Dienstag , 25. September 2018
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Petra Pauli am Steuer ihres mit Erdgas betriebenen „VW up“. Dass die Erdgas-Technik nicht mehr forciert wird, kann die Breetzerin nicht nachvollziehen. (Foto: kre)
Petra Pauli am Steuer ihres mit Erdgas betriebenen „VW up“. Dass die Erdgas-Technik nicht mehr forciert wird, kann die Breetzerin nicht nachvollziehen. (Foto: kre)

Erdgas-Autos auf dem Standstreifen

Breetze/Lüneburg. Umweltfreundlich, ohne die Luft zu verpesten soll das Auto der Zukunft durch die Lande rollen: Spätestens seit dem Diesel-Skandal setzen Politik und Automobilindustrie deshalb auf E-Mobilität. Elektroautos sollen die Umwelt schonen und das Klima retten. Dabei gibt es schon jetzt eine Alternative zum Diesel oder Benziner – Erdgas-Autos. Petra Pauli aus Breetze fährt ein solches Gefährt und ist mehr als zufrieden damit. Umso mehr wundert sie sich, dass diese Antriebstechnik nur ein Nischen-Dasein fristet.

Die 48-Jährige ärgert das. Sie selbst hatte sich vor einigen Jahren ganz bewusst für den Kauf ihres „VW up“ mit Erdgas-Antrieb entschieden. „Weil ich umweltschonend unterwegs sein möchte“, betont sie. Auch beim Bau ihres Hauses hat sie darauf geachtet, dass der ökologische Fußabdruck so gering wie möglich ausfällt. „Wir haben altes Fachwerkholz wiederverwendet und Ziegelsteine recycelt“, berichtet Petra Pauli. Auf dem Dach befindet sich eine Solar-Anlage, geheizt wird mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz. Und so umweltbewusst wie ihr Zuhause wünscht sich die Breetzerin auch den Straßenverkehr.

Dass nun ausgerechnet die E-Mobilität die ökologische Rettung bringen soll, kann Pauli nun überhaupt nicht nachvollziehen: „Die Herstellung ist teuer, es gibt zu wenig Ladestationen, die Reichweite der E-Autos ist begrenzt und die Herstellung und auch spätere Entsorgung der Lithiumbatterien ist alles andere als ökologisch“, listet Pauli einige ihrer Kritikpunkte auf.

Mit ihren Bedenken steht die 48-Jährige nicht alleine: Bereits 2015 wurde eine Studie des Heidelberger Umwelt- und Prognose-Instituts (UPI) veröffentlicht, die die Umweltfreundlichkeit von Elektroautos anzweifelt. „Die durch Elektroautos verursachten CO₂-Emissionen liegen, anders als häufig angenommen, ungefähr auf gleicher Höhe wie bei Benzin- und Diesel-Pkw“ heißt es da. Und weiter: „Elektroautos haben zwar am Fahrzeug selbst keine Emissionen, durch den Verbrauch von Strom verursachen sie jedoch bei der Stromerzeugung Emissionen, die ihnen zugeschrieben werden müssen. Außerdem verursachen sie bei der Herstellung einen höheren Ressourcenverbrauch als herkömmliche Pkw.“

Dass Erdgasfahrzeuge als saubere Alternative gelten, liegt am Rohstoff CNG (Compressed Natural Gas), bei dessen Verbrennung weniger Stickoxid, Kohlenmonoxid sowie CO₂ entstehen als bei Benzinern und Dieseln. Auch Rußpartikel fallen kaum an. Außerdem ist Erdgas günsti­ger: Für das Kilo Erdgas zahlt Pauli zurzeit 1,15 Euro. Erdgasautos haben zudem mindestens einen kleinen Benzin-Nottank an Bord, wie das von Petra Pauli. Rund 350 Kilometer beträgt ihren Worten zufolge die Reichweite ihres Autos nur mit Erdgas. Ist der Tank leer, schaltet der Wagen automatisch auf Benzin um. Der Treibstoff reicht dann für weitere gut 100 Kilometer. Was die 48-Jährige allerdings ärgert, ist das dünne Erdgas-Tankstellennetz. In Lüneburg gebe es nur eine einzige Erdgas-Tankstelle – und die sei leider öfter außer Betrieb. „Weil so mancher Autofahrer den Tankstutzen nicht entfernt bekommt und dann einfach losfährt“, zitiert die Breetzerin den Tankstellenpächter. Dabei sei der Tankvorgang „mit ein bisschen Übung kein Problem.“

Bundesweit gibt es laut der Initiative Erdgasmobilität 862 Erdgastankstellen – rund 40 weniger als 2016. Rückgängig ist aber auch die Anzahl der CNG-Fahrzeuge. 2016 waren es laut Kraftfahrtbundesamt noch 97 804, im vergangenen lag ihre Zahl bei nur noch 93 766.

VW will nun umsteuern, bis 2025 die Zahl der Erdgas-Fahrzeuge auf eine Million verzehnfachen sowie das Tankstellennetz von derzeit 900 auf 2000 Standorte auszubauen. Für Petra Pauli ist das eine gute Nachricht.

Hintergrund

Nur wenige Autos mit Gas

Neun Erdgas-Fahrzeuge sind im Landkreis Lüneburg gemeldet, dazu kommen sieben Fahrzeuge, die über einen sogenannten bivalenten Antrieb mit Benzin und mit komprimiertem Erdgas verfügen. Der Landkreis selbst hat zwei mit Erdgas betriebene Autos in seiner Fahrzeugflotte.

Von Klaus Reschke

One comment

  1. Robert Bäumer

    Schade, der Artikel ist eigentlich gut gemacht und zeigt die vielen Vorteile und die wenigen Nachteile von CNG-Fahrzeugen auf. Nur die Überschrift passt im Moment nicht ins Bild. Der CNG-Antrieb befindet sich nämlich eher auf der Überholspur als auf dem Standstreifen. Enorme Zuwachsraten bei den Zulassungszahlen belegen das. CNG ist der einzige Kraftstoff, der gleichzeitig klimafreundlich und kostengünstig und praxistauglich ist. Immer mehr Hersteller verkaufen serienmäßig ausgereifte Fahrzeuge: Fiat, Opel, Seat, Skoda, Audi, VW und bald auch Ford. Wenn man eine CNG-Tankstelle in der Nähe oder auf dem Weg hat, gibt es momentan nur Gründe die für die Anschaffung eines CNG-Fahrzeugs sprechen. Ich fahre seit einem halben Jahr einen Skoda Octavia G-Tec ab Werk und bin super zufrieden.