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Geschäftsführer Dorian Tackenberg (r.) erläutert Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann die Wachstumspläne seines Unternehmens in der Wittorfer Heide. Foto: t&w

Auf Wachstumskurs

Bardowick. Was vor 40 Jahren in der elterlichen Küche in Luhmühlen begann, ist inzwischen zu einem dynamisch wachsenden Unternehmen im Gewerbepark Wittorfer Heide geworden. Rund 6,6 Millionen Euro will Geschäftsführer Dorian Tackenberg in die Hansemeat GmbH investieren, die Geschäftsbereiche Produktion, Logistik, Vertrieb und Verwaltung am Standort Bardowick zusammenführen. Aktuell beschäftigt der familiengeführte Betrieb etwa 60 Mitarbeiter, „in zwei Jahren könnten es 70 bis 80 sein“, schätzt Tackenberg.

Spezialisiert hat sich die 1998 gegründete Gesellschaft auf die Herstellung von Tierfutter. „Neun Millionen Hunde und zwölf Millionen Katzen bedeuten 20 Millionen tägliche Fresser bundesweit“, verdeutlicht der Geschäftsführer die Größe des Marktes. Dabei besetzt Hansemeat eine Nische, vertreibt seine Produkte seit 13 Jahren vorwiegend über das Internet. Aktuell produziert das Unternehmen in Winsen rund 150 Produkte im Rohfleischbereich. Verarbeitet werden Huhn, Lamm und Rind, aber auch Känguru- und Straußenfleisch, „derzeit denken wir darüber nach, auch Zebra anzubieten“, sagt Tackenberg.

Zulieferer aus Deutschland und Skandinavien

Dabei setzt das Unternehmen vorwiegend auf Zulieferer aus Deutschland und Skandinavien, will seinen Kunden „Transparenz und nachhaltige Produkte“ liefern. „Die Verbraucher wollen schließlich wissen, was sie ihren vierbeinigen Lieblingen zu fressen geben“, sagt der passionierte Reiter. Das Konzept ist erfolgreich. „Wir könnten deutlich mehr Waren vertreiben, als wir produzieren“, verweist der Geschäftsführer auf den steigenden Hansemeat-Kurs.

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Und wo in der Wirtschaft Erfolgsgeschichten geschrieben werden, sind meist auch Politiker nicht fern. So auch am Donnerstag in der Wittorfer Heide. Vor Beginn des Betriebsausfluges seiner Mitarbeiter nach Lüneburg, machte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann noch einen Abstecher in Bardowick. Im Gepäck hatte der Christdemokrat einen Zuwendungsbescheid über 1,32 Millionen Euro. Mit dieser Summe fördert das Land den Expansionskurs von Hansemeat. Honoriert werde, „dass das Unternehmen 17 Arbeitsplätze sichert und 9 neu schafft“, sagte Althusmann. Allein zehn Millionen Euro habe das Land im ersten Quartal dieses Jahres an Betriebe in Niedersachsen ausgekehrt.

Investition in einem schwierigen Markt

Angewiesen ist die Hansemeat GmbH auf die Förderung nicht. „Wir wirtschaften konservativ, machen Investitionen nicht von Zuschüssen abhängig“, sagt Tackenberg, „wir freuen uns aber über jede Unterstützung, die wir bekommen können.“

Auch bei der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg wird die Förderung begrüßt. „Die Zuschüsse erleichtern die nachhaltige Finanzierung des Projektes in einem schwierigen Markt und helfen einem für den Standort wichtigen Unternehmen, sich zukunftsgerecht aufzustellen“, sagt Sönke Feldhusen, Bereichtsleiter Unternehmensgründung und -förderung. Zur Förderwürdigkeit von Investitionen werde die IHK regelmäßig gehört, „allein 2017 in fast 30 Fällen“. Insgesamt hat die für Abwicklung zuständige NBank im vergangenen Jahr 123 Bewilligungen für sogenannte einzelbetriebliche Investitionsförderungen bewilligt. Das Gesamtvolumen: 60 Millionen Euro.

Zwar hätte Tackenberg auch ohne Fördermittel gebaut, doch hält Bardowicks Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann Fördermittel für einen wesentlichen Baustein der Gewerbeansiedlung. Von Anfang an hat er die Entwicklung des Gewerbeparks Wittorfer Heide begleitet. Zunächst als Kommunalpolitiker, seit 2011 als Verwaltungschef. „Mit EU-Fördermitteln konnten die Grundstückspreise niedrig gehalten, der Aufbau eines Glasfasernetzes im Gewerbepark maßgeblich finanziert, somit ein attraktiver Gewerbe-standort geschaffen werden“, zählt Luhmann auf.

Können kleinere Zuschüsse mehr bewirken?

Kritisch sieht er jedoch hohe Fördersummen wie im Falle Tackenberg. Statt einzelne mit einer Million Euro zu fördern, könnten 20 mal 50.000 Euro oder 100 mal 10.000 weit mehr bewirken, sagt Bardowicks Verwaltungschefs. „Sehr häufig sind gerade die sehr kleinen und kurzfristigen Maßnahmen Erfolgsgaranten.“ Deshalb kritisiert er auch die aus seiner Sicht „hohen administrativen Hürden bei der Beantragung der Fördermittel“, die dazu führten, dass kleine Investitionen nur selten bis gar nicht unterstützt würden.

Die Kritik ist für Althusmann nicht neu. „Seit Anfang des Jahres haben wir ein schlankeres Verfahren, die Genehmigungsdauer liegt derzeit bei sechs bis acht Monaten.“

Unterdessen weiß Tackenberg schon jetzt, dass auch das 3500 Quadratmeter große Firmengelände in der Wittorfer Heide nicht genügend Platz bietet. „Den Standort Winsen werden wir auf jeden Fall behalten.“

Von Malte Lühr