Donnerstag , 15. November 2018
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Eine lange Liste mit Schäden am Nordflügel des Elbschlosses in Bleckede hat Architekt Gunnar Schulze erstellt. Vor allem die Fassade muss dringend saniert werden. Foto: t&w
Eine lange Liste mit Schäden am Nordflügel des Elbschlosses in Bleckede hat Architekt Gunnar Schulze erstellt. Vor allem die Fassade muss dringend saniert werden. Foto: t&w

Hammerschlag in Bleckede

Bleckede. Der erste Hammerschlag ist getan, der letzte Pinselstrich soll im September 2019 gezogen sein: In Bleckede sind jetzt die Arbeiten für die Sanierung des Nordflügels im Elbschloss offiziell gestartet. Im Jahr 2000 hatte die Stadt Bleckede den Renaissancebau von 1600 für eine symbolische Mark vom Landkreis Lüneburg gekauft und zunächst den Westflügel saniert. Doch schon bei der Einweihung 2002 war klar, dass der Nordflügel würde folgen müssen. Allein das Geld fehlte.

In einer Voruntersuchung hatte die Stadt bereits 2013 die Schäden und den Sanierungsbedarf dokumentieren und den Investionsbedarf ermitteln lassen. Unter dem Strich standen damals rund 1,3 Millionen Euro. Doch erst die Aufnahme in das Städtebauförderprogramm wies den Weg zur Finanzierung des inzwischen auf 1,75 Millionen Euro angewachsenen Projektes. Insgesamt 1,2 Millionen Euro steuern Bund, Land und Stadt Bleckede zu gleichen Teilen bei, die restlichen 500.000 Euro teilen sich Sparkassenstiftung (300.000 Euro) und Landkreis (200.000 Euro). „50.000 Euro sind noch offen“, bekannte Bleckedes Bürgermeister Jens Böther beim offiziellen Startschuss, „doch noch läuft auch ein Antrag bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.“

Auch im Inneren wartet viel Arbeit

Die Liste der Mängel, die die Architekten Gunnar Schulze und Henryk Reimers zum „ersten Hammerschlag“ mitgebracht hatten, ist lang. Vor allem die Fassade des Nordflügels hat in den vergangenen Jahrzehnten stark gelitten, „der Instandsetzungsbedarf an Mauer- und Fachwerk ist sehr hoch“, sagte Schulze. Im Bereich des Ostgiebels sind ganze Steine weggebrochen, liegen Kabel am Boden des Schlosssaales im ersten Stock blank. Nun muss verrottetes Holz im Bereich des Fachwerks ausgetauscht oder zurückgeschnitten, das Mauerwerk mit nachgebrannten Klostersteinen erneuert und verfugt werden.

Doch auch im Inneren wartet viel Arbeit. Zunächst wird das Dachgeschoss entkernt. Arbeiter entfernen die 1999 dort für Büroräume eingebauten Gipsplatten. Eingeplant haben die Architekten auch einen Fahrstuhl, angelehnt ans jetzige Treppenhaus. Denn nach der Sanierung soll auch der Nordflügel behindertengerecht umgebaut, barrierefrei sein. Gleichzeitig wollen Schulze und Reimers ein neues Brandschutzkonzept umsetzen und auch die energetischen Werte des denkmalgeschützen Gebäudes verbessern. Dies soll mit Verbundfenstern und mineralischen Dämmplatten erreicht werden. Oberste Prämisse: Alte Bausubstanz soll erhalten werden und sichtbar bleiben. Brandschutz-Komponenten und Dämmung werden dort verbaut, wo sie Historisches nicht verbergen. Ein Beispiel sind Brandschutzdecken zwischen den Jahrhunderte alten, verzierten und bemalten Tragbalken.

Biosphaerium wie gewohnt geöffnet

Während der Sanierungsarbeiten im Nordflügel läuft der Betrieb im Westflügel und in der 2011 zum Aquarium umgebauten Remise weiter. „Das Biosphaerium ist wie gewohnt geöffnet, auch das Bildungsangebot ist nicht beeinträchtigt“, sagt Geschäftsführerin Andrea Schmidt. Mit einer Einschränkung leben müssen die Besucher des Musikfestivals Mecklenburg-Vorpommerns am Standort Bleckede. Doch die hält Bürgermeister Böther für vertretbar: „Das Ambiente im Schlosshof ist durch Gerüst und Plane vor dem Nordflügel nicht so schön.“ Eine große Rolle wird das kaum spielen, die Konzerte sind ausverkauft.

Von Malte Lühr

Historie

Renaissancebau von 1600

Die erste Burg an der Stelle der heutigen Schlossanlage wurde 1270 erstmals urkundlich erwähnt. Der zweigeschossige Nordflügel repräsentiert weitgehend einen Renaissancebau von 1600 und wurde vom Amtmann Fritz von dem Berge im Auftrag des Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg erbaut, der Westflügel im 18. Jahrhundert neu errichtet.

1932 zog das Amtsgericht in das Gebäude . Nachdem das Gericht 1974 aufgelöst wurde, kaufte der Landkreis Lüneburg das Schloss, von 1977 bis 1996 diente es als Zweigstelle der Heimvolkshochschule Barendorf mit Internat. Danach stand das Schloss bis zum Verkauf für die eine symbolische Mark an die Stadt Bleckede einige Jahre leer.