Donnerstag , 20. September 2018
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Die Nachbildungen zeigen Skulpturen, die an Siedehütten Besitzverhältnisse erklärten. Museumschefin Dr. Heike Düselder sagt, die roten Zettel warnen die Reinigungskräfte: „Nicht anfassen!“ Denn darum kümmern sich Restauratoren. Foto: t&w

Historiker lassen sich nicht unterkriegen

Lüneburg. Auf den ersten Blick ist nicht viel zu sehen: kein dicker Ruß auf Vitrinen und Böden. Doch das täuscht. Feine Partikel haben sich in der Dauerausstell ung abgesetzt, sie liegen auf Glaskästen und Fußleisten. Und eben auf Figuren und Bildern. Gut eine Woche nach dem Feuer im Museum an der Willy-Brandt-Straße ist das große Saubermachen angesagt. Vier Vorarbeiter und 40 Reinigungskräfte saugen die Fußböden, wischen Ausstellungsschränke, Lampen, Möbel ab. Das ist nur der erste Schritt. „Am Freitag kommen Gutachter, nächste Woche beginnen Restauratoren mit ihrer Arbeit“, sagt Museumschefin Dr. Heike Düselder. Was das alles koste, sei unklar: „Aber sicher einen sechsstelligen Betrag.“

Wie berichtet, hatte ein durchgeschmorter Dreifachstecker das Feuer nach Pfingsten verursacht. Aus der Werkstatt stieg Qualm in die Ausstellungsräume im Neubau auf. Dass dies möglich war, soll an zwei verkeilten offen stehenden Türen im Untergeschoss gelegen haben. Nach bisheriger Einschätzung sollen Reinigungskräfte dafür verantwortlich sein.

Feuerwehr war im Nu vor Ort

Die Museumschefin betont, alle Brandschutzeinrichtungen hätten gegriffen. Das zeige sich auch daran, dass durch die ausgelöste Brandmeldeanlage die Feuerwehr im Nu vor Ort war. Hinter vorgehaltener Hand spekulieren Fachleute, die mit der Situation vertraut sind, ob der Qualm über Lüftungsanlagen oder Fahrstuhlschächte einen Weg gefunden habe. Heike Düselder sagt: „Das müssen Sachverständige klären.“

Unterkriegen lassen wollen sich die Historikerin und ihre Mitarbeiter nicht während der Reinigungsarbeiten, die sechs bis acht Wochen dauern. „Wir planen eine Sonderausstellung im Altbau, der ist ja nicht betroffen.“ Das Foyer an der Wandrahmstraße und der Markus-Heinemann-Saal werden weiter genutzt. Aus dem Fundus von rund 200.000 Exponaten – er reicht von Muscheln bis zum Einbaum – soll die Ausstellung gespeist werden, die am 16. Juni öffnet. Zum Vergleich: In den Ausstellungen sind rund 1300 Stücke zu sehen. Der Titel der Schau beweist Humor und Ironie, und den Willen, in die Zukunft zu schauen: „Brand.Aktuell – Aus dem Magazin geholt.“

Versicherung übernimmt den Schaden

Erleichtert ist Heike Düselder darüber, dass die Versicherung den Schaden übernehmen will. Ob die sich wiederum an das Reinigungsunternehmen wende, wisse sie nicht.

Sie freue sich, dass niemand verletzt wurde und dass die Exponate nicht von Flammen erfasst worden seien, sagt die Direktorin. Auch sei das Magazin gut verschlossen gewesen, sodass sich dort wahrscheinlich kein Ruß abgesetzt habe.

Die Reinigungskräfte gehen akribisch vor. Das war jetzt zu beobachten. Noch feiner müssen die Restauratoren arbeiten, die beispielsweise Skulpturen von Rußkörnchen befreien. Ein Vorteil: Was in Vitrinen ausgestellt wird, dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gelitten haben. Heike Düselder sagt: „Die sind verschlossen und auch erst drei Jahre alt.“

Von Carlo Eggeling

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