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Die Schüler der Hermann-Löns-Grundschule Lüneburg zeigten ihr Stück „De dicke fette Pannekoken“ - und ernteten dafür großen Applaus beim 7. Plattdüütsch Schooltheaterfestival. Foto: phs

Eine alte Sprache mit jungen Fans

Uelzen/Lüneburg. Hazna Haci spricht Kurdisch mit ihren Eltern, Hochdeutsch mit Freunden und Geschwistern und „snackt“ Platt im Kunstunterricht. Manchmal, wenn sie ihren Eltern etwas aus dem Vokabular der Niederdeutschen Sprache vorträgt, huscht ein Schmunzeln über deren Gesichter: „Die finden das lustig“, sagt die 13-Jährige. Sie und ihre Mitschülerin Jamie Lee Bartels von der Hugo-Friedrich-Hartmann-Oberschule aber finden den Klang der Worte schlichtweg schön. So schön sogar, dass sie jetzt beim 7. Plattdüütsch Schooltheaterfestival die Geschichte „Vun den Fischer un siene Fru“ auf der Bühne zeigten.

Die Sprache in den Köpfen der Jugend entstauben

Alle zwei Jahre lädt der Lüneburgische Landschaftsverband Schultheatergruppen aus dem Verbandsgebiet dazu ein, ihre plattdeutschen Stücke zu präsentieren. Drei der insgesamt sieben Schülerteams, die am Mittwoch im großen Saal des Uelzener Theaters an der Ilmenau vertreten waren, reisten aus dem Landkreis Lüneburg an. Sie kamen von der Hugo-Friedrich-Hartmann-Oberschule Bardowick, vom Gymnasium Wilhelm-Raabe-Schule und von der Hermann-Löns-Grundschule in Lüneburg.

Plattdeutsch. Haben das nicht Oma und Opa gesprochen? „Viele verbinden damit ältere Generationen“, glaubt Margaretha Stumpenhusen. Sie ist Beraterin für plattdeutsche Schulen und glaubt: Wer die Sprache in den Köpfen der Jugend entstauben wolle, der müsse kreativ zur Tat schreiten – mit Musik oder Theater zum Beispiel. „Das wird immer mehr. In Niedersachsen gibt es ja schon über 25 plattdeutsche Schulen.“

Bedingung für diese Auszeichnung sei allerdings unter anderem, über mindestens zwei Lehrkräfte zu verfügen, die die Sprache beherrschen. Und genau da liege oft das Problem. Die Landesschulbehörde versucht nun seit einigen Jahren dem Mangel mit Fortbildungsangeboten für Lehrer zu begegnen.

Sogar Kunstunterricht auf Plattdeutsch

Jamie Lee Bartels wäre nie darauf gekommen, Plattdeutsch zu lernen – ohne ihre Schule. In Bardowick nämlich wird die Sprache wie Englisch oder Französisch als Wahlpflichtkurs angeboten, bei einigen Sechstklässlern steht sogar Kunstunterricht auf Plattdeutsch im Stundenplan. Die 12-Jährige findet, ihre Generation müsse die Werbung für die Sprache selbst in die Hand nehmen, auch Freunde dazu motivieren, einfach mal mitzusprechen.

An Motivation mangelt es in Uelzen jedenfalls niemandem. Da steht der zehnjährige Ole auf der Bühne, der findet: „Man muss so eine alte Sprache erhalten“, Frida (8), die deren Ähnlichkeit zum Hochdeutschen schätzt, „weil man das so schneller lernen kann“. Finn (7), der in seiner Rolle als Hase sein Bühnendebüt gefeiert hat und vorher ein bisschen aufgeregt war und Eleni (9), „de dicke fette Pannekoken“ aus dem gleichnamigen Theaterstück der Hermann-Löns-Grundschule. Sie und ihre Mitschüler versteckten sich hinter einem schwarzen Vorhang, ließen darüber Tiere, Menschen und einen Pfannkuchen aus Pappe wandern, während sie ihnen übers Mikrofon aus dem Verborgenen eine Stimme gaben.

Plattdeutsch zu beherrschen, das sei etwas, wovon sie noch häufig profitieren würden, hatte Uelzens Landrat Heiko Blume den Teilnehmern zuvor mit auf den Weg gegeben. Sein Tipp: „Wenn ihr mal eine Fünf nach Hause bringt und sagt das auf Plattdeutsch – ich glaube, da kann keiner mehr böse sein.“

Von Anna Petersen