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So sieht die dreidimensionale Struktur des EHEC-Erregers aus. Foto: ©abhijith3747 - stock.adobe.com

EHEC-Fall in Melbeck

Melbeck. Ein fünf Jahre alter Junge aus Melbeck hat sich mit dem gefährlichen EHEC-Keim infiziert. Das bestätigte Kreissprecherin Katrin Holzmann. Der Junge bef indet sich nach Recherchen der LZ in stationärer Behandlung im Universitätsklinikum Eppendorf.

Das niedersächsische Gesundheitsministerum wurde am vergangenen Montag über den Vorfall informiert. Wo und wie der Fünfjährige, der den Kindergarten „Wurzelwerk“ in Melbeck besucht, mit dem gefährlichen Keim in Kontakt gekommen ist, ist noch unklar: Die Infektionsquelle konnte bisher nicht identifiziert werden. „Die Ermittlungen werden durch das örtliche Gesundheitsamt des Landkreises Lüneburg geführt, das auch entsprechende Maßnahmen ergreift“, erklärt Ministeriumssprecherin Naila Eid. Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) unterstütze das Gesundheitsamt bei diesen Ermittlungen. So werden im Rahmen einer Befragung durch das örtliche Gesundheitsamt mögliche Risikofaktoren für eine EHEC-Infektion abgefragt.

Quelle der Erkrankung wohl nicht im Kindergarten

Die Leitung des Melbecker Kindergartens „Wurzelwerk“ hat indes ein aktuelles Rundschreiben an alle Eltern verschickt, das auch am Kindergarten aushängt. Das Schreiben liegt der LZ vor. Darin wird darauf hingewiesen, dass im Kindergarten zwei Kinder an schwerem Durchfall erkrankt seien. „Inzwischen wissen wir, das eins der Kinder an EHEC erkrankt ist und das andere Kind nicht“, heißt es in dem Schreiben. Als die Symptome des EHEC-Erregers auftraten, habe das betroffene Kind die Einrichtung bereits nicht mehr besucht. „Das Geschwisterkind bleibt vorsorglich zu Hause, obwohl es keine Symptome zeigt und wird, wie die gesamte Familie, vom Gesundheitsamt im Lüneburg begleitet“, heißt es weiter in der Elterninformation.

Das Gesundheitsamt gehe zudem davon aus, dass die Quelle der Erkrankung nicht im Kindergarten liege. „In unserem Haus gelten nach wie vor strenge Hygienestandards. Alle pädagogischen Kollegen und das Reinigungspersonal werden regelmäßig geschult“, betont Matthias Körte, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes, der die DRK-Kindertagesstätte in Melbeck betreibt. „Wir hoffen alle, dass der Junge sich erholt und schnell wieder gesund wird“, betont Körte.

In diesem Jahr sind in Niedersachsen bislang 74 EHEC-Fälle gemeldet worden

Von den Kontaktpersonen des Jungen, Eltern und Geschwister, wurden Stuhlproben genommen. „Bis das Ergebnis vorliegt, dürfen die Bekannten und Verwandten keine Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kitas oder Altersheime besuchen“, erklärt Kreisprecherin Katrin Holzmann.

EHEC gehört zu den meldepflichtigen Erkrankungen nach Infektionsschutzgesetz (IfSG). In diesem Jahr sind in Niedersachsen bislang 74 EHEC-Fälle gemeldet worden. 2017 waren es insgesamt 257 Fälle, 2016 waren es 230 Fälle. „In den Vorjahren lagen die Zahlen zwischen 100 und 200 Fällen“, berichtet Ministeriums-Sprecherin Naila Eid, die zudem betont: „Aktuell gibt es in den Meldedaten nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) keine Anzeichen für eine Zunahme von EHEC-Infektionen in Niedersachsen, speziell auch nicht in den Landkreisen Lüneburg und Uelzen.“

2011 waren vor allem Erwachsene betroffen

Dennoch werden ungute Erinnerungen an das Jahr 2011 geweckt: Damals hatte ein Biohof bei Bienenbüttel unwissentlich mit EHEC-Keimen verunreinigte Sprossen in Umlauf gebracht. Insgesamt starben 53 Menschen, die die Sprossen verzehrt und sich so mit dem Erreger infiziert hatten.

Der Ausbruch 2011 stellte in verschiedener Hinsicht eine Ausnahme dar. Damals waren vor allem Erwachsene betroffen.Die Erreger werden von Tieren auf die Menschen übertragen, zum Beispiel durch unzureichend gegarte Lebensmittel tierischer Herkunft. Auch in den USA sorgt zurzeit das gefährliche EHEC-Bakterium für bislang 197 Krankheitsfälle. Als Verursacher wurde ein bakterienverseuchter Salat identifiziert, fünf Menschen seien bereits gestorben, meldet der Nachrichtensender NTV.

Von Klaus Reschke

Hintergrund

Wie ich mich vor EHEC schützen kann

Eine EHEC-Infektion geht in der Regel mit blutigem Durchfall einher. Der Erreger ist hochinfektiös und wird von der WHO zu den gefährlichsten Keimen gezählt. Laut Robert-Koch-Institut werden jährlich 900 bis 1200 Erkrankungen in Deutschland registriert, die jedoch meist glimpflich verlaufen. In der Natur kommen EHEC-Bakterien in den Därmen von Nutztieren wie Rindern, Schafen und Ziegen, gelegentlich auch bei Wildtieren vor. Daher wird das EHEC-Bakterium oft beim Verzehr von rohem Fleisch, frischer Milch oder Rohkost übertragen.

Grundsätzlich gelten die üblichen hygienischen Maßnahmen: Vor der Zubereitung von Speisen, vor dem Essen und nach dem Gang zur Toilette gründlich mit Seife die Hände waschen, Küche und Bad regelmäßig reinigen und beim Kontakt mit Tieren möglichst Abstand halten.