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Die Toilette in der Friedhofskapelle Echem ist zwar fertig, darf aber noch nicht genutzt werden. Statt die Freigabe zu beschließen, rügte eine Mehrheit des Samtgemeinderats Scharnebeck Verwaltungschef Laars Gerstenkorn für dessen Vorgehen. (Foto: t&w)
Die Toilette in der Friedhofskapelle Echem ist zwar fertig, darf aber noch nicht genutzt werden. Statt die Freigabe zu beschließen, rügte eine Mehrheit des Samtgemeinderats Scharnebeck Verwaltungschef Laars Gerstenkorn für dessen Vorgehen. (Foto: t&w)

Ein Geschäft und die Folgen

Bullendorf. Anke Ahlf hätte gerne eingegriffen. Durfte sie aber nicht: Das Gesetz sieht Mediatoren in politischen Gremien nicht vor. Und so musste die frisch gewählte Schiedsfrau tatenlos mit anhören, wie sich die Mitglieder des Samtgemeinderats Scharnebeck bei ihren jüngsten Sitzung im Restaurant Elia gegenseitig verhöhnten und verbale Entgleisungen um die Ohren warfen. Nicht nur Vorsitzender Hans-Georg Führinger war am Ende überzeugt: „Das war unterste Schublade.“

Listenweise Anträge sollten am Abend beschlossen, die Bürgerinnen und Bürger über viele wichtige Themen wie der Wiederaufbau der Grundschule Echem oder die Planung der neuen Feuerwehrhäuser an den Standorten Rullstorf, Boltersen und Lüdersburg informiert werden. Den größten Rede- und Attackierbedarf gab es indes bei der vergleichsweise investitionsarmen und weniger auswirkungsreichen Errichtung von WC-Anlagen auf den Friedhöfen Hohnstorf und Echem. In diesem Zusammenhang lag dem Ratsvorsitzenden sogar ein Antrag auf eine Rüge von Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn (CDU) vor. Nicht wenige vermuteten hinter diesem Ansinnen den Auftakt des Wahlkampfes für die Samtgemeindebürgermeisterwahl im kommenden Jahr. Voraussichtlich werden Gerstenkorn und SPD-Fraktionschef Andreas Köhlbrandt gegeneinander antreten.

Toiletten-Bau in Eigenregie

Bereits Mitte Dezember 2016 hatte die CDU den Wunsch eingebracht, an den beiden Standorten Toiletten zu installieren. Mittel wurden in den Haushalt eingestellt, das Papier Anfang März vom Samtgemeinderat auch einstimmig beschlossen. Die Verwaltung wurde demnach beauftragt, Ideen zu sammeln, verschiedene Alternativen zu prüfen, über die im Gremium dann wiederum diskutiert und entschieden werden sollte. Soweit kam es aber nicht.

Während die einen immer noch auf Vorschläge warteten, waren die anderen mittlerweile aktiv geworden. Harald Heuer, CDU-Fraktionschef und gleichzeitig stellvertretender Bürgermeister in Echem, berichtet: „Wir hatten in der Friedhofskapelle einen Raum gefunden, der nicht genutzt wurde und sich für die Errichtung einer WC-Anlage anbot.“ Ein Mitarbeiter des gemeindeeigenen Bauhofs legte Hand an. Die Toilette ist mittlerweile fertiggestellt. „Ich dachte, wir sind doch alle praktisch veranlagte Leute“, so Heuer, hatte seine Rechnung aber ohne den politischen Gegner gemacht.

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Dem war das Vorgehen ein Dorn im Auge. Das Projekt sei von der Samtgemeinde formal nicht korrekt abgearbeitet worden, so die Argumente, „das Vertrauen wird immer weiter abgebaut“, meinte Köhlbrandt und stellte den Antrag auf eine Rüge. Heuer argumentierte: „Sie reiben sich an Formalitäten auf und wollen damit doch nur den Samtgemeindebürgermeister treffen.“ Und das taten sie dann auch: Mit der Mehrheit von 16 Stimmen – allesamt von SPD/Grüne sowie FwGUBS/FDP/Jackmann – wurde dem Ansinnen stattgegeben. Die neue Toilette kann indes noch nicht genutzt werden: Das hatte keiner beantragt.

Unregelmäßigkeitenim Haushalt 

Doch auch die weiteren Tagesordnungspunkte enthielten Zündstoff: Der Haushalt aus dem Jahr 2012 würde Unregelmäßigkeiten enthalten, so die Meinung der SPD-Fraktion. Dies müsse durch das Rechnungsprüfungsamtes des Landkreises nochmal geklärt werden. Gerstenkorn wollte das nicht auf sich sitzen lassen: „Hier soll ich für Dinge verantwortlich gemacht werden, die vor meiner Zeit aufgelaufen sind und in meine Zeit hineinreichen“, meinte er. „Bei allen Dingen, die bemängelt wurden, handelt es sich um bekannte Positionen, zudem werden sie solche Unregelmäßigkeiten überall finden“, meinte er. „Damit wird sich der Landkreis auch gar nicht befassen.“ Auch der Rat nicht weiter: Der Antrag wurde bei zwei Enthaltungen mit 15 zu 13 Stimmen abgelehnt.

Weitere Punkte auf der Tagesordnung waren: Die Informationen über den Stand der Baumaßnahmen an der Grundschule in Echem, die Neubauten der Feuerwehrhäuser sowie die Verwaltungskostenvereinbarung mit der Gemeinde Echem. Die Berichte folgen.

Wechsel in Lüdershausen

Neuer Chef für die Wehr

Einen neuen Ortsbrandmeister – wenn derzeit auch nur kommissarisch – hat die Gemeinde Lüdershausen: Aus gesundheitlichen Gründen bat Martin Grunert um seine Entlassung aus dem Ehrenbeamtenverhältnis. Nachfolger ist Michael Rose, der dieses Amt bis zur Absolvierung von zwei noch notwendigen Lehrgängen kommissarisch bekeidet.

Von Ute Lühr

2 Kommentare

  1. ein klo auf dem friedhof, kann nur für die überlebenden der zwangsbestatteten interessant sein. friedhofzwang in deutschland verstößt gegen die verfassung.

    • Klar, Herr Bruns das ist verfassungsfeindlich, obwohl wir gar keine Verfassung haben…*schmunzel*

      Sie können doch einfach unbemerkt ein Plätzchen im Garten für sich reservieren.Merkt doch keiner.