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CDU-Ratsfrau Christel John. Foto: t&w)
CDU-Ratsfrau Christel John. Foto: t&w)

Erst das Rad, dann das Auto

Lüneburg. Die Diskussion ist alt, aber lange schon wurde sie nicht mehr so intensiv geführt wie derzeit – und selten war sich Lüneburgs Stadtrat zuletzt so einig – zumindest in dieser einen Frage: Der ständig zunehmende Verkehr – insbesondere im Westen der Stadt – fordert neue Lösungen in der Verkehrspolitik. So wurde der Antrag der CDU-Fraktion, hierfür mit dem Landkreis und den Nachbargemeinden ein Konzept zu entwickeln, einstimmig zur weiteren Beratung in den Verkehrsausschuss überwiesen.

„Es geht nicht nur um eine Umgehungsstraße“, versuchte Christel John für die CDU-Fraktion Dissonanzen aus dem Vorfeld beiseite zu räumen, „sondern um Verkehrswege, die sich verträglich ergänzen und erweitern, damit es dauerhaft einfach besser läuft.“ Neben Konzepten für Radwege und den öffentlichen Nahverkehr plädierte sie aber auch dafür, „in die weite Zukunft zu schauen“.

Lüneburg werde ein Magnet im Hamburger Umland bleiben, der auch Individualverkehr anziehe. „Viele Bürger werden auf das Auto angewiesen sein, da­rauf müssen wir vorbereitet sein“, mahnte sie und verwies darauf, dass auch der Weiterbau der A39 Veränderungen bringen werde.

Mix an Maßnahmen bei Bahn, Bus und Radverkehr

Dezernent Markus Moßmann hatte in seiner Stellungnahme ein ganzes Bündel an Maßnahmen zur Vermeidung des Autoverkehrs aufgelistet, für die die Stadt insbesondere auch den Landkreis in der Pflicht sieht. So gehe es um eine Ausweitung des Busverkehrs mit besseren Taktzeiten von bis zu 15 Minuten und bis 22 Uhr, eine Verbesserung des Rufbussystems vor allem als Zubringer in der Fläche, eine umweltfreundlichere Fahrzeugflotte, barriereärmere Busse und um ein dichteres Netz an Bushaltestellen.

Auf der Schiene müssten die Verbindungen nach Bleckede und Amelinghausen reaktiviert und die nach Dannenberg modernisiert werden. Zudem sollte der Radverkehr zwischen Stadt und Landkreis besser verknüpft werden.

„Wir müssen einen guten Mix hinbekommen“, betonte Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). Für ihn gebe es dabei auch eine klare Reihenfolge: Bus, Fahrrad, Fußgänger und dann erst das Auto. „Das kostet auch Geld“, deutete er an, dafür müsse der Landkreis auch die Kreisumlage erhöhen können.

„Es geht um verträgliche Verkehrswege, damit es dauerhaft besser läuft.“ Christel John, CDU-Ratsfrau

Was bisher vom Kreis an Initiativen komme, sei „zu wenig“, kritisierte Jens-Peter Schultz (SPD). Es könne nicht sein, dass „wir mit dem Verkehr absaufen“ und im Umland entstehe „ein Baugebiet nach dem anderen“.

Lisa Apking (Linke) merkte an, dass die Stadt für den Autoverkehr unattraktiver sein sollte und die Weichen für eine Verkehrswende dringend gestellt werden müssten: „Wer auf das Auto angewiesen ist, muss es dann aber auch nutzen können.“

Zu lange auf die lange Bank geschoben

„Wir brauchen eine Diskussion auf breiter Front“, meinte Claudia Schmidt von den Grünen. Sie freut sich, „dass da jetzt ganz viel in Bewegung ist“. Die Bevölkerung sei weiter, „als wir denken“, glaubt sie und bekräftigte: „Das Fahrrad ist der Weg, um viele Leute vom Auto wegzubringen.“

Ein „Ende der Kirchturmpolitik“ forderte FDP-Ratsherr Frank Soldan ein. Zu lange habe man die Verkehrsfragen auf die lange Bank geschoben. Der jetzige Anstoß dürfe „nicht wieder im Sande verlaufen“.

Einzig Prof. Gunter Runkel gab für die AfD ein klares Bekenntnis für eine Westumgehung ab – „westlich von Vögelsen und Reppenstedt in den Süden von Lüneburg“.

Von Marc Rath

25 Kommentare

  1. Das Ende des Individualverkehrs wird in spätestens zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren eine Tatsache sein. Das ist unvermeidlich – und zwar unabhängig von den dann vorherrschenden technischen Antriebssystemen (Elektro, Brennstoff, etc.). Verkehr wird es ab 2035 bis 2040 zu 95 Prozent nur noch als gelenkten öffentlichen Verkehr geben. Individuell werden Schusters Rappen und das Fahrrad dominieren. Auch die Rückkehr zum Reitpferd und zur Kutsche als Transportmittel über die kurze Distanz – so lachhaft das heute noch erscheinen mag – wird wieder eine Option sein. Umgehungsstraßen und Autobahnen im heutigen Sinne werden morgen zu den gewaltigsten Fehlinvestitionen einer unbelehrbaren Generation von vergreisten Kfz-Liebhabern gehören, die einfach nicht bereit gewesen ist, die Zeichen der Zeit richtig zu lesen.

    • Andreas Janowitz

      Ach ja? Und wesshalb sollte der Individualverkehr das zeitliche Segnen? Der Verkehrskollaps droht weil der Güterverkehr auf die Strasse geräumt wurde? Und es sind auch die Schwerlasttransporte, die die Strassen im wesentlichen kaputtfahren?
      Das Ende des billigen Öls, derzeit versinnbildlicht durch den Niedergang Ghawars und der sibirischen Ölfelder, wird den Flugverkehr hart treffen, aber wieso den Individualverkehr?

      Mit „Just-In-Time“ Arbeitsmodellen bleibt gar nichts anderes als auf den Individualverkehr zu setzen? Und nein das wird auch nicht das Fahrrad werden? Bei Wegen von mal eben 50km in eine Richtung ist das grotesk abwegig?

      Was „Busse“ betrifft: da halte ich eher ASM artige Modelle über App Zuruf für fähig einen Zeit und damit Nutzengewinn für den Verbraucher vorzuhalten? Wer kann schon starr getaktete Verbindungen nutzen, wenn er heute nicht weiss wie lange oder wo er morgen arbeiten muss?

      Beim Güterverkehr kann ich nur (erneut) CargoCap ins Feld führen: weniger Flächenverbrauch, witterungsunabhängig und gegen Verschleiss gefeit…

      • „Weshalb sollte der Individualverkehr das Zeitliche segnen?“

        Der motorisierte Individualverkehr! Ganz einfach, Herr Janowitz, weil sich in fünfundzwanzig Jahren außer Herrn Manzke, Herrn Sallier, Herrn Henning J. Claassen und ihnen entsprechende Nachkommen niemand in Lüneburg privat noch ein eigenes voiture automobile, einen selbstbewegenden Wagen (der Begriff ist abgeleitet aus griechisch αὐτός autós ‚selbst‘ und lateinisch mobilis ‚beweglich‘) wird leisten können.

        Automatisierte unter- und oberirdische Transportsysteme werden übrigens nicht nur für die Bevörderung von Frachtgut das Konzept der Zukunft sein.

  2. Der jetzige Anstoß dürfe „nicht wiederum im Sande verlaufen“.

    Nee, nee „der Denkanstoß ist Am Sande ausgelaufen!“

  3. Grum von Grimmelshausen

    Autofahrer sind die Landsknechte unserer Zeit. Sie wissen es selbst. Jeder vernünftige Mensch verabscheut sie. Lärmer, Stänker, Insjenseitsbringer. Unvermeidliche Quälgeister. Etwa zum 400jährigen Jubiläum des Westfälischen Friedens 2048 wird es besser werden, einfach aus Erschöpfung der Ölreserven. Bis dahin können dann die Parlamente palavern und irgendwelche lustigen Beschlüsse fassen, aber die Landsknechte werden sich einen lachen, in ihre Rüstung steigen, den Schlüssel drehen und es weiter krachen lassen.

  4. Kann mir mal einer sagen, was das t&w-Foto der CDU-Ratsfrau Christel John über diesem Artikel zu suchen hat?

  5. Wie wäre es denn mal mit einer Nahverkehrs App auf der man nicht nur die Zeiten sehen kann sondern auch die Routen und Haltepunkte und den derzeitigen Live Standort der mit GSM Modulen ausgestatteten Busse. Andere zu gängeln, wie es die Linken vorschlagen, indem sie etwas unattraktiv machen wollen, kann sicher nicht die Lösung sein und trifft in der Regel die falschen. Es wird das genutzt, was attraktiv ist, in vielerlei individueller Hinsicht ( gesund, schnell, pünktlich, bequem, sicher, verfügbar, transparent, trocken, warm, geräumig, sauber, leise….) Pferd und Kutsche wie Herr Witte träumt, wird es mit Sicherheit nicht sein, schon weil eine alternde Bevölkerung und der körperliche Arbeit entwöhnte Mensch der damit verbundenen Mühen nicht gewachsen wäre. Es können ja nicht alle nur hinten auf der Kutsche sitzen und außerdem wäre die Stadt bei der Masse des heutigen Verkehrs komplett überfordert. Die Menschen fahren heutzutage nämlich nicht nur einmal im Jahr in die Kreisstadt, wie früher.

  6. Um Gottes Willen,seit wann haben Menschen Einfluß, die ausser zum Gassi gehen, nicht mehr das Haus verlassen (müssen)???

    • Marita Becker

      Sie würden bestimmt titeln: „Erst das Rad ab, dann das Auto“, nicht wahr „Andreas“?

      Mehr dazu im Kommentar vom 10. April 2018 at 16:21:

      https://www.landeszeitung.de/blog/nachrichten/politik/1543322-die-zeit-des-wegguckens-muss-ein-ende-haben#comment-160322

      • Nein, nur 8m breite Radwege und die Leistungsträger , die zum Arbeitsplatz 100km fahren müssen, um für alle Steuern und Sozialabgaben zu entrichten und schon 1,60€ für einen Liter Benzin zahlen, um nicht um 3 Uhr aufstehen und die Bahn nutzen zu müssen ,auf 2m Fahrbahnbreite zu reduzieren, damit alle, die den ganzen Tag herumtrödeln können und freie Fahrt und freies Rotlichtüberfahren haben ,fordern,halte ich für eine Unverschämtheit!

        Ich kann nicht, wie viele andere, mit dem Rad 2km fahren ,wenn ich von LG bis HL muss und dazu den Zug um 4.05 bräuchte.
        Radfahrer sind nun mal nicht alleine im Verkehrsraum. Sie sollten mal überlegen,wie Ihr Muesli, Joghurt und alles andere in den Biomarkt kommt. Nämlich nicht per Fahrrad, sondern per LKW und dessen Fahrer, der pünktlich um 5.00 Uhr schon anliefert und schon privat viele Kilometer zum Arbeitsplatz fahren musste.
        Und zwar damit , wenn Sie dann gemütlich spät aufstehen und nutzen, was die bösen Autofahrer bereits im Supermarkt vorbereitet oder herankutschiert haben und auch noch horrende Steuern für den Weg dorthin zahlen , essen können.

        • Detlef Hagendüddel

          Das wird in Zukunft von Frau John per Pferdekutsche erledigt. Da ist jeder Goretex-Silberrücken mit seinem XTR-Full-Suspension-Travelbike schon dreimal um Lüneburg rum, bevor Sie sich die Augen gerieben haben, „Andreas“, und Ihre ollen AfD-Prospekte in Ihren Opel-Adam gewuchtet haben, obwohl Sie langsam wissen sollten, dass es mehr bringt, bei LZ-online den ganzen Tag wütende Propaganda-Posts über rotgrünversiffte Plüschflaschenwerfer zu klicken und Alice Höcke-Meuthen als die Weltenretterin mit dem Eins-A-Rezept gegen fauligen Atem zu preisen.

  7. Das war ja was, Boris Palmer!

    Sie sind in Ulm beinahe von einem Radfahrer überfahren worden. Das passiert im Vaterland ja häufiger, aber wenn’s ein Asylant war, ist es natürlich was Besonderes: »Ich wette«, wetteten Sie im »Schwäbischen Tagblatt«, »daß es ein Asylbewerber war. So benimmt sich niemand, der hier aufgewachsen ist mit schwarzer Hautfarbe. Das wäre völlig mißglückte Integration.«

    Im Gegenteil, Palmer, im Gegenteil; und wenn Sie demnächst auf der Autobahn in die Leitplanke gedrängelt werden und der Rettungswagen nicht durchkommt, weil die Leute handyfilmen: dann sind das welche, die hier aufgewachsen sind, egal welcher Hautfarbe.

    Daß Ihnen das wurscht ist, wettet Heinz-Rüdiger Tillmans

  8. in der politik soll es jede menge politiker geben, bei denen ein rad fehlt. schmunzeln. ob die alle zur afd gerollt sind? ob die jetzt eines zu viel haben?

    • Nö, die haben nur die meisten Mitglieder und Politiker, die nachweislich am Besten gebildet sind und die meisten , mussten sich ihren Lebensunterhalt in der Wirtschaft verdienen.
      Im Gegensatz zu den Altparteienmitgliedern und Politikern,die von der Uni in den Bundestag gewandert sind. Ob mit Studium,oder ohne. Naja, eher mit abgebrochenem Studium oder Abschreiben der Doktorarbeit ,bis es einer merkt.
      Das reicht zum Namen tanzen und Klugschei**** ,Handy spielen und schlafen im Bundestag.

      • Nö, die haben nur die meisten Mitglieder und Politiker, die nachweislich am Besten gebildet sind
        der 1.april war schon. einfaltspinsel als gebildet zu bezeichnen , hat zumindest was humorvolles.

        Kleines Volk

        Heinrich Heine
        In einem Pisspott kam er geschwommen,
        Hochzeitlich geputzt, hinab den Rhein.
        Und als er nach Rotterdam gekommen,
        Da sprach er: „Juffräuken, willst du mich frein?

        Ich führe dich, geliebte Schöne,
        Nach meinem Schloss, ins Brautgemach;
        Die Wände sind eitel Hobelspäne,
        Aus Häckerling besteht das Dach.

        Da ist es so puppenniedlich und nette,
        Da lebst du wie eine Königin!
        Die Schale der Walnuss ist unser Bette,
        Von Spinnweb sind die Laken drin.

        Ameiseneier, gebraten in Butter,
        Essen wir täglich, auch Würmchengemüs‘,
        Und später erb ich von meiner Frau Mutter
        Drei Nonnenfürzchen, die schmecken so süß.

        Ich habe Speck, ich habe Schwarten,
        Ich habe Fingerhüte voll Wein,
        Auch wächst eine Rübe in meinem Garten,
        Du wirst wahrhaftig glücklich sein!“

        Das war ein Locken und ein Werben!
        Wohl seufzte die Braut: „Ach Gott! ach Gott!“
        Sie war wehmütig, wie zum Sterben –
        Doch endlich stieg sie hinab in den Pott.

        Sind Christenleute oder Mäuse
        Die Helden des Lieds? Ich weiß es nicht mehr.
        Im Beverland hört ich die schnurrige Weise,
        Es sind nun dreißig Jahre her.

        • Glückwunsch, das mag wohl sein:

          „Ich habe Speck, ich habe Schwarten,
          Ich habe Fingerhüte voll Wein,
          Auch wächst eine Rübe in meinem Garten(leider ist in der Rübe nur Hohlraum)*schmunzel*

          Dann weiter so……..!

  9. boris palmer treibt so manchen auf die palme. er ist grün, wie kretschmann. er hätte doch bei der bahn anheuern sollen. die reden nicht mal vom wetter.

    • @Bruns
      Der seit langem einzig intelligente und logisch denkende ,nicht ideologisch verblendete Politiker der Grünen.
      Jeden Tag an der Basis und nicht im Bundestag bei Kaffee und Kuchen oder am einschlafen bei Entscheidungen ,mit Textnachrichten im Handy beschäftigt.
      Und er macht den Mund beim Totalversagen und Träumereien seiner Partei.

      • Andreas
        alles was hinter der afd herläuft kann nicht intelligent sein. höchstens genau so ängstlich.

    • „Gute Rad ist teuer“
      „Kommt Zeit, kommt Rad“
      *schmunzel*

  10. Einzig Prof. Gunter Runkel gab für die AfD ein klares Bekenntnis für eine Westumgehung ab – „westlich von Vögelsen und Reppenstedt in den Süden von Lüneburg“.
    ich weiß , warum ich die afd nicht leiden kann, schmunzeln. die verhinderten ex-spd-fans von der afd runkel und bothe können einem schon leid tun. sie sind vom regen in die traufe gekommen.

  11. wen die sonne scheint in der nacht, hat es die cdu vollbracht, gibt es regen ,oder schnee, dann war es die spd. die afd=alternative für dumme? man muss doch mal fragen dürfen dürfen , oder? schmunzeln.