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Die Bushaltestelle am Platz Am Sande ist ein beliebter Treffpunkt für Menschen, die mehr Alkohol trinken als ihnen gut tut. Sozialarbeiter kümmern sich auch künftig um diese Klientel. (Foto: A/be)

Hilfe am Brennpunkt

Lüneburg. Der Platz Am Sande ist auch ein Treffpunkt der Flüchtlinge: Es gibt kostenloses W-Lan, die Volkshochschule mit Sprachkursen ist in der Nähe und das Treiben auf dem Platz an sich zieht Menschen an. Doch entstehen dadurch Probleme? Die Verwaltung hat jetzt Mitarbeiter aus Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber abgestellt, die quasi eine Analyse betreiben sollen. Das berichtete Sozialdezernentin Pia Steinrücke im Sozialausschuss des Rates. Ziel soll es sein, den Betroffenen – wenn notwendig – Hilfe anzubieten. Allerdings treffen die Mitarbeiter in der Regel auf Männer und Frauen, die sie bereits kennen und die sie betreuen. Nach gut einem Monat soll Bilanz gezogen werden, um über ein weiteres Vorgehen zu entscheiden.

Streetworker auch im Clamartpark aktiv

Das Projekt läuft parallel zu der sogenannten aufsuchenden Sozialarbeit. Nach Druck von Anwohnern und Bürgern, die sich über auf dem Pflaster liegende Betrunkene, Schlägereien und tägliche Einsätze von Polizei und Rettungsdienst beklagt hatten, begannen Streetworker 2012, sich um die Trinkerszene an den Bushaltestellen zu kümmern. Sozialarbeiter von Herbergsverein und Diakonieverband sind vor Ort und bieten das Gespräch an. Inzwischen gehen sie auch in den Clamartpark, wo sich Drogenabhängige treffen und zum Reichenbachplatz, den eine Gruppe von Alkoholkranken als ihren Ort ausgemacht hat.

Inzwischen sind beide Institutionen im Lebensraum Diakonie verschmolzen. Michael Grünwald, Leiter der Herberge, berichtet, dass die Arbeit Früchte trage. Polizei und Sanitäter würden deutlich seltener gerufen. Zudem könne man Klienten überzeugen, in die Herberge oder andere Unterkünfte zu wechseln, auch vermittle man beispielsweise in akuten Fällen ins Klinikum oder in die Psychiatrische Klinik, die unter anderem Entgiftungen anbietet. Allerdings stießen seine Kollegen an Grenzen: „Für manche ist es eine Drehtür, die Leute werden immer da sein.“

Grünwald stellte die Arbeit vor, weil der Ausschuss darüber abstimmte, ob die Stadt das Vorhaben auch in den kommenden zwei Jahren mit jeweils 10 000 Euro bezuschusst; der Landkreis gibt dieselbe Summe. Bei einer Enthaltung der AfD gaben die Mitglieder dafür einhellig grünes Licht.

Frauenhaus überlastet oder nicht?

Für die Linke wollte Andrea Amri-Henkel im Ausschuss wissen, wie es um eine mögliche Überlastung des Frauenhauses bestellt sei. Es habe 2017 laut Medienberichten in Niedersachsen eine Überbelegung gegeben, Frauen seien abgewiesen worden. Für die Verwaltung antwortete Jugendamtsleiterin Angela Lütjohann: 32 Frauen habe die eigenständige Einrichtung nicht aufnehmen können, die Frauen seien aber beraten worden, wo sie alternativ unterkommen können. Die Frauenhäuser seien bundesweit vernetzt, Lüneburg nehme auch mal Betroffene aus anderen Regionen auf, zum Teil auch aus Gründen des besseren Schutzes am weiter entfernten Wohnort.

Das Haus habe zwölf Plätze. 2016 und 2017 habe man 4813 Belegungstage gezählt, darunter sind auch die Kinder der Frauen. Durch inklusive Kinder habe die Belegungsquote bei 92 Prozent gelegen. Sozialdezernentin Steinrücke bilanzierte: „Das Haus ist nicht überlastet, aber die Ressource ist knapp.“ Andrea Amri-Henkel wertet da anders: „Wenn 32 Frauen und ihre Kinder aus Platzmangel abgewiesen werden, zeigt es deutlich auf, dass der Bedarf für Schutz höher ist, als die Kapazität hergibt. Das ist nicht hinnehmbar. Gewalt gegen Frauen ist Symptom einer sexistischen Gesellschaft und sie nimmt zu. Sofortiger Schutz bei Gewaltfällen ist das A und O der Prävention.“

Von Carlo Eggeling

2 Kommentare

  1. Frauenhäuser zu fördern ist eine wichtige Sache. Viele Frauen wissen nicht wie sie sich gegen gewältige Männer schützen sollen. Da sollte viel mehr investiert werden. Ob das Animations- und Bespaßungsprogramm der Sozialarbeiter für die Alkoholikerszene wirklich etwas bringt wage ich zu bezweifeln.

    • Auf jeden Fall brauchen wir mehr Frauenhäuser und eine stärkere Förderung. Über 50% der Frauen in den deutschen Frauenhäusern haben Migrationshintergrund und bei der Zuwanderungs- und Bevölkerungsentwicklung ist eine erhebliche Steigerung betroffener Frauen nicht vermeidbar.