Der Suchtdruck indes kann einen auch länger verfolgen. „Eine Notfallkarte kann hier sehr hilfreich sein, in der Telefonnummern von Menschen vermerkt werden, die in einer solchen Situation unterstützen können“, erklärt Schaar. Auch sogenannte Skills (Fertigkeiten) könnten dort notiert werden, die ablenken. „Das kann der Biss in eine Chillischote oder das Lutschen einer Zitronenscheibe sein, aber auch das Schnipsen mit einem Gummiband am Handgelenk oder das bewusste Wahrnehmen schöner Gerüche kann gegen Suchtdruck hilfreich sein.“

Die Regeneration

Nach einem Rauchstopp passiert laut BZgA folgendes im Körper. Nach 20 Minuten sinken Puls und Blutdruck auf normale Werte. Nach 12 Stunden sinkt der Kohlenmonoxid-Spiegel im Blut, der Sauerstoff-Spiegel steigt auf normale Höhe. Alle Organe werden besser mit Sauerstoff versorgt, die körperliche Leistungsfähigkeit steigt. Nach 2 Wochen bis 3 Monaten stabilisiert sich der Kreislauf. Die Lungenfunktion verbessert sich. Nach 1 bis 9 Monaten gehen Hustenanfälle, Verstopfung der Nasennebenhöhlen und Kurzatmigkeit zurück. Die Lunge wird gereinigt, indem Schleim abgebaut wird. Die Infektionsgefahr sinkt.

b sinkt das Risiko für eine Herzkrankheit auf die Hälfte des Risikos eines Rauchenden, nach 5 Jahren das Risiko für eine Krebserkrankung in Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre und Harnblase. Das Gebärmutterhalskrebs-Risiko ist nicht mehr höher als bei Nichtrauchern. „Auch das Schlaganfallrisiko kann nach zwei bis fünf Jahren auf das eines Nichtrauchers sinken“, heißt es. Nach 10 Jahren verringert sich auch das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, etwa um die Hälfte, die Risiken für Krebserkrankungen an Kehlkopf und Bauchspeicheldrüse gehen zurück. Nach 15 Jahren ist das Risiko für eine Herzkrankheit nicht mehr höher als bei einem lebenslangen Nichtraucher.

Wie schnell und weitgehend sich der Körper regeneriert, ist laut GZgA individuell unterschiedlich und von vielen Faktoren abhängig, wie Alter, allgemeiner Gesundheitszustand, Lebensstil. Entscheidend ist zudem wie lange und intensiv jemand geraucht hat.

Von Anna Sprockhoff

Vanessa Tümmers und Max Fabian Rust, 29 und 32 aus Scharnebeck. Beide rauchten ihre erste Zigarette mit zwölf, bei ihrer letzten war sie 28 und er 31.
„Mein Freund und ich haben aufgehört zu rauchen, als wir von unserer kleinen Tochter erfahren haben. Das war letztes Jahr. Ich habe sofort, als ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hatte, die Glimmstängel aus meinem Leben verbannt. Mein Freund ist wenige Wochen später nachgezogen. Von allein und ohne, dass ich ihn gebeten habe. Er war ein Raucher, der zu keinem Zeitpunkt auf seine Zigarette verzichten konnte. Nicht mal, wenn er krank war. Der Gedanke allerdings, seine kleine Tochter mit stinkenden Raucherfingern anzufassen oder ihr beim Spielen gar kalten Raucheratem ins Gesicht zu pusten, hat ihm den Spaß an der Zigarette verdorben. Es ist und bleibt eine Sucht, und während mir das Nichtraucher-Dasein kaum Probleme bereitet, kämpft er gelegentlich immer noch mit seinem Suchtgedächtnis. Doch dann schaut er unsere Tochter an und weiß sofort wieder, wofür er es aufgegeben hat.“
Christin Schaper, 27 aus Barförde, war 16, als sie anfing zu rauchen und 23, als sie aufhörte:
„Ich hab mir immer gesagt, spätestens wenn ich mal Kinder plane, höre ich mit dem Rauchen auf. In der Ausbildung habe ich einfach gern geraucht und hatte keine Muße, das zu ändern. Dann ist meine beste Freundin in ihre erste eigene Wohnung gezogen und meinte, da das alles so teuer wäre, würde sie mit dem Rauchen aufhören. Da hab ich dann gesagt: ‚Gut, dann ziehen wir es zusammen durch, damit es ihr nicht so schwer fällt.‘ Es gab also eine gemeinsame Abschiedszigarette und gut war. Das ist jetzt vier Jahre her, solange bin ich rauchfrei, und meine Freundin ist auf selbstgedrehte umgestiegen, weil die billiger sind.“
Valeska Höhne, 32, aus Vögelsen war Anfang 20 bei ihrer ersten und 30 bei ihrer letzten Zigarette.
„Ich habe vor zwei Jahren . . . Gott sei Dank . . . aufgehört zu rauchen und freue mich Tag für Tag über mein „neues“ Nichtraucherleben. Ich hatte erst im Erwachsenenalter mit dem Rauchen angefangen. Erst fing alles ganz harmlos an, ich habe nur in der Freizeit geraucht, wenn ich feiern war oder bei besonderen Anlässen. Ich habe es voll im Griff und bestimme selbst, wann und wie viele Zigaretten ich rauche – das dachte ich zumindest. Doch eh ich mich versah, hatten die Zigaretten mich fest im Griff, beeinflussten mein Leben. Fast zehn Jahre schaffte ich es nicht, mit dem Rauchen aufzuhören. Auch ich hatte mehrere Versuche unternommen, von den Zigaretten wegzukommen, doch letztendlich musste auch ich erst richtig am Boden liegen – im wahrsten Sinne des Wortes – um über mein Leben, meine Gesundheit und das Leben, welches ich noch führen möchte, nachzudenken. Vor zwei Jahren ist es mir gelungen, mit dem Rauchen aufzuhören.
Sonja Weissenfeldt, 32, aus Lüneburg, zog das erste Mal an einer Zigarette mit 13 und das letzte Mal mit 26.
„Ich bin 32 und rauche nun seit fast sechs Jahren nicht mehr. Habe damals von heute auf morgen aufgehört. Ich habe mich sehr mit dem Thema beschäftigt und mir etliche Seiten im Internet durchgelesen. Ich fand es irgendwann sehr erschreckend, was das Rauchen mit dem Körper macht. Vor allem über mehrere Jahre. Mir war dann bewusst, dass ich meinen Körper täglich vergifte! Und dafür auch noch Geld bezahle!!! Ziemlich bescheuert! Es muss wirklich im Kopf KLICK machen! Und ja, ich musste die ersten Wochen sehr gegen das Hungergefühl kämpfen, aber auch das geht vorbei. Ich habe nicht zugenommen. Und ich bin seitdem auch nicht schwach geworden. Und bin glücklich und stolz darüber!“

One comment

  1. Also ich weiß, wie man ganz leicht aufhören kann und dabei hat man keine Entzugserscheinungen .Ich habe 30 Jahre geraucht und zum Schluss waren es 35 selbst gedrehte Zigaretten am Tag. Irgendwann erzählte mir jemand von einer Lasertherapie in Maastricht und das meine halbe Verwandschaft schon so mit dem Rauchen aufgehört hat. Ich habe mir einen Termin geholt und auf dem Weg von Köln nach Maastricht noch 6 Zigaretten geraucht.Als ich dort ankam, wurde erst ein Gespräch mit mir geführt ,wie ich mich nach dem lasern zu Verhalten hätte usw. Das war alles 2006 und seit heute habe ich keine Zigarette mehr angefasst.Es hat sich sogar so entwickelt, dass ich das Zeug nicht mehr riechen kann.
    Entzugserscheinungen gab es bei mir keine und von dem ersten gesparten Geld habe ich mir ein gutes Fahrrad gekauft und die Sucht ausgetauscht 😉 Hätte ich damals schon gewusst, wie einfach es sein kann wäre ich schon viel länger ein Nichtraucher.
    Der eigene Wille ,wirklich damit Schluss zu machen sollte schon da sein !!!
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