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Jürgen Backhaus (v.l.), Detlev Paschen, Norbert Krause, Professor Peter Pez sowie Christian Purps (nicht auf dem Bild) haben ein Memorandum für Reppenstedt verfasst, um mögliche Perspektiven für die Ortsentwicklung aufzuzeigen, die auch für andere stadtnahe Gemeinden Bedeutung haben können. (Foto: dth)
Jürgen Backhaus (v.l.), Detlev Paschen, Norbert Krause, Professor Peter Pez sowie Christian Purps (nicht auf dem Bild) haben ein Memorandum für Reppenstedt verfasst, um mögliche Perspektiven für die Ortsentwicklung aufzuzeigen, die auch für andere stadtnahe Gemeinden Bedeutung haben können. (Foto: dth)

Quo vadis, Reppenstedt?

Reppenstedt. Die Diskussion um den von der Stadtverwaltung Lüneburg vorgeschlagenen 3D-Campus zwischen Lüneburg und Reppenstedt haben diesem Papier eine unerhoffte Aktualität verliehen. Unabhängig vom Gemeinderat haben Reppenstedter Kommunalpolitiker gemeinsam mit einem Wissenschaftler und einem Verwaltungsfachmann in den vergangenen Monaten ein Memorandum für Reppenstedt erarbeitet. Darin zeigen sie Perspektiven für eine mögliche Ortsentwicklung auf, die auch für andere stadtnahe Gemeinden interessant sein könnten. Die Verfasser wollen es als Denkanstoß und Diskussionsgrundlage verstanden wissen. Denn zuletzt fehlte es an einem aktuellen Ortsentwicklungsplan für die Kommune.

Die Verfasser der 25-seitigen Denkschrift sind der Ansicht, „dass ein Wandel der Planungsperspektiven in Reppenstedt nottut, ja überfällig ist“, heißt es im Fazit. Unterzeichnet ist das Papier von Jürgen Backhaus (Alt-Bürgermeister, Grüne), Norbert Krause (langjähriges Ratsmitglied für die CDU), Christian Purps (stellvertretender Bürgermeister Reppenstedts, SPD), Detlev Paschen (ehemaliger Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung) und Stadtraumforscher Professor Dr. Peter Pez von der Uni Lüneburg.

Für den Erhalt des Grüngürtels

„Im Prinzip sind das noch Altlasten aus meiner Zeit als Gemeindebürgermeister, um die ich mich noch kümmern wollte“, sagt Backhaus zu seiner Motivation. „Wir freuen uns über Zu- und Widerspruch.“ In seiner Amtszeit (2011-2016) hatte die grün-rote Ratsmehrheit den Entwurf eines Ortsentwicklungsplans in die Schublade verbannt, um das Thema aus dem damaligen Kommunalwahlkampf herauszuhalten. Dabei blieb es. Damit fehlt der Kommune ein grundlegendes Konzept als Verhandlungsgrundlage mit der Stadt Lüneburg, wenn es um das Für und Wider des 3D-Campus geht. Zumal da ein mehr als neun Hektar großes Wohnbaugebiet allein auf Reppenstedter Seite eingepreist ist. Das Memorandum könnte die konzeptionelle Lücke schließen und die Reppenstedter in eine bessere Verhandlungsposition bringen, hoffen die Verfasser. Das angedachte Wohngebiet halten sie für überdimensioniert und sprechen sich für einen Erhalt des Grüngürtels aus.

Wohngebiete im Außenbereich

Eine zentrale Grundthese: „Die Fixierung auf Siedlungs- und Einwohnerwachstum durch neue Baugebiete muss enden, diese Entwicklung droht mehr Schaden und Probleme zu verursachen als Vorteile zu bringen.“ Stattdessen solle die Entwicklung von Wohngebieten im Außenbereich abgeschlossen werden. Statt quantitativen Wachstums müsse mehr auf Qualität gesetzt werden, betonen Professor Pez und Ex-Kreisentwickler Paschen. „Die Wohlfühlgemeinde Reppenstedt muss erst noch realisiert werden.“ Ansatzpunkte für eine qualitative Entwicklung sei die Schaffung von Bildungs-, Versorgungs- und Freizeitangeboten für Jung und Alt, „nicht nur am Ortsrand“.

Zudem müsse laut Paschen der Teufelskreis durchbrochen werden, erst neue Infrastruktur wie Kitas und Schulen zu bauen, um Einwohner anzulocken und später bei älterer Bevölkerung wiederum neue Wohnbaugebiete auszuweisen, damit Kitas und Schulen nicht verwaisen. Das sei nicht nachhaltig. Andererseits werfen Backhaus und Paschen die Frage auf: „Warum kümmern sich Kommunen um die Kinderbetreuung, aber nicht um die Betreuung von alten Menschen?“ Zudem dürfe beim Siedlungswachstum allenfalls auf Innenverdichtung gesetzt werden, sagt Backhaus. „Es gibt viele Grundstücke mit großen Gärten aus der Nachkriegszeit.“ Da dort heute keine Nebenerwerbslandwirtschaft mehr betrieben werde, könnten viele Grundstücke zur Gewinnung von Bauland geteilt werden. Pez schlägt zudem verschiedene Maßnahmen zur Stärkung des Fahrradverkehrs in Reppenstedt vor, beispielsweise die Ausweitung des Fahrradleihsystems „Stadtrad“ auf die stadtnahen Nachbarkommunen.

Von Dennis Thomas