Aktuell
Home | Lokales | Amelinghausen | Mit Gartenschlauch und Grubber
Sie waren die Pioniere für den Feuerwehrnachwuchs im Landkreis Lüneburg, die Jugendwehr Lüdershausen von 1959 (v.l.): Heinz Lange, Heinz Dittmer, Paul Hermann Lieberam, verdeckt Werner Kahle (†), Adolf Twesten, verdeckt Günter Burmester, Alfred Spitzlei, Gustav Soltau. (Repro: stb)

Mit Gartenschlauch und Grubber

Lüdershausen. Die Jungs-Clique organisierte sich Gartenschläuche, einen alten Grubber und eine elektrische Pumpe. Das ratternde landwirtschaftliche Gerät zogen sie hinter sich her, mit der Pumpe saugten sie Wasser aus der Neetze, das sie dann mit den Gartenschläuchen kräftig durch die Gegend spritzten. „Wir spielten Feuerwehr und hatten dabei jede Menge Spaß“, erinnert sich Herbert Meyn. Er war einer der Jungen, die vor fast 60 Jahren mit dem Grubber als Feuerwehrwagen durch das Dorf zogen.

Was er und seine Freunde damals nicht ahnten: Sie wurden zu Pionieren und Wegbereitern für die Gründung von Jugendfeuerwehren im Landkreis Lüneburg. Aus Jux und Tollerei entstand die erste Jugendwehr zwischen Elbe und Heide. „Mein Vater Heinrich Meyn war Gemeindebrandmeister in Lüdershausen. Er beobachtete uns, wie wir Feuerwehr spielten und beschloss, die Spielerei in professionelle Bahnen zu lenken“, erzählt Herbert Meyn.

Die Pioniere von damals Gustav Soltau, Heinz Dittmer, Paul Hermann Lieberam, Adolf Twesten und Herbert Meyn (v.l.) mit den Mitgliedern der aktuellen Kinderfeuerwehr Lüdershausen. (Foto: stb)
Der Gemeindebrandmeister rief aus diesem Grund die Jugendfeuerwehr Lüdershausen ins Leben. Sie bestand aus neun Jungen im Alter von sieben bis zwölf Jahren. Diese hatten ihren ersten offiziellen Auftritt am 24. Mai 1959 beim Unterkreiswettkampf im heimischen Dorf. Hunderte Zuschauer sahen Gruppenführer Herbert Meyn, Melder Heinz Dittmer, Maschinist Heinz Lange, Angrifftruppführer Paul Hermann Lieberam, Angrifftruppmann Werner Kahle (+), Wassertruppführer Adolf Twesten, Wassertruppmann Günter Burmester, Schlauchtruppführer Alfred Spitzlei und Schlauchtruppmann Gustav Soltau bei ihrer Premiere zu. Laut Chronik wurde dabei so mancher Zuschauer nass. „Wir waren verdammt nervös vor unserem ersten Wettkampf. Wir waren Exoten, aber mächtig stolz“, sagt Herbert Meyn.

Auftritt vor großem Publikum beim Kreisfeuerwehrtag

Der zweite Auftritt fand dann 1960 vor noch größerem Publikum beim Kreisfeuerwehrtag in Bleckede statt. „Wir wurden sogar mühelos Sieger, weil wir ja noch keine Gegner in unserer Altersklasse hatten“, berichtet Herbert Meyn lachend. Dennoch war die Motivation groß. „Wir wollten mehr und haben regelmäßig auf einer Weide im Dorf an der Neetze geübt.“

Die Jungen mussten bei Wettkämpfen die gleichen Übungen machen wie die Erwachsenen – Reglements für Jugendwettbewerbe gab es noch nicht. „Das war uns gleich. Wir waren glücklich, weil für uns eine neue Zeit angebrochen war und uns neben dem Fußballspielen eine weitere Freizeitbeschäftigung angeboten wurde. Einen Sportverein hatten wir nicht im Ort und auch die Reiterei war nichts für uns.“

Manche Führungskraft aus der Kreisfeuerwehr hielt die neue Jugendfeuerwehr für Spinnerei, Gemeindebrandmeister Meyn wurde oft belächelt. „Doch später kam Neid auf, dass ausgerechnet das Kaff Lüdershausen eine Jugendfeuerwehr hatte.“ Doch dauerte es noch bis 1967, bis die Kreisjugendfeuerwehr Lüneburg gegründet wurde, nachdem einige Feuerwehren dem Beispiel Lüdershausens gefolgt waren und Nachwuchsgruppen auf die Beine gestellt hatten.

Im Laufe der Jahrzehnte stellte die kleine Ortswehr ihre Jugendarbeit so gut auf, dass es bis heute in dem 490 Einwohner zählenden Dorf eine Jugendfeuerwehr gibt und seit 2008 auch eine Kinderfeuerwehr.

Jugendorganisationen zählen mehr als 1400 Mitglieder

Kinderfeuerwehren gibt es im Landkreis Lüneburg bereits seit 2001. Vorreiter waren die Ortswehren Adendorf und Rullstorf. „Sie riefen die ersten Gruppen für Sechs- bis Zehnjährige ins Leben“, berichtet Kreisbrandmeister Torsten Hensel. Er bezeichnet die Kinderfeuerwehren als Erfolgsmodell. „Sie sind eine tolle Plattform, um Nachwuchs für die Feuerwehren zu gewinnen“, sagt er. Das Konzept funktioniere, landesweit liege der Landkreis weit vorne. „Aktuell zählen unsere 41 Kinderfeuerwehren rund 600 Mädchen und Jungen, von denen etwa 70 pro Jahr in die Jugendwehr übertreten.“

Und dort werden die Jüngsten dringend gebraucht. „Weil die Jugendfeuerwehren schwächeln. Zurzeit haben wir in 64 Jugendwehren nur noch 830 Mitglieder in der Altersstufe zehn bis 18 Jahre“, räumt er ein. Vor vier Jahren waren es noch rund 1000. Ein Grund für den Schwund ist laut Lüneburgs Kreisbrandmeister Hensel, dass der Schulalltag die Jugendlichen immer stärker beansprucht. „Da bleibt dann für viele die Jugendfeuerwehr auf der Strecke.“

Von Stefan Bohlmann