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Bei Groß Thondorf pflanzt Jan Alvermann mit seiner Frau Monika und seinen Söhnen Simon und Henry die letzte von insgesamt 4000 Weinpflanzen. (Foto: ki)
Bei Groß Thondorf pflanzt Jan Alvermann mit seiner Frau Monika und seinen Söhnen Simon und Henry die letzte von insgesamt 4000 Weinpflanzen. (Foto: ki)

Der nächste Neu-Winzer

Groß Thondorf. Die Winzer-Pioniere um Hannes Meyer aus Wiecheln bei Thomasburg bekommen in der Region Konkurrenz: Nachdem kürzlich bei einer Pflanzaktion der Grundstock für das erste offizielle Weingut im Landkreis Lüneburg gelegt wurde, startet jetzt Fuhrunternehmer Jan Alvermann in der Gemeinde Himbergen im Kreis Uelzen ebenfalls in eine neue Zukunft als Winzer im niedersächsischen Flachland.

In drei Jahren könnte es soweit sein, dass Jan Alvermann seinen eigenen Tropfen vorstellt, ein „Strachauer Landwein“ schwebt ihm vor. Auf seinem 8000 Quadratmeter großen Gelände im Himbergener Ortsteil Groß Thondorf wurden jetzt 4000 Weinstöcke in die Erde gebracht. Alvermann profitiert wie die Thomasburger von einer Reform der EU-Weinmarktregelung: Im Herbst 2016 hatte das Land Niedersachsen erstmals Weinbaurechte erhalten, Genehmigungen für insgesamt 7,6 Hektar waren auf Antragssteller in sieben Landkreisen und der Region Hannover verteilt worden. Mit dem Weinbaurecht schließt sich für Alvermann ein Kreis.

Vor rund 30 Jahren war Alvermann auf einem Weingut in Rheinhessen tätig und wurde dort mit allen Aufgaben vertraut gemacht. „Als ich im Radio eine Sendung über Weinanbau in Niedersachsen gehört habe, hat mich der Bericht sofort angesprochen, wie eine Initialzündung“, sagt er. Er habe sich sofort um Pflanzrechte bemüht. „Ich hatte nicht ernsthaft damit gerechnet, einen Zuschlag zu bekommen, weil das Gelände keine Hanglage hat“, freut er sich umso mehr, dass es doch geklappt hat. Wenn auch keine Hanglage, so ist das Anbaugebiet zumindest auf einem kleinen Hügel östlich von Groß Thondorf gelegen.

Das Pflanzrecht als Geschenk

Zuschüsse für die rund 25 000 Euro teure Anschaffung von Pflanzen bekam er nicht. „Ich habe jedoch das Pflanzrecht geschenkt bekommen“, freut sich Alvermann. Aber die Rechte sind nicht ganz ohne Risiko: Angehenden Winzern, die nicht innerhalb von drei Jahren die genehmigten Anpflanzungen vornehmen oder nicht richtig ausführen, droht ein saftiges Bußgeld. Doch der Groß Thondorfer ist guter Dinge.

Für seinen geplanten Bio-Weinbau setzt er, ähnlich wie seine Thomasburger Pendants, auf pilzwiderstandsfähige Sorten, die wesentlich weniger Pflanzenschutzmittel brauchen. Die Rebsorte Phoenix mit einem leichten Muskataroma ist eine Neuzüchtung des Instituts Geilenweilerhof, eine Kreuzung von Bacchus und Villard Blane. Die zweite Sorte Solaris, deren Name sich von der Sonne ableitet, züchtete das staatliche Weinbauinstitut Freiburg. Es ist eine Kreuzung aus Merzling-Zaraya Severa-Muscat Ottonel mit einem sehr hohen Zuckeranteil. Beide Pflanzensorten stellen Gartenerde als Bodenansprüche und sind frühblühende Sorten.

Schon zeitig am Morgen hatte Alvermann eine Pflanzmaschine geordert, die die 3999 Rebsorten mit Rankhilfen einsetzte. Die allerletzte Pflanze, die setzte Alvermann allerdings zusammen mit seiner Frau Monika und den beiden Söhnen Simon und Henry in die Erde. Damit die Pflanzen bei der Hitze nicht vertrocknen, wurden sie anschließend beregnet. Nun hofft er, dass die Weinstöcke blühen und gedeihen und er in drei Jahren die ersten Trauben ernten kann. Auf lange Sicht will er dann auch die geernteten Trauben selbst keltern. Dann wird es aus Groß Thondorf wohl tatsächlich den „Strachauer Landwein“ geben.

Von Gudrun Kiriczi

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