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Das Gebäude der Johannes-Rabeler-Schule im Herzen Lüneburgs: Wie lange werden hier noch Förderschüler lernen? Foto: t&w

Galgenfrist für die Förderschule?

Lüneburg. Eigentlich war ihr Aus beschlossene Sache: Die Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen sollten bald Geschichte sein, in Lüneburg wurden zuletzt schon keine neuen Schüler in den unteren Klassen mehr aufgenommen, die Johannes-Rabeler-Schule und die Schule an der Schaperdift schmilzen mit jedem weiteren Schuljahr in sich zusammen. Im Zuge der Inklusion werden Schüler mit Förderbedarf längst an Regelschulen unterrichtet. Doch es gibt ein Hintertürchen durch eine Änderung des Schulgesetzes, zumindest eine der beiden Förderschulen könnte in die Verlängerung gehen. Das ist ein Thema in der Sitzung des Schulausschusses. Er tagt am Donnerstag, 7. Juni, ab 16.30 Uhr öffentlich in der Igelschule, Dahlenburger Landstraße 151.

Die Inklusion bereitet vielen Schulen zunehmend Schwierigkeiten. An einzelnen Oberschulen hat jedes vierte Kind einen anerkannten Förderbedarf, dazu kommen viele Schüler mit Mi­grationshintergrund, die kaum Deutsch sprechen können. In diesen Klassen den Lehrplan umzusetzen, ist für Pädagogen eine Herkulesaufgabe. Auch viele Eltern wünschen sich für ihre Kinder lieber einen Unterricht in der Förderschule als in einer Regelschule. Einige haben sich jetzt in einer Initiative zusammengeschlossen, die für eine längere Lebensdauer der Förderschule kämpft.

Misserfolge an der Regelschule

Anja Meyer ist eine von ihnen. Ihre Tochter lernt aktuell in der 3. Klasse der Grundschule Radbruch, eine Schulbegleitung hilft ihr durch den Unterrichtsalltag. Doch auch wenn sich alle größte Mühe geben, Klassenlehrerin, Förderschullehrerin und Schulbegleitung und auch ihre Tochter gerade vor Arbeiten viel lerne, erlebe die immer wieder Misserfolge. „Sie ist die schlechteste in der Klasse und nimmt das auch so wahr“, sagt die Mutter.“ In Lerngruppen mit Kindern, die ähnliche Schwierigkeiten haben, hätte sie vielleicht mal Erfolgserlebnisse. Und auch Probleme wie Mobbing und Ausgrenzung befürchte ich da weniger.“

Zwar halte sie die Inklusion grundsätzlich für einen guten Weg, doch derzeit stimmten die Rahmenbedingungen dafür noch nicht. Anja Meyer würde ihre Tochter nach heutigem Stand deshalb lieber an einer Förderschule anmelden, „auch weil sie sonst bis zur 9. oder 10. Klasse immer einen Erwachsenen als Schulbegleiter an ihrer Seite hätte. Das ist für ihre Entwicklung hin zur einer gewissen Selbstständigkeit sicher auch nicht förderlich“.

„Inklusion kann für ein Kind der richtige Weg sein“

Gute Erfahrungen mit der Förderschule hat Stefanie Ratz gemacht, ihr Sohn ist in der 3. Klasse der Schule an der Schaperdrift in Oedeme. „Dort gehen die Lehrer sehr individuell auf die Schüler ein, mein Sohn lernt dort in einer kleinen Klasse mit sieben anderen Kindern. Das kommt ihm da zugute, weil er nicht nur länger braucht zum Lernen, sondern sich auch sehr leicht ablenken lässt und sich nicht lange konzentrieren kann“, erzählt sie. Weil das Betreuungsverhältnis und die Förderung dort so gut ist, sei keine Schulbegleitung erforderlich. Auch sie setzt sich in der Initiative neben etwa 20 anderen Müttern und Vätern für den Erhalt der Förderschulen ein. „Inklusion kann für ein Kind der richtige Weg sein, ist es sicher aber nicht für alle“, findet sie.

Stadtverwaltung allerdings zeigt wenig Bereitschaft dazu

Die Eltern hoffen, dass sie in der Sitzung mit ihrem Anliegen Gehör finden. Denn dann wird auch ein Antrag behandelt, den CDU und FDP im April eingebracht haben und der genau das zum Ziel hat: Mindestens eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen in der Stadt Lüneburg soll bis 2027/2028 fortgeführt werden, so wie es das geänderte Schulgesetz nun zulässt. „Die heute in Niedersachsen praktizierte Inklusion erscheint uns als nicht ausgereift und in Teilen konzeptlos“, sind sich Frank Soldan (FDP) und Sonja Jamme (CDU) einig. Es brauche Zeit, bis die Landespolitik auf den ihr bekannten Mangel reagiert und Veränderungen vornimmt. „Deshalb wollen wir die Möglichkeit des Schulgesetzes nutzen und die erfolgreiche Johannes-Rabeler-Schule weiter fortführen.“ Das sei keine Umkehr bei der Inklusion, sondern eine ganz „pragmatische Reaktion auf ein allen bekanntes Problem“.

Die Stadtverwaltung allerdings zeigt in ihrer Stellungnahme wenig Bereitschaft dazu. Auch deshalb, weil sie längst andere Pläne für das Schulgebäude der Johannes-Rabeler-Schule hegt, die aktuell 54 Schüler in den Klassen 6 bis 9 hat, während an der kreiseigenen Schule An der Schaperdrift rund 60 Kinder lernen. Schon Ende des Jahres sollen Mitarbeiter der Stadt aus dem Bereich „Soziale finanzielle Hilfen“ ihren Arbeitsplatz in einem Haus des Schulkomplexes bekommen. Der Rest soll später eigentlich von der Oberschule Am Wasserturm genutzt werden.

Stadtverwaltung hat längst andere Pläne fürs Gebäude

Wenn nun statt des Auslaufens beider Förderschulen im Stadtgebiet eine Schule doch länger laufen soll, „bedeutet dies eine komplette Kehrtwende der gegenwärtigen Situation“, heißt es in der Stellungnahme. Stadt und Kreis müssten sich abstimmen, vorher könne der Rat keine Entscheidung treffen – trotz der angemahnten Eile der Antragsteller. Die Verwaltung regt vielmehr an, zuerst mal den Bedarf zu ermitteln. Es gebe aber auch die Möglichkeit, befristet bis 2028 Lerngruppen mit Förderschulen an einer weiterführenden Schule einzurichten. Eine solche Lerngruppe pro Jahrgang an der Oberschule am Wasserturm – das hielte die Verwaltung für eine „sinnvolle Alternative“. Erste Gespräche dazu habe es mit den Schulleitungen bereits gegeben. Die Verwaltung kann sich deshalb nicht dazu durchringen, die Fortführung einer Förderschule vorzuschlagen.

Von Alexander Hempelmann

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Betreuung am Nachmittag

Die Planungsgruppe für eine IGS auf dem Kreideberg wird in der Schulausschusssitzung berichten, wie weit die Umwandlung von der Christianischule als Oberschule zu einer Gesamtschule vorangeschritten ist. Die AfD stellt den Antrag, dass vor einer solchen Umwandlung künftig auch immer Lehrer und Eltern befragt werden sollen. Die Verwaltung skizziert den Übergang von den Grund- zu den weiterführenden Schulen (LZ berichtete) und stellt die Situation der Nachmittagsbetreuung an den städtischen Grundschulen vor.

5 Kommentare

  1. Inklusion an den Schulen ist ein schlechter Witz !
    Das klappt hinten und vorne nicht. Wie ich aus leidvoller Erfahrung sagen kann.
    Selbst Kinder mit leichtem Förderbedarf kommen an den Schulen zu kurz!
    Es gibt zu wenig Fachkräfte.
    Das geht alles zu lasten der Kinder!!!

  2. Inklusion ist eine böswillige Ideologie verblendeter linksgrüner Fanatiker zum Schaden betroffener Kinder. Hauptsache, der Glaube wird nicht erschüttert. Hier werden Schäden fürs Leben angerichtet, und die Verwaltung macht freudig mit.

    • Inklusion ist eine böswillige Ideologie ?

    • Hallo Hans,geht es noch ungenauer und nebulöser???
      Welche böswillige Ideologie, welcher Schaden für die Kinder und welcher Glaube an was soll nicht erschüttert werden???

      • Es gibt in Schulverwaltung, Lehrerschaft und Bildungspolitik eine dominante, gut vernetzte Gruppe von Bewohnern des reformpädagogischen Soziotops, die sich auf wohlfinanzierten Planstellen mit feinem Pensionsanspruch kommod eingerichtet haben. Für Schlagwortfreunde: GEW. Hier muss man manch garstig Lied mitsingen, und man tut es, wenn und weil man nicht geächtet sein will. Das Lied von der Inklusion mitzusäuseln, so etwa nach der Art „Inklusion macht alle Kinder froh, mehr noch als die Tüte Haribo“, ist Grundvoraussetzung, um dabei zu bleiben.

        Wie für jede ideologisch fundierte Gemeinde ist bei der Inklusionsgemende nur der bekennende Glaube an die Grundidee wichtig, sonst ist man draußen. Die Inklusionsideologie ist ein Glaubensbekenntnis mit der Funktion des Stärkung des reformpädagogischen Zusammenhalts.

        Wie jede Ideologie schert sich die Inklusion nicht um durch sie verursachte Einzelschicksale, sondert schaut kalt über sie hinweg, wenn sie der Grundidee widersprechen. Dass Eltern ihre Kinder leiden sehen, interessiert nicht. Und wie jede Ideologie schert sich die Inklusion auch nicht um wissenschaftliche Empirie; es gibt nicht den geringsten belastbaren wissenschaftlichen Nachweis, dass die Inklusion den ihr ausgesetzten Kindern Vorteile bringt.

        Eine gut geführte Förderschule wie die Johannes-Rabeler-Schule vermittelt lernschwachen Kindern ein Grundgefühl der Geborgenheit. Hier ist ein Ort, der zu ihnen passt, hier muss sich niemand schämen, hier mag man sie so, wie sie sind. So kann ein Grundvertrauen in die eigenen Fähigkeiten entstehen, dass die Kinder durch das weitere Leben tragen kann.

        Einem Inklusionskind an der Regelschule wird dagegen, und zwar Tag für Tag auf’s Neue, und das über Jahre hinweg, klargemacht, dass es hier eigentlich fehl am Platz ist. Kinder wollen gerade keine Sonderbehandlung zu anderen Kindern, nichts ist peinlicher. Und dann schafft man die geforderten Leistungen doch nicht. Garantierter täglicher Frust bis Klasse 10. Mich schaudert es.