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Wie viel Platz zwischen Lüneburg und Reppenstedt bleibt unbebaut? Foto: t&w

3D-Campus nur eine Idee

Lüneburg. Bereits zum zweiten Mal in dieser Woche stand das Thema „Sicherung des Grüngürtels-West“ auf der Agenda von Politik und Verwaltung. Zuerst hatte der Bauausschuss einstimmig beschlossen, dass Stadt, Landkreis, Reppenstedt und die Samtgemeinde Gellersen die Planungen für einen 3D-Campus am Uni-Standort Volgershall weiter entwickeln sollen – also da, wo der Grüngürtel verläuft. Weil der Grünenpolitiker Ralf Gros bereits zur Ratssitzung im April eine Anfrage zum Grüngürtel gestellt hatte und die aufgrund der Antrags- und Anfragenfülle bisher nicht behandelt wurde, stand sie erst jetzt im Rat erneut auf der Tagesordnung. Oberbürgermeister Ulrich Mädge machte deutlich, dass man zur Sicherung stehe und auf gutem Weg sei. Die Grünen sehen das nicht so.

Gros wollte wissen, was sich seit Oktober 2014 getan habe, nachdem der Rat dem rot-grünen Antrag zum Grüngürtel mehrheitlich zugestimmt hatte. Im Juni 2016 hatten die Grünen die Verwaltung zudem aufgefordert, die Unterschutzstellung als Landschaftsschutzgebiet beim Landkreis zu beantragen.

Klarer Auftrag für Unterschutzstellung

Stadtbaurätin Heike Gundermann erläuterte, dass bereits 2014 freizuhaltende Landschaftsräume im Westen durch das Regionale Raumordnungsprogramm und den Flächennutzungsplan gesichert gewesen seien. Dem Landrat habe die Stadt damals mitgeteilt, dass bei der Fortschreibung des Landschaftsrahmenplanes der Grüngürtel berücksichtigt werden solle. 2016 habe sie die Politik dazu informiert, dass eine große zusammenhängende Fläche gesichert sei. Damals habe man auch deutlich gemacht, dass die Beschlüsse zum Landschaftsrahmenplan und Landschaftsplan abgewartet werden sollten, bevor die Stadt beim Kreis eine Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet beantrage. „Eine formale Festlegung von bestimmten Flächen für den Grüngürtel ist nicht erfolgt, Beschlüsse seitens des Rates liegen dazu nicht vor.“

Der Landschaftsrahmenplan liegt seit 2017 vor, für eine Beantragung weiterer Landschaftsschutzgebiete werde empfohlen, die Fertigstellung des Landschaftsplanes abzuwarten, da der „eine höhere Detailschärfe als der Landschaftsrahmenplan besitze“, sagte Gundermann. Bei dem in Planung befindlichen Digital-Campus käme es erstmalig zu Überschneidungen mit den für den Grüngürtel vorgesehenen Flächen. 2016 habe die Verwaltung schon darauf hingewiesen, dass in Höhe Jüttkenmoor sich eine Fläche des Grüngürtels auf Reppenstedter Gebiet befinde. Da sei der Auftrag an die Verwaltung gewesen, Gespräche mit der Gemeinde zu führen. „Der Digital-Campus ist das Verhandlungsergebnis.“ In welchem Maß Flächen in Anspruch genommen werden, sei von der Politik zu entscheiden.

Gros und sein Fraktionskollege Ulrich Blanck konterten, dass laut Beschluss vom Oktober 2014 der klare Auftrag erteilt worden sei, den Landschaftsraum im Westen planerisch langfristig für Natur- und Landschaftsschutz zu sichern. Blanck verwies auf die Formulierung im damaligen Antrag von Rot-Grün, dass bei der Aktualisierung des Landschafts- sowie Flächennutzungsplanes der Stadt sowie der Fortschreibung des Landschaftsrahmenplanes des Landkreises diese Flächen von Bebauung frei gehalten werden sollen. Klarer Auftrag sei auch 2016 gewesen, die Unterschutzstellung des Grüngürtels beim Landkreis zu beantragen, insistierte Gros. Aus seiner Sicht bringe der Landschaftsplan keine neuen Erkenntnisse. Blanck: „Ich betrachte den 3D-Campus nur als Idee.“

Rot-grüner Antrag „war nur populistisch“

David Amri (Linke) verwies da­rauf, dass der Grüngürtel für die Frischluftzufuhr in die Stadt wichtig sei, deshalb sei für seine Fraktion eine Bebauung durch den 3D-Campus ausgeschlossen. Für Stefan Minks (SPD) sind die Planungen mit dem Grüngürtel vereinbar. Zig Quadratkilometer Fläche seien gesichert, das interkommunale Projekt 3D-Campus biete auch die Chance, einen mindestens 200 Meter breiten Streifen auf Reppenstedter Gebiet zu sichern. Eberhard Manzke (CDU) sagte, seine Fraktion habe 2014 dem rot-grünen Antrag nicht zugestimmt, „weil er unpräzise und nur populistisch war“. Jetzt wolle man alle Pläne zum Erhalt des Grüngürtels wie auch für den 3D-Campus unterstützen. Was von Bebauung freigehalten werden solle, müsse im Einzelfall untersucht werden.

Blick geht nach Reppenstedt

Welche Gespräche gab es?

Auskunft beantragt Wolf von Nordheim (Grüne) zur Sitzung des Bauausschusses am Montag, 25. Juni, zu folgenden Fragen: Welche Gespräche sind wann mit welchen Teilnehmern und welchen Ergebnissen zwischen der Stadt und Reppenstedt bezüglich des Grüngürtels-West gelaufen? Denn laut Ratsbeschluss von 2014 habe die Verwaltung den Auftrag erhalten, „sich an den Landkreis und die Gemeinde Reppenstedt zu wenden, um eine planerische Sicherung des vorhandenen Grünbereichs zwischen Reppenstedt und Lüneburg vorzusehen und dies bei der Fortschreibung des Landschaftsrahmenplans zu berücksichtigen“.

von Antje Schäfer

3 Kommentare

  1. Kann denn die frische Luft nicht über die Landstraße von Reppenstedt nach Lüneburg reinkommen? Liegt doch schön in der vorherrschenden Windrichtung West-Ost.

  2. Andreas Janowitz

    Ach bitte! Was ist denn an diesem Acker „naturbelassen“? Einzig das Merkmal „unbebaut“ trifft dabei zu?
    Wenn man das vernünftig Regeln wollte müsste man einknicken- Knicke als naturbelassene Versorgungsleitungen bis ins Stadtgebiet.
    Und ja natürlich müssten die geplant werden? Damit diese Versorgungsleitungen möglichst pflegeleicht würden, sollten sie auch eine gewisse Grösse nicht unterschreiten? Auch wenn es grünen Fundies ein graus ist, so wären Schuttwälle aus Ziegel und Mörtelschutt ideal um Magerwiesenstreifen einzugrenzen? Im Stadtgebiet sind naturbelassene Rinnsale eben das best mögliche?