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Labrador Ulli ist mit einer besonderen Fähigkeit ausgestattet: Der Vierbeiner kann Bargeld erschnüffeln. Ausgebildet wurde das Tier in Bleckede, stationiert sind Ulli und Diensthundeführerin Dörte Bolz in Stralsund. (Foto: phs)

Vierbeinige Botschafter des Zolls

Bleckede. Matz ist fünf Jahre alt und arbeitet auf dem Hamburger Flughafen beim Zoll: als Spürnase. Matz ist ein Parson Russell Terrier, spezi ell ausgebildet zum Artenschutz-Spürhund. Ob Muscheln, als Souvenir aus dem Urlaub mitgebracht, eingeschmuggelte Korallen oder Mode-Artikel aus Häuten bedrohter und geschützter Tierarten bis hin zu Nashorn-Pulver – vor Matz sensibler Nase lässt sich nichts verstecken. Ausgebildet wurde der Parson Russell Terrier an der Zollhundeschule in Bleckede. Die feierte jetzt ihr 60-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür. Mit von der Partie waren da natürlich auch Matz und seine Diensthundeführerin Sina Tillschneider.

Aus dem Archiv: Zollhündin Darcy auf Rauschgiftjagd

„Beim Zoll habe ich angefangen, weil ich schon immer was mit Hunden machen wollte“, gesteht die Zoll-Hauptsekretärin. Damit bestätigt sie das, was zuvor Hans-Josef Haas, Vizepräsident der Generalzolldirektion, in seiner Festrede festgestellt hatte: „Bei unserer Nachwuchs-Werbung spielen die Hunde eine ganz wichtige Rolle.“ Viele wollen seinen Worten zufolge gerade wegen der Vierbeiner zum Zoll. Kurz: Die vierbeinigen Fahnder mit der kalten Schnauze sind die „Botschafter des Zolls“.

Etwa 340 Zollhundeführer in Deutschland

Dass Hunde zur Recht ihren Platz im öffentlichen wie im privaten Leben gefunden haben, das wurde in der Zollhundeschule mehr als deutlich. Ob in Diensten des Zolls, der Polizei, der Bundeswehr oder als Rettungs-, Blinden-, Hüte-, Jagd- oder Therapiehund – die Vierbeiner sind nun mal des Menschen bester Freund. Auch das war eine Botschaft, die die Leiterin der Zollhundeschule in Bleckede, Oberamtsrätin Jennifer Egyptien, und ihre Kollegen vermitteln wollten.

Zurzeit sind bundesweit rund 340 Zollhundeführer mit ihren vierbeinigen Kollegen unter anderem an Flughäfen, im grenznahen Raum oder auch mobil im Einsatz. „Damit sind wir im internationalen Vergleich führend“, betonte Haas in seiner Laudatio.

Die Ausbildung der Zollhunde zum Schutz- beziehungsweise zum Spürhund erfolgt seit 1958 zentral an zwei Zollhundeschulen – in Bleckede und in Neuendettelsau (Bayern). Beide Schulen sind seit 2014 von der Weltzollorganisation zertifizierte Ausbildungseinrichtungen.

60 Jahre Zollhundeschule in Bleckede: „Das ist auch für uns ein besonderer Tag“, lobte Bleckedes Bürgermeister Jens Böther (CDU) – „darauf sind auch wir stolz.“ Der Rathauschef betonte die stets enge und freundschaftliche Verbindung zwischen Stadt und der Einrichtung der Bundesbehörde.

Labrador mit besonderen Fähigkeiten

Warum vor 60 Jahren Bleckede als ein Standort für eine Zollhundeschule auserkoren wurde, darüber kann der Bürgermeister heute allerdings nur spekulieren: „Damals waren wir die Außengrenze unseres Landes“. Doch 1989 fiel die Mauer, 1990 folgte die Wiedervereinigung. Seitdem liegt Bleckede nicht mehr am Rande, sondern im Herzen Deutschlands. Geblieben aber ist die Zollhundeschule. „Und das ist auch gut so“, findet Böther, der auch den wirtschaftlichen Aspekt sieht: „Es ist wichtig, dass der Bund Arbeitsplätze durch solche Einrichtungen wie die Zollhundeschule gerade auch in einer ländlich strukturierten Region wie Bleckede erhält.“

Dass also auch in Zukunft Diensthunde in Bleckede ausgebildet werden, daran hat in der Elbstadt niemand Zweifel. Auch nicht Dörte Bolz aus dem Hauptzollamt Stralsund, die mit Spürhund „Ulli“ in Bleckede dabei war. Der achtjährige Labrador hat eine ganz besondere Fähigkeit, die sich wohl auch viele zivile Hundehalter bei ihren Vierbeinern wünschen würden: Der Labrador kann Bargeld erschnüffeln. Sein größter Fund bislang: „220 000 Euro, versteckt auf einem Dachboden hinter einem Bretterverschlag“, berichtet Bolz.

Gelernt hat „Ulli“ in der Zollhundeschule Bleckede aber auch den Geruch von Tabak zu erkennen und anzuzeigen. Denn wenn die Zöllner ins Spiel kommen, geht es meist um unversteuerte Rauchwaren. Und die sind nicht nur schädlich für die Lungen der Raucher, sondern auch schlecht für die Kassen des Fiskus.

Einsatz auch für den Tierschutz

So machen sich also die Zollhundeteams Tag für Tag auf. Um Drogen aufzuspüren, Sprengstoff, Schwarzgeld und unversteuerte Zigaretten zu entdecken oder artengeschützte Tiere zu befreien. So wie Sina Tillschneider und ihr vierbeiniger Kollege: Lebende Falken und Schildkröten, die am Zoll vorbei geschmuggelt werden sollten, haben sie bereits entdeckt. Gut für die Tiere, schlecht für die Tierquäler, die hohe Strafen erhielten. Ein Fall aber ist der Zollhundeführerin ganz besonders in Erinnerung geblieben – der eines „Priesters“, der sich eine lebende Schildkröte um den Unterleib gebunden hatte. Das Tier sollte sterben, damit dessen Kraft auf seine Manneskraft übergeht, so die Begründung des Mannes. Das Reptil wurde befreit, über die Manneskraft des Täters ist weiter nichts bekannt.

Von Klaus Reschke