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Spätestens seit inklusiver Unterricht in Niedersachsen zur Pflicht geworden ist, wird das Thema kontrovers diskutiert. Eine Professorin der Leuphana ist der Meinung, dass es den Schulen an Unterstützung und Ressourcen fehlt. (Foto: t&w)

„Schulen kommen so nicht voran“

Lüneburg. Kaum ein Schulthema wird derzeit so kontrovers diskutiert: Sind Kinder mit einem besonderen Förderbedarf an Regelschulen richtig auf gehoben? Funktioniert Inklusion? Im Schuljahr 2013/14 ist inklusiver Unterricht in Niedersachsen zur Pflicht geworden. Das bedeutet: Auch Kinder, bei denen eine sonderpädagogische Unterstützung festgestellt wurde, dürfen sich gegen eine Förderschule und für eine allgemeine Schule entscheiden. Prof. Dr. Simone Abels von der Lüneburger Universität ist überzeugt, dass viele Lehrer im Zuge dieser Einführung keine entsprechenden Schulungen erhalten haben, es vor Ort massiv an Unterstützung und Ressourcen fehlt.

Simone Abels betreut das Projekt an der Leuphana. (Foto: t&w)

Um speziell den naturwissenschaftlichen Unterricht inklusiv zu gestalten und Konzepte weiterzuentwickeln, hat sie an einer Ausschreibung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung teilgenommen – mit Erfolg. 480 000 Euro fließen in drei halbe Doktorandenstellen, die jetzt geschaffen werden, und in die Ausbildung von 64 Studenten und 16 Lehrern aus der Region. Das Projekt „Naturwissenschaftlichen Unterricht inklusiv gestalten“ läuft drei Jahre, in der Zeit sollen nicht nur Kriterien für inklusiven Naturwissenschaftsunterricht herausgearbeitet, sondern auch Videoanalysen in den Klassen stattfinden.

„Die Fachdidaktiken hinken massiv hinterher, es gibt kaum Aus- und Fortbildungsangebote für die Schulen. Oft sind diese dann auch sehr allgemeinpädagogisch und nicht auf den Fachunterricht ausgerichtet“, sagt Abels, die gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias Barth an der Ausschreibung teilgenommen hat. In diesem Monat und im Juli starten drei Studentinnen in ihre Promotion: Eine untersucht den Primar-, eine den Sekundarbereich, eine setzt sich mit einem Vergleich der beiden Stufen auseinander.

16 Studenten starten im Oktober in das Projekt

An der Leuphana ist das Projekt im Masterstudium angesiedelt, es ist Teil der Praxisphase, die sich für angehende Lehrer über drei Semester verteilt. Zum Semesterstart im Oktober erhalten jeweils 16 Studenten aus dem Primar- und Sekundarbereich die Möglichkeit, Inklusion im naturwissenschaftlichen Unterricht näher zu betrachten. „Wir schauen uns an, ob sie im Laufe dieser drei Semester entsprechende Kompetenzen entwickeln“, erklärt Abels, die auch die Lehrer mitnehmen und im ersten Durchgang 16 Pädagogen zu einer Fortbildung einladen möchte. Im nächsten Jahr soll das Projekt wiederholt werden, sodass insgesamt 64 Studenten davon profitieren können. „Die Ergebnisse möchten wir sowohl national als auch international veröffentlichen und an andere Schulen weitertragen“, sagt Abels.

Bei einer „offiziellen Diagnose“ steht einem Kind eine bestimmte Anzahl an Stunden einer Förderlehrkraft zu. Die kommt dann zur Unterstützung an die Schule. Simone Abels sieht deshalb die größeren Schulen im Vorteil. „Wenn dort viele Kinder inklusiv beschult werden müssen, wird manche Förderschul­kraft mit einer halben oder vollen Stelle dorthin abgeordnet.“ Das sei aber nicht die Regel, die aktuelle Umsetzung von Inklusion sehe eher vor, dass die Fachkräfte von Schule zu Schule reisen, die Lerngruppen ständig wechseln. „Das hilft überhaupt nicht. Sie können so niemals Teil des Kollegiums werden, die Schulkultur nicht kennenlernen.“

Kulturellen und sprachlichen Hürden Beachtung schenken

Feste Teamtreffen gehören ihrer Meinung nach in den Stundenplan, damit sich Pädagogen aus verschiedenen Fachgebieten gegenseitig Rückmeldungen geben, Formate und Rituale für den Unterricht entwickeln und Bedürfnisse einzelner Schüler besprechen können. „Denn es wird häufig vergessen, dass manche Kinder auch so Unterstützung benötigen – selbst wenn es dafür keine offizielle Diagnose gibt.“ Auch kulturelle und sprachliche Hürden oder beispielsweise die Tatsache, dass manche Kinder in ihrem häuslichen Umfeld am Lernen gehindert werden, müssten Beachtung finden.

Um entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen und die Ressourcen anders zu verteilen, sieht Abels die Politik gefordert. „Sie könnte viel mehr tun. Es hilft nicht, wenn nur bei einzelnen Kindern ein Brand gelöscht wird. So kommen die Schulen in der Entwicklung nicht voran.“

Stellen nun nicht mehr befristet

Inklusion war jetzt auch Thema einer Anfrage im Landtag. So hatten Abgeordnete der FDP festgestellt, dass von den 470 ausgeschriebenen Stellen für Pädagogische Mitarbeiter, die bis zum 31. Juli befristet und für die Unterstützung der Inklusion vorgesehen waren, nur 115 Stellen besetzt werden konnten. Diese Posten wurden inzwischen allesamt entfristet – und dennoch besteht in den Schulen nach wie vor ein Bedarf an weiterer Unterstützung.

Geschaffen wurden die Stellen, um Pädagogische Mitarbeiter von Förderschulen an allgemeine Schulen abzuordnen. Die Antwort der Landesregierung: „Der Bedarf an zusätzlichem sonderpädagogischem Personal ist der Landesregierung bekannt. Daher hat sie in ihrer Koalitionsvereinbarung einen sukzessiven Aufbau der Stellen für die Pädagogischen Mitarbeiter vereinbart.“

Von Anna Paarmann

Wie die Inklusion im Unterricht gelebt wird

Vier Schulen berichten beispielhaft über ihre Erfahrungen und sagen, wo es hakt

Lüneburg. An der Anne-Frank-Schule gestalten zwei Förderschullehrer mit insgesamt 32 Stunden gemeinsam mit den Lehrkräften den Unterricht. „Auch wenn es an einigen Stellen noch hakt – eine Rolle rückwärts könnte ich mir nicht mehr vorstellen“, sagt Rektorin Daniela Tiesing-Neben. An ihrer Schule werden aktuell 28 Kinder mit einem anerkannten sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf inklusiv in ihren Klassen unterrichtet. Im Unterschied zu den weiterführenden Schulen erfolge die Zuweisung an Förderlehrerstunden in den Förderbereichen „Lernen“, „Emotionale und soziale Entwicklung“ und „Sprache“ nach einem einheitlichen Berechnungsschlüssel. Dabei sei egal, wie viele Kinder in diesen Bereichen tatsächlich inklusiv beschult werden müssen, sagt Tiesing-Neben, die sich wünscht, dass anstelle der ungleichen Verteilung nach dem „Gießkannenprinzip“ auch in der Grundschule die Förderstunden kindbezogen und mit einer höheren Stundenzahl erfolgen. „Wären wir zum Beispiel eine Oberschule, so stünden uns aktuell weit mehr als doppelt so viele Lehrerstunden zu Verfügung – die wir unbedingt brauchen können.“

Deutliche Kritik am Inklusionskonzept übt Dieter Stephan, Leiter des Gymnasiums Oedeme. Oberste Priorität habe für ihn das gymnasiale Niveau und damit das Abitur. Inklusive Beschulung sei nur für solche Schüler sinnvoll, die ihrem geistigen Potenzial nach diese Reifeprüfung eines Tages auch bestehen können. Auch er sieht, dass die Zahl der Kinder mit einem sogenannten I-Status (I steht für Inklusion) von Jahr zu Jahr steigt, inzwischen liegt sie bei sechs Prozent. Dass an seinem Gymnasium auch an Kinder mit einem besonderen Förderbedarf gedacht wird, macht Stephan deutlich, indem er aufzählt, dass Schülern mit Hör- oder Sehbeeinträchtigungen beispielsweise Räume mit Teppichboden, Hör- und Lesehilfen oder auch Kopien mit größerer Schrift zur Verfügung gestellt werden. Auch sei man über externe Unterstützung dankbar: So wird im kommenden Schuljahr ein Kind in die 5. Klasse eingeschult, das den gesamten Tag einen Lernbegleiter an seiner Seite hat. Auch das „schuleigene, umfassende und anerkannte Konzept für den Nachteilsausgleich“ lässt Dieter Stephan nicht unerwähnt. „Es bietet uns eine Grundlage, um bei Lese-Rechtschreib-Schwächen oder anderen Beeinträchtigungen einen Ausgleich in Form von verlängerten Zeiten bei Klassenarbeiten oder verkürzten Aufgabenstellungen zu gewähren“, erklärt der Schulleiter. Gleichzeitig werde das inhaltliche Niveau aber beibehalten.

Davon überzeugt, dass Inklusion funktionieren kann, ist Nils Heinrichs. Der Didaktische Leiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Embsen glaubt aber auch, dass die Ressourcen noch nicht ausreichen. „Die Schulen sollten die Möglichkeit haben, viel mehr in multiprofessionellen Teams zusammenzuarbeiten. Wir können Schulsozialarbeiter, Erzieher und Schulbegleiter gut gebrauchen“, sagt er. „Aber das ist eine Frage der Finanzen und der Ausbildungskapazität.“ An der Gesamtschule sei man bemüht, Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen sowohl inklusiv als auch integrativ zu beschulen. „Wir achten darauf, dass wir sie gut auf die Klassen verteilen und mit ausreichend Förderschulstunden versorgen.“ Diese Stunden seien aber knapp bemessen, erforderlich wären eigentlich mehr. Das aber scheitere womöglich auch am Mangel an geeigneten Lehrern. Im Unterricht würden Schüler, denen ein besonderer Förderbedarf attestiert wurde, in Tischgruppen mitarbeiten, „um keine Parallelwelt zu schaffen“. Ab und an müssten aber auch kleinere Gruppen gebildet werden, um beispielsweise Grundlegendes zu vermitteln. Förderschullehrer für den Bereich Lernen kämen von der Schule an der Schaperdrift nach Embsen. „Wir haben viele gemeinsame Dienstbesprechungen, das ist super, weil wir so auch auf einzelne Kinder eingehen können.“

An der Oberschule am Wasserturm werden insgesamt 80 Kinder inklusiv beschult. Rektor Uwe Wegener glaubt, dass ein entsprechender Unterricht nur dann leistbar ist, wenn stets zwei Lehrer eine Klasse betreuen. „Fächer wie Sport und Kunst lassen sich wunderbar mit wenig Aufwand und beispielsweise einer Regelschullehrkraft umsetzen, anders ist es bei den klassischen Lernfächern wie Deutsch, Mathe oder Geschichte“, sagt der Schulleiter, der es für sinnvoll hält, möglichst viele Förderschulstunden in einer Klasse zu vereinen. So ist an der Oberschule eine Gruppe von 24 Schülern, von denen acht der Förderschwerpunkt Lernen attestiert wurde, fast die gesamte Woche über mit zwei Lehrern versorgt. „Das ist für alle ein Gewinn. Oft heißt es, dass Förderschulkinder eine Belastung sind, das ist aber nicht so.“ Inklusion setze aber auch ein hohes Maß an Teamarbeit voraus. So sehe das schuleigene Inklusionskonzept vor, dass die Stunden stets im Team besprochen werden, eine Fachkraft mitentscheiden kann, welche Einheiten im Klassenverbund durchgeführt werden können und wann es sinnvoll ist, die Schüler auch mal zu trennen. „Wir versuchen aber, möglichst viel zusammenzubleiben, eine Klasse ist schließlich eine Identifikationsgruppe.“ Eine Grundvoraussetzung sei aber auch, dass sich die Förderschullehrer dem Kollegium zugehörig fühlen und viele Stunden an der Schule sind. ap

9 Kommentare

  1. Es ist schön zu sehen, dass in vier Jahren (nach Ablauf des Förderprojektes) insgesamt 64 Lehramtsstudierende in MINT-Fächern darauf vorbereitet worden sein sollen, um dann in vier Jahren inklusiv zu lehren.

    Welche Fortschritte, Ergebnisse, Verbesserungen sich dann für bzw. bei diesen 64 künftigen Lehrkräften einstellen werden dank dieser speziellen Vorbereitung durch die Leuphana, die allerdings diese spezielle Vorbereitung jetzt erst in diesen drei Jahren selbst entwickelt und die Ergebnisse parallel erst selbst evaluiert durch drei Promovandinnen.

    Die Inklusion wurde aber mit Abbau von Förderschulräumen und -angeboten seit 2011 in Lüneburg von SPD und Grünen mit Zustimmung der Linken, CDU und FDP im übrigen, eingeführt. Vor sieben Jahren.

    10 Jahre lang werden also zwischen Abbau von Förderschule begonnen unmittelbar 2011 und ersten fachdidaktischen Konzepten für Lehramtsstudierende und Lehrer in MINT-Fächern liegen.

    So so. Eine Generation Schulkinder als Versuchskanninchen quasi?
    Klingt hart?

    Nun, zwei Punkte dazu:
    Die Mahnung vor sieben Jahren, dass viel kostbare Zeit von spezialisierten Förderschul- / Sonderpädagogen auf der Straße sinnlos verbraucht werden, wenn sie im Stau stehen auf der Fahrt von 2,25 Stunden in Inklusionsschule A zu 1,5 Stunden in Inklusionsschule B und nachmittags noch 1,0 Stunde in Schule C, wird jetzt in diesem Artikel von Frau Prof. Dr. Abels als wenig effektiv negativ bewertet.

    Es ist eben doch besser, so auch die Erfahrungen an den vier Schulen, möglichst zielgerichtet Sonderpädagogen mit ihren speziellen Ausbildungen möglichst viel Zeit und Ruhe mit den speziellen Förderbedarfen der Kinder zu geben.

    Das ist – wenn auch die Eltern dies wünschen bzw. spüren, dass es den individuellen Bedürfnissen ihrer Kinder gerechter wird – also genau der Bedarf nach spezialisierten Förderschulangeboten. Dort können Lehrkräfte, Pädagogen, Pflegekräfte gezielt und mit Zeit und vom Regelschulbetrieb unbehelligt Spezialaufgaben angehen.

    Wer Förderschulen aber abbaut, weil er Räume für seine Stadtverwaltung benötigt. Oder wer in der Landesschulbehörde sachlich und nüchtern als Beamter die Inklusion bearbeiten sollte, aber leider parteipolitisch exponiert für Ideen streitet – was Politiker tun sollen, aber Beamte gerade nicht! – von dem ist nicht zu erwarten, dass er offen für Eltern- und Kinderbedürfnisse ist.

    Die SPD in Stadt und Kreis verwechseln Inklusion leider seit einem Jahrzehnt mit der Inititative „Eine Schule für alle“. Das führt dazu, ein eigentlich vier-, fünf-, vielgestaltiges breites Schulangebot inklusive Förderschulen auf eine Einheitsbreischule zu reduzieren.

    Das ist das Gegenteil der Inklusionsidee.
    Leider bemerken das weder Frau Steinrücke, noch Herr Wiebe, noch Herr Kamp.
    Deren Inklusion in ihrem Lauf, hält kein Schüler und kein Lehrer auf…

    Warum muss man die Vielfalt an individuellen Fördermöglichkeiten reduzieren im Namen der Inklusion, wenn deren Ziel doch gerade möglichst individuelle Förderung ist, wo es ohne diese nicht geht?

    Da sollten OB Mädge und Landrat Nahrstedt die Ideologie-Brille abnehmen und Weitblick beweisen.
    Bestehende Förderschulen treffen auf eher steigende BEdarfe – warum also sollen sie zur Schließung gezwungen werden?

  2. Der Anteil der Kinder, die in Deutschland Förderschulen besuchen, geht nur sehr langsam zurück: Im Jahr 2009 waren es 4,8 Prozent, 2016 immer noch 4,2 Prozent. Etwa 318 000 Kinder gehen derzeit auf eine von 2913 Förderschulen im Land. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Die Grünen wollten wissen, wie es mit der Inklusion vorangeht, seit die Bundesregierung 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert und erklärt hat, dass behinderte und nichtbehinderte Kinder in Deutschland gemeinsam zur Schule gehen sollen.

    Da heute kaum weniger Kinder auf Förderschulen gehen als am Ende des vorigen Jahrzehnts, scheint die Schlussfolgerung nahezuliegen, dass kaum mehr Kinder mit Förderbedarf in Regelschulen integriert wurden. Das allgemeinbildende Schulsystem wäre mithin kaum inklusiver geworden, trotz Behindertenrechtskonvention.

    was soll dann die aufregung von den eltern nichtbehinderter kinder? angst, dass die hochbegabung ihrer sprößlinge nicht entdeckt wird?

  3. was hier bei besonders erstaunt, ist das gejammer so mancher lehrer, die sich überfordert fühlen. durch was ,oder wen werden sie denn überfordert? durch die wachsende anzahl von behinderten kindern, kann es ja nicht sein. ob es die eltern der unbehinderten kinder sind? oder doch nur die schlechte eignung, diesen beruf auszuüben? warum wollen von ihnen wohl so viele beamte werden?

  4. Hallo Herr Bruns,
    das ist doch der bessere Ansatz für einen Kommentar. Die Statistik ist interessant, gut zu wissen. Sie lässt Ihre Interpretation zu – allerdings auch eine ganz andere: die entgegengesetzte!

    Die kaum sinkende Anzahl von Kindern an Förderschulen seit 2009 bei zugleich deutlich mehr Kindern mit Förderbedarf, die an Regelschulen inklusiv unterrichtet werden, bedeutet doch viel eher, dass der Bedarf deutlich gestiegen ist.

    Und der Bedarf ist deutlich gestiegen – aus mehreren Gründen. Diese sind vielschichtig und wir müssen sie jetzt nicht diskutieren, wegdiskutieren oder politisieren.

    Aber wenn doch gerade der Bedarf steigt, und wenn zugleich die Regelschulen jetzt bereits überfordert sind, dann gibt es zwei Möglichkeiten:

    a) Mit dem Kopf durch die Wand: „die Politik ist schuld, dass Inklusion nicht richtig umgesetzt wird“ rufen. Förderschulen weiter abbauen, um den Druck auf Regelschulen zu erhöhen: Inklusion erzwingen wollen.
    Und Eltern etwas verächtlich abwerten („hochbegabung ihrer sprößlinge“), die diesen Weg verhindern wollen.

    b) Einfach möglichst viele und unterschiedliche Schulangebote erhalten und Förderschulen jetzt nicht schließen, sondern im Gegenteil: stärken! Wer Förderschulen ausbaut, der hat vielleicht sogar bessere Kapazitäten für die inklusive Beschulung an Regelschulen (übrig)?

    Herr Bruns: es geht in Lüneburg nicht um „aufregung von den eltern nichtbehinderter kinder“. Es geht um die Kinder mit Förderbedarf und deren Eltern, die nicht das Angebot an Spezialförderung an Förderschulen von Politikern und Verwaltung wegdiskutiert bekommen wollen.

    Kosten einsparen? Für Migration und Integration ist Geld vorhanden.
    Schulgebäude umnutzen? In einer wachsenden Stadt sollte man keine Schulgebäude schließen.
    Bedarfe sind nicht vorhanden? Die Eltern und Lehrer sagen das Gegenteil.
    Statistiken vorbringen? Statistiken beleuchten die Vergangenheit und nicht die Zukunft.
    Pädagogische Qualitäten der Inklusion nur an Regelschulen gesichert? Die Leuphana-Professorin trägt im Artikel selbst vor, dass es noch gar keine ausreichenden didaktischen Grundlagen gibt…

    Wir können gerne den Menschen Vielfalt nehmen. Wir können aber auch auf die Betroffenen eingehen.
    Ich glaube, Inklusion meint letzteres.

    Ist meine Sicht der Dinge so schrecklich? So böse, schwarze, reaktionäre, gegen die UN-Konvention gerichtete, schwarze Pädagogik?

    Die SPD und Grünen, die maßgeblich die jetzige Linie in Lüneburg Stadt und Landkreis durchsetzen wollen, weil es so sein muss, wie sie es für richtig erachten, dass Förderschulen geschlossen gehören, begehen einen Fehler, den sie nicht selbst werden spüren müssen, sondern alleine die künftig betroffenen Kinder, denen gute Angebote verloren gehen werden, wenn Förderschulen geschlossen werden.

    Das ist Politik auf Kosten Dritter.

  5. hallo Lueneburger,verächtlich ? mir sind reaktionen von rektoren bekannt: aussage: es sind nicht die kinder, sondern deren eltern. ich habe nichts gegen förderschulen, nur etwas gegen eltern , die meinen stimmung gegen die zu machen, die ihre kinder gerade wegen, oder trotz einer behinderung an eine ,,normale ,, schule schicken. ich höre manchmal das grass wachsen. könnte angst um arbeitsplätze da eine rolle mitspielen?