Dienstag , 25. September 2018
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So hätte er womöglich ausgesehen: der so genannte "Elbmarsch-Stern". Grafik: Andrew Yomi

„Elbmarsch-Stern“ stürzt ab

Lüneburg. Es wurden Gespräche geführt, Fahrplanentwürfe erstellt, Kosten berechnet – mehr als drei Jahre Arbeit vermutlich völlig umsonst. Der Landkreis Lüneburg steigt aus den Planungen zum sogenannten „Elbmarsch-Stern“ aus. Per Mail erklärte die Verwaltung jetzt ihren Rückzug aus dem ÖPNV-Projekt zur Verbesserung der Infrastruktur zwischen den Landkreisen Lüneburg, Herzogtum Lauenburg und Harburg. Damit ist das komplette Vorhaben zum Scheitern verurteilt.

Hoffnungen auf bessere Verbindungen geplatzt

In den Nachbarkreisen sorgt diese Nachricht für Enttäuschung. Der plötzliche Ausstieg sei von allen Partnern, auch seitens des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV), mit Verwunderung aufgenommen worden, erklärt Tobias Frohnert, Sprecher des Kreises Herzogtum Lauenburg gegenüber der LZ. „Die Projektpartner planen seit 2014 an diesem Projekt. Es hat dazu zahlreiche Abstimmungstermine und in einigen Kreisen sogar schon politische Beschlüsse gegeben.“ Der Landkreis habe dann – auf Nachfrage der Harburger – erfahren, dass die Lüneburger kein Interesse mehr an der Realisierung hätten – „aus finanziellen Gründen“, heißt es.

Von dem über Jahre verfolgten Projekt Elbmarsch-Stern hatte sich der Kreis Harburg unter anderem verbesserte Verbindungen zwischen Marschacht, der Binnenmarsch und Lüneburg sowie zwischen Geesthacht, Marschacht und Winsen (Luhe) erhofft, so Harburgs Kreissprecherin Andrea Deutschmann. „Alle beteiligten Kreise waren sich darüber einig, dass mit diesen neuen Buslinien zusätzliche Fahrgäste auf den ÖPNV aufmerksam geworden wären.“

Jeder Auftraggeber zahlt Leistungen auf seinem Gebiet

Das Dilemma: Mehrleistungen im Busverkehr werden territorial abgerechnet. Das heißt: Jeder Aufgabenträger zahlt die Kilometer auf seinem Gebiet. Deutschmann: „Ohne eine Mitfinanzierung des Landkreises Lüneburg sind Verbesserungen nun nicht umsetzbar, da der Landkreis Harburg keine ÖPNV-Kosten auf dem Gebiet des Kreises Lüneburg finanzieren wird.“

Dessen Sprecherin Katrin Holzmann sagt, der Elbmarsch-Stern mit seinen festen Linien sei für den Kreis Lüneburg weniger attraktiv als für die anderen beiden Landkreise. „Wir sehen momentan wenig Bedarf in diese Richtung und müssen Kosten und Nutzen abwägen.“ Man wolle zunächst die Versorgung im eigenen Bereich verbessern – mit einem Mobilitätskonzept (LZ berichtete).

„Dabei setzen wir vor allem im ländlichen Raum auf ein neues Rufbus-System, das auch die Dörfer zuverlässig und flexibel an den ÖPNV und vor allem an die Bahnlinien anbindet“, so Holzmann weiter. Die Rufbus-Verbindungen gingen teilweise über die Landkreis-Grenzen hinaus und deckten damit auch Teilstrecken aus dem Elbmarsch-Stern ab. Der hätte nach ersten Schätzungen vermutlich jährlich mit einem sechsstelligen Betrag zu Buche geschlagen.

Verkehr auf Elbbrücke hätte reduziert werden können

Die Umsetzung war ursprünglich zum Fahrplanwechsel Ende dieses Jahrs geplant. Vorgesehen war auch eine direkte Buslinie zwischen der Stadt Lüneburg und dem ZOB Bergedorf. Diese hätte Lüneburg laut Frohnert erstmals eine direkte Anbindung an den Hamburger Osten ermöglicht – ohne, dass der längere Weg über den Hamburger Hauptbahnhof in Kauf genommen werden müsste.

Der Sprecher des Landkreises Herzogtum Lauenburg lässt auch Kapazitätsprobleme auf den Bahnstrecken und dem Hauptbahnhof selbst nicht unerwähnt. Nicht zuletzt hätte der Verkehr auf der überlasteten Elbbrücke (B 404) durch eine entsprechende Busanbindung reduziert werden können. Lüneburg ist als Uni-Stadt für Studenten aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg und Geesthacht ein tägliches Pendelziel.

Die Landräte der Kreise Herzogtum Lauenburg und Lüneburg würden sich noch einmal „darüber unterhalten“, kündigt Frohnert an. In Harburg sieht man dazu offenbar keinen Bedarf: Gespräche sind von dieser Seite aktuell nicht geplant.

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Von Anna Petersen