Mittwoch , 19. September 2018
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Ayla Pollmann hat sich vor allem um Affenwaise Angel gekümmert und sie aufgepäppelt. Aber auch Eichhörnchen, Kapuzineraffen und Aras leben in der Einrichtung. (Fotos: privat)

Ayla wird für Angel zum rettenden Engel

Lüneburg. Angel wollte partout nicht fressen. Kein Wunder, sie hatte gerade ihre Mutter verloren. Als sie gefunden wurde, hing sie an deren leblosem Körper, wohl schon ein paar Tage lang. „Sie war völlig dehydriert“, erinnert sich Ayla Pollmann. Die 24-Jährige hat sich um Angel gekümmert, sie mithilfe einer Spritze zwangsernährt und aufgepeppelt. Das kleine Affenmädchen, kaum vier, fünf Monate alt, erwies sich als Kämpferin, sie überlebte – auch dank der Hilfe von Ayla Pollmann. Die Lüneburgerin hat drei Monate lang in einem Tierrettungscenter in Costa Rica gearbeitet. Zurück in Deutschland hofft sie nun auf Spenden für die Einrichtung.

Das einzige Tierheim weit und breit

Die frühere Abiturientin der Wilhelm-Raabe-Schule ist noch immer ganz begeistert. „Es war eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens“, schwärmt sie von der Zeit in Mittelamerika. „Ich habe viele sehr berührende Geschichten erlebt.“ Das „Wild Sun Rescue Center“ kümmert sich um wildlebende Tiere wie Kapuzineraffen, Brülläffchen, Opossums und Aras und rettet sie vor dem sicheren Tod. „Es ist das einzige Tierheim weit und breit.“ Und weil die Einrichtung in einer kleinen Stadt direkt am Meer finanziell nicht vom Staat unterstützt wird, sei sie komplett auf Spenden und Ehrenamtliche angewiesen.

Ayla Pollmann studiert Psychologie, hat zuletzt in den Niederlanden ihren Bachelor gemacht. Sie habe überlegt, sich in Richtung Tierverhaltenspsychologie zu spezialisieren. Und weil ihr Vater immer von seinen vielen Reisen geschwärmt habe, packte sie das Fernweh. Im Internet stieß die Lüneburgerin, die schon in Indonesien Freiwilligendienst geleistet hatte, auf das Tierrettungscenter in Costa Rica, in dem Amerikaner, Kandadier und eben auch Deutsche wilden Tieren in Not helfen mit dem Ziel, sie am Ende wieder in die Freiheit zu entlassen. „Eine Tierärztin aus den USA arbeitet dort zeitweise, ihre Studenten lernen dort quasi direkt in der Praxis“, berichtet Ayla Pollmann. Ein dreiarmiges Äffchen hat sie genauso betreut wie einen blinden Paca, ein dem Meerschweinchen ähnliches Nagetier.

Nach drei Monaten endete ihr Einsatz für tierische Waisenkinder in Costa Rica, länger galt ihr Visum nicht. Doch die Arbeit könne sie nur jedem ans Herz legen: „Die Tiere geben einem unheimlich viel zurück. Und ich habe auch eine Menge über mich selbst gelernt“, sagt sie rückblickend.

Projekt zur Ansiedlung der bedrohten Aras

Doch allein mit freiwilligem Einsatz, wie sie ihn geleistet hat, ist es nicht getan: „Im Moment gibt es ein großes Projekt, die scharlachroten Aras wieder anzusiedeln. Sie sind in den meisten Regionen Costa Ricas ausgestorben, aber extrem wichtig für die Umwelt. Derzeit leben 14 Pärchen in dem Center. Um das Projekt zu finanzieren, wird dringend Geld benötigt“, sagt Ayla Pollmann. „Es müssen auch nicht unbedingt große Summen sein, schon ein Euro im Monat würde weiterhelfen.“

Wer mehr über das Center wissen möchte, kann sich auf www.wildsunjungleresort.com oder auf Facebook unter „Wild Sun Rescue Center“ informieren. Spendenmöglichkeiten gibt es auf www.patreon.com/WildSunMacaws im Netz.

Von Alexander Hempelmann